Den Artikel von Martin Spiewak können Sie hier nachlesen - und kommentieren!

Die Geschichte der Lehrerin Petra Sperfeld ist bedrückend realistisch geschrieben. – Es gibt aber nicht zwei Wahrheiten, sondern nur eine – und die ist momentan in allen Bundesländern mit schlechten Pisa-Ergebnissen gleich. Es geht für die Lehrer weniger darum, nicht mithalten zu können, als zu durchschauen, dass Menschen wie der Schulrat Schneiderhan* – gestärkt durch neue Hierarchien – die Schulen wie Betriebe »auf Vordermann« bringen sollen. Dabei kommen dann so menschenunwürdige Begriffe wie »Minderleister« heraus. Wie bemisst man die Leistung eines Lehrers? BILD

Gerade in den sogenannten Problemvierteln haben Lehrer den Schulalltag mit immer mehr unmotivierten und teilweise nicht beschulbaren Kindern zu organisieren. Häufig leisten sie mehr Sozialarbeit mit Kindern, die nichts gegessen haben, im Winter ohne Strümpfe kommen oder von ihren Eltern geprügelt werden, als Wissensvermittlung zu betreiben.

Natürlich brauchen Lehrer hier ein dickes Fell, aber immer öfter brauchen sie es auch gegen die blinde Reformwut der Obrigkeit. Lernleistungen werden nicht dadurch besser, dass man sie häufiger überprüft. Es müsste auch mehr Ressourcen geben. Schulinspektion sollte dann darauf abzielen, diese zur Verbesserung von Schule einzusetzen, sodass effizientes Arbeiten möglich wird: sprachliche Frühförderung, kleinere Klassen, Fördermaßnahmen für Schwach- und Hochbegabte, Sonderbetreuung für Schüler mit auffälligem Sozialverhalten, didaktisches Training für Lehrer…
Karin Brose, Studienrätin, Hamburg

Herr Spiewak greift ein äußerst brisantes Thema auf, das selbst in Lehrergewerkschaftszeitungen einen stiefmütterlichen Platz einnimmt.

Reformen kosten Geld und Zeit. Besonders Ersteres wird unseren Schulen nicht übermäßig zugeteilt. Mein Vorschlag wäre, Lehrer nach längeren Phasen des Unterrichtens zur Generalüberholung für eine bestimmte Zeit wieder an Universitäten oder ähnliche Einrichtungen zu schicken mit entsprechender Erfolgskontrolle, um so aus »Minderleistern« »Toplehrer« zu machen.

Des Weiteren plädiere ich für weit mehr Autonomie an den Schulen, zum Beispiel für die Selbstverwaltung aller die Schule betreffenden Finanzen, auch die Finanzierung des Lehrkörpers. Staatliche Schulämter halte ich für fragwürdig. Sie sind lediglich Verwaltungsapparate, die Wege und Entscheidungen für Schulen unnötig verlängern und erschweren.

Mit dem durch die Abschaffung der Schulämter frei werdenden Geld könnte man Lehrer qualifizieren und in eine direkte Verwaltung investieren. Endlich könnte sich jede Schule ein Profil erarbeiten, mit dem sie wirbt und konkurriert. Somit wären auch die an Manager erinnernden Schulräte wie Herr Schneiderhan überflüssig und könnten sich einen Job in der freien Wirtschaft suchen oder als Lehrer in Schulen ihr Können unter Beweis stellen.
Waltrud Kron-Wagenhöfer, Haibach