Dieser 15. August war ein langer Arbeitstag für Spencer Platt. Seit den frühen Morgenstunden war der Fotograf aus New York im südlichen Beirut unterwegs gewesen. Es war der zweite Tag des Waffenstillstandes zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah, der den 33 Tage dauernden Krieg im Libanon beendete. Das ganze Land schien in Bewegung zu sein. Zehntausende Flüchtlinge aus dem Südlibanon verstopften die Straßen. Sie waren auf dem Weg zurück in ihre Heimat, die wochenlang in der Hauptkampfzone lag. Die Menschen, auf dem Heimweg, plagte die Sorge um ihre Existenz: Hatten ihre Häuser das Bombardement der israelischen Luftwaffe überstanden? Das »World Press Photo of the Year« machte der Fotograf Spencer Platt im August im südlichen Beirut BILD

Viele zog es nach Dahiye, in den ehemals christlichen Bezirk am südlichen Stadtrand von Beirut, der schon lange von Hisbollah kontrolliert wird. Spencer Platt wollte die Rückkehr in den zerbombten Vorort dokumentieren. »Ich war seit sieben Uhr auf den Beinen«, sagt Platt, »als ich gerade nach Hause gehen wollte, sah ich im Augenwinkel dieses Auto näher kommen.« Platt fotografierte es vier- oder fünfmal im Vorbeifahren, »aber nur eine Aufnahme war wirklich gut«. Er ahnte nicht, dass er gerade ein Bild geschossen hatte, das für viele den Libanonkrieg des Jahres 2006 symbolisieren würde. Vor vier Wochen wurde es mit dem renommierten Titel World Press Photo of the Year ausgezeichnet.

Der Betrachter ahnt sogleich, was es darstellt: Junge, gestylte Menschen, Kriegstouristen womöglich, die im luxuriösen Cabrio das Grauen besichtigen, auf einem Streifzug durch zerstörte Vorortstraßen von Beirut, sonnenbebrillt, mit Fotohandy, entsetzt vor allem vom Gestank. Doch es gehört zur Geschichte des Bildes, dass der Betrachter irrt.

Die Insassen des Autos fühlten sich an jenem Augusttag gar nicht wohl. Jad Maroun, 22, und seine Schwestern Bissan, 29, und Tamara, 26, wohnten in Dahiye. Ihre Eltern, libanesische Christen, hatten dort 1982 ein Appartement gekauft. Als der Krieg losbrach, flohen die Marouns aus Südbeirut und zogen in das Plaza-Hotel in Hamra, einem sunnitischen Teil des Beiruter Stadtzentrums.

Dort trafen sie auf Noor Nasser, 21, eine Muslimin, und Liliane Nacouzi, 22, Christin. Beide arbeiteten als Kellnerinnen in einem Sandwichladen, der sich im Erdgeschoss des Plaza-Hotels befand. Sie mussten ebenfalls aus dem südlichen Beirut fliehen. Gemeinsam sollten sie mit dem Cabrio in ihre Heimat fahren, nach Dahiye.

»Es war heiß, wir waren zu fünft im Auto und wollten alle etwas sehen«