Medizinethik Der Lehrling GottesSeite 4/4

ZEIT: Mit Präimplantationsdiagnostik lässt sich nicht nur das Geschlecht eruieren.

Steinberg: Wir können auf rund 200 teilweise sehr schlimme genetische Krankheiten testen.

ZEIT: Was wünschen sich Ihre Kunden?

Steinberg: Ich bekomme Anfragen nach der Augen- oder Haarfarbe, aber auch nach der sexuellen Orientierung. Ich muss die Leute vertrösten. Das ist derzeit nicht möglich. Wird es eines Tages möglich sein? Ja. Werde ich es anbieten? Nur wenn es die Ethikkommission zulässt.

ZEIT: Die Eltern geben für ihr Wunschkind 18000 Dollar aus. Der Erwartungsdruck muss enorm sein. Was passiert, wenn das selektierte Kind nicht den Erwartungen entspricht?

Steinberg: Alle Eltern haben Erwartungen, setzen Hoffnungen in ihre Kinder, auch jene, die sie auf natürliche Weise bekommen. Die Erwartungen sind je nach Geschlecht stets unterschiedlich – egal, ob es im Voraus ausgewählt wurde oder nicht.

ZEIT: Sie zeugten Ihre Kinder altmodisch. Warum haben Sie keine Geschlechtswahl vorgenommen?

Steinberg: Hätten wir statt unseres Sohnes eine dritte Tochter bekommen, hätte uns das auch sehr glücklich gemacht. Doch hätte ich bei einem vierten Kind einen Jungen selektiert.
Die Fragen stellte Peter Hossli

Der Mensch...
Der amerikanische Arzt Jeffrey Steinberg, 52, verhilft seit 20 Jahren unfruchtbaren Paaren mittels In-vitro-Fertilisation zu Kindern. Er lebt und praktiziert in Los Angeles. Seit acht Jahren testet er Embryonen vor deren Einpflanzung auf genetische Krankheiten, dabei bestimmt er jeweils das Geschlecht der Embryonen.

...und seine Idee
Die Geschlechtsselektion gelang Steinberg nach eigenen Angaben stets mit 100-prozentiger Sicherheit. Der hohen Trefferquote folgten Anfragen, auch ohne medizinische Indikation eine Geschlechtswahl vorzunehmen. Damit begann er vor vier Jahren. Mittlerweile ist Steinberg weltweit die erste Adresse für die umstrittene Praxis.


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Leser-Kommentare
  1. Immer riskanter, immer orgineller, immer viel weiter vorne und immer profitabel. Daher sich Europa selbst in die Gosse schiebt.

    • Crest
    • 27.02.2007 um 12:18 Uhr

    - obwohl er es krampfhaft versuchte.

    Für meine bei diesem Thema 'schwarze' Seele war dieses Interview - ich muss es mit einem süffisanten Lächeln gestehen - ein 'innerer Reichsparteitag'.

    Herzlichst Crest

    P.S.
    Soso! Unglaubliche 18.000 € ist einem die medizinische Hilfe für ein eigenes Kind wert? Gemessen an dem, was andere für ein Auto auszugeben bereit sind, ist das ja ein schier überwältigend großer Preis ;-)

  2. 'Unter dem Neonlicht-Mikroskop leuchten weibliche Zellen rosarot, männliche hellblau.' - soll das heißen, die gängige Farbzuschreibung von blau = Jungen, rosa = Mädchen ist schon in den Eizellen vorhanden???

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