Irak »Sie lernen zu töten«Seite 3/3
Moscatiello: Einige sehen ihre Rolle tatsächlich so. In meinem Film erzählt ein Protagonist davon, wie enttäuscht er ist, wenn er nach vier Wochen in dem Simulations-Camp nach Hause kommt und im Radio hört, dass wieder zehn Zivilisten im Irak von GIs getötet wurden. Dann fragt er sich schon, ob diese Übungen überhaupt einen Sinn haben.
ZEIT: Suchen manche auch einen besonderen Kick beim Kriegspielen?
Moscatiello: Einmal raus aus dem Alltag zu kommen – das macht dieses Übung für viele attraktiv. Es ist eine gewisse Abenteuerlust dabei. Und viele fasziniert auch die klare Konfrontation, die es in dem Kriegsspiel gibt. In unserer abstrakt gewordenen Welt erlebt man diese klaren Konfrontationen heute kaum mehr. Und hier kann man für ein paar Wochen einfach in eine Welt eintauchen, in der das Feindbild wieder eindeutig ist. Es ist schon ironisch: Während die Soldaten in der Simulation üben sollen, zu differenzieren, zieht viele deutsche Statisten gerade das klare Schwarzweißdenken an.
ZEIT: Sie begannen im Jahr 2003 mit den Arbeiten an Ihrem Film und begleiteten Statisten und Soldaten über lange Zeit. Haben sich die Übungen der US-Armee in den fast vier Jahren des Irakkonflikts verändert?
Moscatiello:
Zu Beginn waren die Simulationen etwas starrer, liefen immer nach einem holzschnittartigen Muster ab. Die Amerikaner werten ihre Einsätze im Irak aber genau aus, und das Geschehen wird in die neuen Rollenspiele aufgenommen. Zudem kommen Soldaten mit Kampferfahrung aus dem Irak zurück und arbeiten dort als Ausbilder. Daher werden die Kriegssimulationen in der Oberpfalz wohl immer realistischer.
Das Interview führte
Jan Pfaff
Zum Thema
Der Krieg im Irak und seine Folgen
-
Analysen und Hintergründe »
- Datum 21.02.2007 - 04:35 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 22.02.2007 Nr. 09
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Wir Intellektuellen sind geborene Zweifler. Unsere Aufgabe ist es (unter anderem) in Frage zu stellen. Wir werden gebraucht, um Alarm zu schlagen, um zu rufen „Es brennt!“. Wir sollen für unsere demokratische, rechtsstaatliche Gesellschaft gefährlichen Entwicklungen proaktiv und nicht reaktiv begegnen.
Wir müssen per se jeder Obrigkeit mißtrauen. Wir müssen ein „gespaltenes Verhältnis zu den Behörden“ (das Urteil eines Landrates über mich) schlechthin haben. Und kein Ausspruch darf uns mehr in Wut bringen als jener berühmte Satz des Feldmarschalls von Wrangel: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.“
Doch all dies macht uns ungeeignet für die Meisterung wahrer Krisensituationen, wenn es um Sein oder Nichtsein geht. Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, die sowohl die Lebenden als auch die Nachkommenden möglicherweise kontrovers beurteilen werden. Entscheidungen, die über das Leben von Tausenden und Abertausenden entscheiden.
Dann braucht man uns Differenzierer nicht, dann haben wir unsere Rolle ausgespielt. Dann braucht man Leute, die in Schwarzweiß denken, die klare Feindbilder haben, die der Konfrontation nicht aus dem Wege gehen. Die bereit sind, Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie sich später als falsch herausstellen. Ich beneide sie nicht. Aber ich weiß, daß wir sie (leider) manchmal brauchen.
...könnte man Ihren Beitrag nennen, Peter Schönau. Wenn es da etwas zu entmannen gäbe.
Typen wie Sie sie beschreiben, die in der Krise zusammenbrechen und handlungsunfähig werden, sind allerdings NUTZLOS - nicht nur in der KRISE, sondern auch im NORMALzustand, weil sich hier nämlich offenbart hat, daß sie in Wirklichkeit nur Dummschwätzer ('...Wir Intellektuellen...', au Backe!) sind.
Das, was Sie offenbar nicht begriffen haben, ist: seit dem alten Rom schaffen sich die Möchtegern-Diktatoren die Krisen, die zu ihrer Berufung an die Macht und zur Ausschaltung des kritischen Diskurses über ihre Handlungen führer, SELBER.
Die Aufgabe des WAHREN Intellektuellen ist es demnach, die Anzeichen hierfür zu erkennen, ihnen entgegenzutreten oder, wenn es bereits geschehen ist, dem Diktator die Macht wieder aus den Händen zu winden.
Auf 'intellektuelle' Schönwettersegler und Sonntagsredner können wir allerdings verzichten.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren