Italien Das erstarrte Land
Italiens Wirtschaft lahmt, der Staat ist hoch verschuldet. Vor allem im Süden regiert nicht der Markt, sondern immer noch die Mafia. Ein Report über den kranken Mann Europas.
Zwischen Rom und Neapel geht es durch die Berge des Apennin, und irgendwann kommt etwas, das wie ein Grenzwall anmutet. Es ist ein Grenzwall aus Müll – dahinter beginnt der Süden des Landes. Der Müll wuchert aus den Gemüsefeldern, neben den Plastikschläuchen, unter denen der Salat für die Großstädte wächst. Man sollte nach Caserta fahren, wenn man die Kontraste Italiens sehen will.
Die Stadt beginnt inmitten dieser Müllfelder. Ein riesiges Schloss dominiert Caserta, das größte in ganz Italien. Einst haben es die Bourbonenkönige gebaut, die über Neapel und den Süden herrschten. Damals hieß das Land um Caserta terra di lavoro, »Land der Arbeit«. Die Felder waren voller Menschen, nicht voller Müll.
Carlo Cicalas Familie war damals schon hier.Seit fünf Generationen produzieren die Cicalas edle Stoffe für die Reichen und Mächtigen der Welt. Angefangen haben sie am Hof der Bourbonen, die bei Caserta einen winzigen Modellstaat der Seidenmanufakturen einrichteten, mit einem revolutionären Mix aus Absolutismus und Sozialismus.
Davon ist heute nichts geblieben außer 20 Manufakturen, die einen Großteil ihrer Produkte exportieren. Cicala etwa verkauft 75 Prozent ins Ausland – Seidentapeten, Gardinen und Bezugsstoffe für das Weiße Haus und den Buckingham Palast, für den Kreml und den japanischen Kaiserpalast.
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»Wir besetzen eine Nische«, sagt der Seidenfabrikant und streicht über einen türkisfarbenen Stoff mit Blumen und Paradiesvögeln. »Die Nische der Topqualität.« Mit Luxus sind die Italiener so erfolgreich wie nie. Um 10 Prozent ist der Umsatz von Designerkleidung, teuren Schuhen und Feinkost im vergangenen Jahr gestiegen. Stoffproduzenten, Modemacher und Edelschuster haben die neuen Märkte in Russland und China erobert. Wer heute etwas auf sich halten will, lädt, wie etwa der Lederwarenproduzent Diego Della Valle, einen Tross Journalisten zur Pressekonferenz nach Tokyo oder Hongkong ein. Das ist viel schicker als ein Termin in Mailand oder Rom.
Carlo Cicala würde das nicht einfallen. Der 50-Jährige gehört mit seinen 20 Millionen Euro Jahresumsatz zum »Rumpf des vierten Kapitalismus«, wie es die Italiener nennen – etwa 4000 Mittelstandsfirmen, die auf glamouröses Marketing verzichten, aber durch konsequente Innovation und Qualitätssteigerung in der Globalisierung bestehen können. »Denn es stimmt, dass die Chinesen und die Inder gute Stoffe machen und sie billig verkaufen«, erklärt Cicala und zeichnet mit seinem mäandernden Zigarillo ein neues Muster in die Luft. »Wir aber machen sehr gute. Und wir verkaufen zum Stoff eine Geschichte.«
- Datum 22.02.2007 - 09:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.02.2007 Nr. 09
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Dieser Artikel ist leider typisch deutsch. Furchtbar voller Gemeinplätze, von einer Person geschrieben, die vielleicht nur Spaghetti, Pizza, Vino, Sole und ..... Mafia kennt. Es wäre dasselbe, wenn ich, ohne Deutschland zu kennen, sagen würde 'Alle Deutschen sind Nazis'. Nichts für ungut!
Anna
Liebe Anna,
ich selber lebe seit einigen Jahren in Italien, habe sowohl deutsche als auch italienische Verwandte, die in Neapel leben und sich somit auch mit der dortigen Realität auseinandersetzen müssen. Des weiteren möchte ich anmerken, dass es sich bei der Autorin Birgit Schönau nicht etwa um eine Deutsche handelt, die nur "Spagehtti, Pizza, Vino, Sole und Mafia" kennt, sondern hier handelt es sich um eine Person, die ebenfalls in Italien lebt, bereits einige Bücher über dieses Land verfasst hat und meiner Meinung nach aus nächster Nähe schreibt. Ich finde, dass man diesen Artikel eher etwas nüchtern und realistischer betrachten sollte. Die Probleme, die angesprochen werden, sind selbst den Italienern nur zu gut bekannt. Ich möchte hier nur kurz an Neapel und an das Müllproblem erinnern, was uns in der letzten Zeit viele Schlagzeilen bereitet hat.
Beim Lesen dieses Artikels werde ich eher ein wenig traurig und verärgert darüber, dass man in einem Land wie Italien, mit so vielen Chancen und Möglichkeiten, eben diese nicht nutzt.
Ich empfehle Dir, Dich noch etwas ausführlicher über die Autorin zu informieren. Vielleicht wird dann einiges klarer.
Liebe Grüße aus Mailand.
Dagmar
Liebe Anna,
ich selber lebe seit einigen Jahren in Italien, habe sowohl deutsche als auch italienische Verwandte, die in Neapel leben und sich somit auch mit der dortigen Realität auseinandersetzen müssen. Des weiteren möchte ich anmerken, dass es sich bei der Autorin Birgit Schönau nicht etwa um eine Deutsche handelt, die nur "Spagehtti, Pizza, Vino, Sole und Mafia" kennt, sondern hier handelt es sich um eine Person, die ebenfalls in Italien lebt, bereits einige Bücher über dieses Land verfasst hat und meiner Meinung nach aus nächster Nähe schreibt. Ich finde, dass man diesen Artikel eher etwas nüchtern und realistischer betrachten sollte. Die Probleme, die angesprochen werden, sind selbst den Italienern nur zu gut bekannt. Ich möchte hier nur kurz an Neapel und an das Müllproblem erinnern, was uns in der letzten Zeit viele Schlagzeilen bereitet hat.
Beim Lesen dieses Artikels werde ich eher ein wenig traurig und verärgert darüber, dass man in einem Land wie Italien, mit so vielen Chancen und Möglichkeiten, eben diese nicht nutzt.
Ich empfehle Dir, Dich noch etwas ausführlicher über die Autorin zu informieren. Vielleicht wird dann einiges klarer.
Liebe Grüße aus Mailand.
Dagmar
Liebe Anna,
ich selber lebe seit einigen Jahren in Italien, habe sowohl deutsche als auch italienische Verwandte, die in Neapel leben und sich somit auch mit der dortigen Realität auseinandersetzen müssen. Des weiteren möchte ich anmerken, dass es sich bei der Autorin Birgit Schönau nicht etwa um eine Deutsche handelt, die nur "Spagehtti, Pizza, Vino, Sole und Mafia" kennt, sondern hier handelt es sich um eine Person, die ebenfalls in Italien lebt, bereits einige Bücher über dieses Land verfasst hat und meiner Meinung nach aus nächster Nähe schreibt. Ich finde, dass man diesen Artikel eher etwas nüchtern und realistischer betrachten sollte. Die Probleme, die angesprochen werden, sind selbst den Italienern nur zu gut bekannt. Ich möchte hier nur kurz an Neapel und an das Müllproblem erinnern, was uns in der letzten Zeit viele Schlagzeilen bereitet hat.
Beim Lesen dieses Artikels werde ich eher ein wenig traurig und verärgert darüber, dass man in einem Land wie Italien, mit so vielen Chancen und Möglichkeiten, eben diese nicht nutzt.
Ich empfehle Dir, Dich noch etwas ausführlicher über die Autorin zu informieren. Vielleicht wird dann einiges klarer.
Liebe Grüße aus Mailand.
Dagmar
Gerade heute habe ich eine kleine, im Grunde unbedeutende Geschichte erlebt, die wohl "typisch" italienisch ist. Aber sie weist auf etwas Generelles hin. Im Haus hier gibt es meinen eigenen Eingang und einen Treppenaufgang zu vier zurzeit unbewohnten Wohnungen. Einer ist hier gemeldet, ansonsten sieht man ab und zu jemanden. Nur ich habe aber einen Briefkasten, die anderen nicht. Komische Eigenarten, die es wohl überall gibt. Der Postbote oder besser: die wechselnden Postboten stecken immer alle Briefe, meine und jene der Halb- und Unbekannten in meinen Postkasten und ich stehe dann da mit zum Teil offiziellen, also amtlichen Schreiben, die die Post für zugestellt hält und weiß nicht, was ich tun soll. Mal lege ich sie auf einem Gartentisch ab und der Postbote holt sie, mal lege ich sie vor die Tür der anderen....besonders, seit der Postbote die falschen Briefe nicht mehr vom Tisch mitnimmt. Viermal habe ich mit der Post schon darüber verhandelt, mir doch bitte nur meine Post zuzustellen. Oh......grazie signora....danke, dass Sie uns darauf aufmerksam machen!! Nach etwa einer Woche geht es dann weiter mit den falschen Briefen. Nun habe ich sie wieder in die offiziellen Postkästen der Post zurück getan, zumal erneut wichtige Briefe hier angekommen sind, die ich nicht draußen liegen lassen wollte. Heute kamen sie zu mir zurück. Sieben! Rechnungen auch von der Gasgesellschaft. Vermutlich etwas zu deutsch im Geiste, habe ich dann gedacht, ich sag denen von der Gasgesellschaft mal, dass deren Briefe nicht zugestellt oder wenigstens ordnungsgemäß zurückgesandt werden, denn die haben ja schließlich Forderungen. Nun aber gebe ich es auf: die Frau bei der Gasgesellschaft hatte nicht das geringste Interesse daran, was mit ihren Rechnungen passiert und meinte, ich solle halt irgendwas damit machen. Kam mir ganz schön blöd vor. So deutsch halt. Dabei bin ich eigentlich gar nicht verbohrt. Wirklich!
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