Islam Das »Wort zum Freitag«
Muslime im ZDF
Da hatte das ZDF mal eine richtig gute Idee. Man werde von Mai an ein islamisches Wort zum Freitag einrichten, ließ der Chefredakteur Nikolaus Brender verlauten. Doch nun sind ausgerechnet jene unzufrieden, die das ZDF eigentlich beglücken wollte – die Muslime.
Wie kann das sein? Dass der Islam in Deutschland dazugehört, ist mit Wolfgang Schäubles Islamkonferenz gewissermaßen amtlich geworden. Mutig ist es trotzdem, das Wort zum Freitag jetzt in Angriff zu nehmen. In Deutschland gibt es keine breit streuende Islamophobie – aber doch eine starke Ambivalenz gegenüber der neuen Religion, die jetzt mitspielen will. Abstrakt anzuerkennen, der Islam sei eine deutsche Tatsache, fällt nicht schwer. Doch wehe, wenn Muslime mit ihren Gebetshäusern in die Innenstädte drängen und ihr Bekenntnis sichtbar und hörbar leben wollen.
Ein Wort zum Freitag ist jedoch – genau wie die repräsentativen Moscheebauten – gerade in dieser Vertrauenskrise eine gute Sache: Wer die Integration der muslimischen Minderheit will, braucht Muslime, die Öffentlichkeit nicht scheuen.
Der Mut des ZDF-Chefredakteurs, dem Islam eine Tür in den Medienbetrieb zu öffnen, wird von manchen Verbandsvertretern allerdings nicht honoriert. Der Zentralrat der Muslime fordert nun auch gleich die redaktionelle Hoheit über die Beiträge – wie im Fall der beiden christlichen Kirchen. Nikolaus Brender kontert, die redaktionelle Verantwortung liege »beim ZDF«. Er hat recht. Es gibt keinen Grundrechtsanspruch auf einen Sendeplatz. Dass die Muslime anders behandelt werden als die Kirchen, liegt auch in ihrer eigenen Verantwortung. Sie sind in Vereinen und Dachverbänden organisiert, die (noch) nicht die Voraussetzungen erfüllen, als Religionsgemeinschaft nach deutschem Recht anerkannt zu werden. Sie sind untereinander zerstritten, und ein erster Anlauf zu einer gemeinsamen Organisation ist gescheitert.
Allerdings hätte das ZDF auch gleich seinen ganzen Mut zusammennehmen und auf eine richtige Fernsehsendung zielen sollen. Nun will man erst einmal im Internet anfangen. Das riecht nach Angst vor der eigenen Courage. Soll das Wort zum Freitag eine muslimische Predigt oder eine Predigt an die Muslime sein? Wenn der ZDF-Chefredakteur sagt, es gehe um »Nachfragen« und eine »Dialogform«, dann müssen die Muslime annehmen, dass sie wieder nur sorgenvoll problematisiert werden. Das ZDF stößt hier auf das dasselbe Problem, das auch den Innenminister in der Islamkonferenz umtreibt: Wer spricht für die Muslime? Der Deal sollte sein: »Ihr bringt uns 20 wohlausgebildete Imame, die Deutsch sprechen, auf dem Boden des Grundgesetzes stehen und den inneren Pluralismus des Islams widerspiegeln – und wir geben euch einen Sendeplatz. (Und vielleicht denkt ihr sogar mal darüber nach, Vorbeterinnen auszubilden. Ist natürlich nur so eine Idee.)« Jörg Lau
- Datum 23.02.2007 - 12:27 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 22.02.2007 Nr. 09
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Es sprach, unvergessen, der Bonner Pfarrer Burkhart Müller in der ARD (Wort zum Sonntag am 11.02.06):
'Der Islam ist eine großartige Religion. Vielen von uns ist sie fremd oder weithin unbekannt. Menschen, die den Islam lieben, bedauern zutiefst die Bilder der Gewalt in den Medien:
die abgefackelten Fahnen,
die gestürmten Botschaften,
die zertrümmerten Autos,
die aufgehetzten grölenden Massen.
Dies und anderes lässt uns von der Schönheit und Tiefe ihrer Religion wenig ahnen. Ich weiß aber, dass trotzdem manche aus meiner christlichen Kirche mit mir überzeugt sind: der Islam hat viel Segen über die Welt gebracht.
Wenn ich in Teheran geboren wäre oder in dem Armenviertel zu Djakarta, wäre der Islam auch für mich Halt und großer Hoffnungsanker. Aber nun bin ich in der christlichen Welt geboren.
Und ich bin von Herzen Christ.
Auch der christliche Glaube ist eine großartige Religion. Diese Religion ist vielen fremd und weithin unbekannt. Und es wird den Muslimen nicht leicht gemacht, die Schönheit und Tiefe der christlichen Religion zu erkennen. Die amerikanischen Soldaten im Irak werden als Besatzer erlebt. Über bombardierte Orte in Afghanistan wird berichtet. Die Bilder von Abu Ghraib, die Gerüchte von Schändungen des Koran in Guantanamo, und jetzt die gemeinen und diffamierenden Karikaturen aus Dänemark!.
Die dänischen Karikaturen waren der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Und dieses Fass ist voll mit Demütigungen und Verletzungen der islamischen Welt durch die christliche, die westliche Welt während vieler Jahrhunderte:
Die Kreuzzüge sind nicht vergessen, denn das Gedächtnis der Völker ist lang, die demütigende Kolonialisierung, der Wirtschaftsimperialismus des Westens, der nicht an den Völkern, nur an ihrem Öl interessiert ist. Wie soll man da als Muslim glauben, dass die christliche Religion viel Segen in die Welt gebracht hat!
Viele Christen bedauern das zutiefst und schämen sich zwar nicht ihres Glaubens, aber dieser Geschichte.
Ich träume davon, dass irgendwann Christen und Muslime eine 'Charta des religiösen Miteinanders' erarbeiten und durch ihre geistlichen Führer öffentlich feierlich unterzeichnen und dann den Mitgliedern zur Unterschrift vorlegen. Folgendes könnte die Selbstverpflichtung beinhalten:.
'Wir wollen einander mit Respekt begegnen.
Wir wollen die gegenseitigen Vorurteile im Gespräch abbauen.
Wir wollen einander besser kennen lernen.
Wir wollen den Glauben des andern respektieren.
Wir wollen einmal jährlich gemeinsam feiern.
Wir Christen bitten Gott, dass er uns um Jesu willen zu wahren Christen macht.
Wir Muslime bitten Gott, dass er uns durch den Koran zu wahren Muslimen macht. Wir bitten gemeinsam um Geduld, wenn wir auf dem Weg zu einander hin nur langsam vorankommen.
Gelobt sei Gott.'
ich zweifle dass das den Islam naeher bringt oder ihn verstaendlicher macht.Ausserdem hat man mal untersucht wieviele Muslime in D.ueberhaupt ZDF ansehen? Oder wird so etwas auf tuerkisch oder arabisch gesendet?
.. ich warte auf den wahren Christen, der die Wahrheit des Christenmenschen lebt, wie wir alle es sind oder sein könnten, wenn wir die zehn alten Gebote der Juden und die neu von Christus fomulierten (die Verpflichtung zur Nächstenliebe und d i e Menschen zu ehren und zu achten, die wir für unsere Feinde halten), nicht als Ware oder Waffe losschlagen wollen, sondern als Beispiel.
Die beabsichtigte Einführung eines 'Wortes zum Freitag', wohl dereinst gedacht als Beitrag gegen die Sprachlosigkeit im Umgang mit dem 'grünen Deutschland', litt schon zu Anfang unter erheblichen perzeptiven und organisatorischen Schieflagen.
Da polterte die CSU-Allzweckwaffe Söder reflexartig gegen dieses Format, nur um den Eindruck zu erwecken, dass man eigentlich keiner Importreligion, und schon gar keiner Terror-affinen, Einfluss auf die Sendegestaltung bundesdeutscher Rundfunkanstalten zugestehen wolle. Schade nur, dass Söders Position, dessen integrationspolitische Kernkompetenz ein Unbehagen an der Institutionalisierung - jemand Bösartiges könnte behaupten: Normalisierung - des Islam in Deutschland ist, durch die Islam-Konferenz Schäubles schon lange vorher das Wasser abgegraben wurde.
Doch damit nicht genug, auch das avisierte Medium der Sendung ist zu problematisieren. Es ist toll, dass das ZDF die Neuen Medien derart in ihr Sendekonzept implementiert, und noch toller, dass sie die Muslime in Deutschland als diesen (immer noch) avantgarden Mediums für würdig erachtet. Doch schon drängt sich hier ein Verdacht auf. Es muss ernsthaft davon ausgegangen werden, dass der sich in dieser Sendegestaltung zu erkennen gebende Begriff eines Muslims/einer Muslima Mainzer Wunschdenken mit einer Prise Schäublesker Anthropologie ist. Der multimediale (ja, den Koran gibt es auch vorinstalliert in MP3-Playern mit durchlaufender LCD-Visualisierung) Muslim, des deutschen mächtig, der regelmäßig das Internetangebot des ZDF besucht (so viel Ortskenntnis muss ob der wirren Webgestaltung des ZDF wahrlich sein) - das sind alles Prädikate, die zwar Muslimen in Deutschland durchaus zukommen mögen, doch wohl nicht der großen Mehrheit. Natürlich nutzen Muslime das Internet genau so intensiv wie alle anderen Menschen auch, dafür spricht schon die große Anzahl religiös inspirierter Videos auf Trendportalen wie 'YouTube' und 'Google Video'.
Allein es muss an der unterstellten ekklektischen Nutzung von Inhalten gezweifelt werden. Dazu 'riecht' die ganze Sendung zu amtlich, zu verordnet, ganz nach dem Motto: 'Wir können alles, außer Islam' (Subtext: '...und probieren es trotzdem!'). Das Wichtigste: Diese Sendung deckt kein Bedürfnis, wie es bei seinem christlichen Counterpart der Fall war, und wenn doch, dann höchstens jenes der Programmgestalter in Sender und Rundfunkrat. Da wäre es eigentlich konsequenter, in allen Moscheen Internetportale aufzustellen, und jeden Freitag einen eigens dafür eingestellten ZDF-Mitarbeiter dolmetschen zu lassen. Dann hätte wenigstens die GEZ auch noch etwas davon...
Was soll das, welchen Stellenwert sollen Religionen den bekommen? Und vor allem, in welcher Reihenfolge. Jeder soll an das glauben was er will, aber mit Rücksicht auf andere. Religion soll und darf keinen übergeordneten Stellenwert in der westlichen Welt erhalten, wohin das führt sieht man u.a. in der Welt der Muslime. Zustände wie im tiefsten Mittelalter. Wollen auch wir da wieder hin? Ich nicht!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren