Finanzinvestoren Ende des Laissez-faire
Im Streit um die Praktiken von Finanzinvestoren rüsten die Gegner weltweit auf: Aufsichtsbehörden, Gewerkschaften – und selbst Industrievertreter.
Die Liste der Teilnehmer liest sich wie ein Who’s who der Branche. Am Montag versammeln sich in Frankfurt Finanzinvestoren aus aller Welt. Sie diskutieren über Geschäftschancen und neue Trends. In ihren Reihen finden sich viele Granden der Szene: Stephen Schwarzman, der in New York gerade pompös seinen 60. Geburtstag zelebrierte und über seine Firma Blackstone an Sulo, Gerresheimer Glas oder der Deutschen Telekom beteiligt ist. David Bonderman, Kopf der Texas Pacific Group (TPG) und oberster Herr über den Armaturenhersteller Grohe, dessen Krise 2005 einer der Auslöser für die »Heuschrecken«-Debatte war. Oder David Rubenstein, ein Gründer der Carlyle Group.
Die Messe in Frankfurt ist das weltweit wichtigste Stelldichein der »neuen Könige des Kapitalismus«, wie der britische Economist sie einmal nannte. Der Name der Messe: SuperReturn, zu Deutsch: Supergewinn. Bezeichnend ist das, weil das Ziel von Fonds wie Blackstone, TPG oder Carlyle hohe zweistellige Renditen sind. Renditen, die die Fonds erwirtschaften, indem sie gestandene Unternehmen kaufen und nach Jahren mit Gewinn abstoßen. Der Name der Private-Equity-Fonds rührt daher, dass sie sich abseits der Börse halten und bei ihrem Tun Eigenkapital einsetzen.
Der Zeitpunkt der SuperReturn könnte nicht besser gewählt sein. Nie lief das Geschäft für Private Equity so gut wie zurzeit (siehe Kasten). Und nie war die Kritik so massiv. Seit einiger Zeit sieht sich die Branche einer Heerschar von Gegnern gegenüber, die sie – anders als vielleicht noch Vize-Kanzler Franz Müntefering anno 2005 – nicht mehr als Populisten abtun kann. Längst sind es nicht mehr nur Politiker und Gewerkschafter. Längst sind es nicht mehr nur deutsche Stimmen. Weltweit formieren sich die Kritiker. Sie fordern eine Branche heraus, die langsam begreift, dass es mit dem Laisser-faire und der Verschwiegenheit der Vergangenheit vorbei ist. So rüsten sich Gegner wie Befürworter – für den Kampf um die Regulierung von Private Equity.
Vor allem die hohen Schulden der Unternehmen sind in der Kritik
Hauptstreitpunkt ist die Praxis der Finanzinvestoren, große Teile des Kaufpreises über Kredite zu finanzieren und die Tilgung dieser Kredite anschließend dem gekauften Unternehmen aufzubürden – eine Praxis, die bei höheren Zinszahlungen oder schlechterer Liquidität zum Problem werden kann und zunehmend aggressiver angewandt wird. Der zuletzt deutlich gestiegene Fremdkapitalanteil bei Übernahmen sei »als Ausdruck einer Überhitzung zu werten«, urteilte die Deutsche Bundesbank jüngst. Unternehmen im Besitz von Private-Equity-Fonds drohten vom nächsten Abschwung »dahingerafft« zu werden, warnte Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Eine schlechtere Bonität der Unternehmen könne den Banken »erhebliche Kreditausfälle bescheren«, monierte die Europäische Zentralbank.
- Datum 26.02.2007 - 13:19 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.02.2007 Nr. 09
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ist es also, wenn man einem Unternehmen nicht direkt das Eigenkapital entzieht, soso. Na dann ist ja alles in Ordnung. Die Zeit beruhigt die Leser mit neuen 'umsichtigen' Praktiken, in Aussicht stehenden Zertifizierungen, das Finanzministerium belügt die Bevölkerung und fördert das Ausbluten Deutschlands weiterhin.
Ist es noch Dilletantismus, oder doch schon kriminell?
Hängt es damit zusammen, dass Größen der Branche 'Blackstone' oder 'Kohlberg Kravis Roberts' heißen, dass ein Herr 'Schwarzman' Star der Branche ist? Will man sich den Vorwurf des Antisemitismus ersparen um diese 'Asoziale Marktwitschaft' zu beenden?
Aber keine Angst der 'global meltdown' ist im Kommen, an der New Yorker Börse verhökern ja angeblich die supersmarten Hedgefunds-Jungs ihre Aktien beim IPO so günstig, dass sie abends 70% höher schließen. Sicher...
Konklusion: Kurz bevor alles den Bach runtergeht, weil dieser unsagbaren Spekulation, mit gedruckten oder virtuell gebuchten Dollars und Yen, die Luft ausgeht, soll Mister Kleinsparer noch einmal Morgenluft wittern und bei den nachfolgenden Hedgefunds-IPOs sein Erspartes versenken.
Aber der globale Finanzbetrug wird weiterhin schöngeredet, die Menschheit verdummt und jede schaffende Tätigkeit einer seltsamen Ökonomie untergeordnet die angeblich Bruttosozialprodukte ansteigen lässt, die Arbeitslosenzahlen komischweise aber auch. Weiter, immer weiter, im Wettbewerb ums globale Kapital. Jedes Primatenhirn wüsste wohl, was zu tun ist, wenn man virtuell Geld erzeugen und damit handfeste Werte kaufen kann...
Der Nobelpreisträger James Tobin hat bereits in den 70-iger Jahren eine Steuer auf internationale Kapitaltransfers konzipiert. Das Problem der Bewegung von großen Kapitalien in relativ kurzer Zeit rund um den international dicht vernetzten Kapitalmarkt aus spekulativen Motiven ist also nicht neu. Erst mit neuen Telekommunikationstechniken und einer schier unbegrenzeten Gier in den Köpfen der besonders angelsächsischen und schweizerischen Banker hat in den 80-iger Jahren eine Entwicklung eingesetzt, die in den 90-igern ihren Hype fand, der darin bestand, dass gegen Währungen von Ländern in Volumina spekuliert wurde, die deutliche Spuren in den betroffenen Volkswirtschaften hinterlassen haben. Die Spekulation gegen das Pfund scheiterte im Endeffekt. Die Spekulation gegen die Währungen asiatischer Schwellenländer haben die Krise 1997/98 in diesen Ländern getriggert und verschärft.
International müßten Geldtransaktionen entsprechend ihrer Charakteristik in Klassen eingeteilt werden. Entsprechend dieser Klassen wird die Transaktionssteuer erhoben, die positiv zu bewertende Kapitalströme mit investiver Funktion steuerfrei läßt und andere Klassen je nach Grad des spekulativen Anteils linear mit einem bestimmten Satz belegt. Die extremste Klasse der Kapitaltransfers mit besonders starkem Spekulationscharakter sollte prohibitiv besteuert werden, um derartige Transaktionen im Effekt unwirtschaftlich zu machen und zu unterbinden.
Die aus der Steuer entstehenden Einnahmen sollten dem IWF zugeordnet werden. Er wie auch die Weltbank sollten zu Institutionen der UNO werden, um den einseitigen Einfluss der USA entsprechend der realen Welt der globalisierten multipolaren Welt einzudämmen.
Gerade die USA mit ihrem sinnlosen protestantischen Fundamentalismus und ihrer gnadenlosen Selbstüberschätzung, die ihnen Angriffskriege von Gottes Gnaden erlauben, können angesichts ihrer militärischen Hyperrüstung nur wirtschaftlich eingedämmt werden.
Gerade amerikanische Unternehmensführungsstrategien sind die zentrale Ideologie hinter dem Ausbeutungscharakter modernen Wirtschaftens vor allem in Banken aber auch in multinationalen Unternehmen.
Insbesondere die Vermeidung von Geldanlagen in den US-Kapitalmärkten könnte hilfreich sein, die USA wieder auf den Boden der Realität zu holen.
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