Libanon Glamour in TrümmernSeite 4/4
Noch einen Schritt weiter geht Bissan Marouns Freund, Wissam Awad, 32: »Wenn das Foto des toten Jungen den Preis gewonnen hätte, dann wäre dadurch die Reputation Israels in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei Platts Bild ist das nicht so. Im Gegenteil, es suggeriert, dass Christen nichts mit dem Krieg zu tun hatten, dass alle gegen Hisbollah waren und auf der Seite Israels. Aber das ist einfach nicht wahr.«
Es gibt einen kleinen, aber auffälligen Unterschied zwischen den beiden Gruppenbildern im Cabrio und auf der Couch. Jad trägt nicht mehr den Bart, den er noch auf Platts Bild hatte. »Als der Krieg begann, hatte ich mir geschworen, mich nicht zu rasieren, bis Israel besiegt ist«, sagt er. Kurz nach Platts Aufnahme hat er dann zum Rasierer gegriffen. Auch wenn ein Sieger in diesem Konflikt kaum auszumachen ist.
Spencer Platt legt Wert darauf, dass er mit seinem Bild über niemanden urteilen wollte. »Ich habe nie mit diesen Leuten gesprochen«, sagt er, »ich wusste nur, dass auch sie eventuell Familienmitglieder im Krieg verloren haben könnten. Ich wollte ganz bestimmt kein politisches Statement mit dieser Aufnahme machen, wie einige behauptet haben. Meine Assistentin Wafa war den Leuten im Cabrio vom Typ her sehr ähnlich, und auch ihr Leben war durch den Krieg total durcheinandergewirbelt worden.« Sein Bild verlange vom Betrachter letztlich eine ganze Menge, insbesondere in Verbindung mit der Geschichte hinter dem Bild: »Ich glaube, das Foto stellt unsere stereotypen Vorstellungen von Kriegsopfern infrage. Und vielleicht sogar unser Verständnis vom Krieg an sich.«
Das Haus der Marouns überstand die Bombardierung weitgehend intakt, inzwischen wohnen sie dort wieder. Nur ein paar Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen, weil das Gebäude nebenan eingestürzt war.
Aus dem Englischen von
Sebastian Christ
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- Datum 03.03.2007 - 07:46 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.03.2007 Nr. 10
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