SPD Nur noch zwei Jahre, Kurt!

Person, Programm, Polemik und ein paar Tricks – wie SPD-Chef Beck 2009 ins Kanzleramt kommen will.

Wie kann Kurt Beck Kanzler werden? Auf diese Journalistenfrage erhält man in Berlin drei verschiedene Antworten. »Na, das wird aber ein kurzer Text!« lautet die galgenhumorige, die in der SPD verbreitet ist. »Gar nicht« die überhebliche, man hört sie am ehesten aus der CDU/CSU. »Aaalsooo, das«, kurze Pause am anderen Ende der Telefonleitung, »ist so gar nicht unser Thema.« So lautet die Auskunft im Büro des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck. Das ist die dritte Antwort, die offizielle und unfreiwillig ehrliche. Nicht dass Beck nicht täglich übers Kanzlerwerden nachdenken würde, nur zugeben darf er das nicht. Denn viel eingefallen ist den Strategen der SPD zur unvermeidlichen K-Frage bisher nicht. Also hat man sich aufs Hoffen verlegt, zwei Jahre sind schließlich eine lange Zeit.

Wirklich? Schon pocht unter der Decke der Großen Koalition der Wahlkampf. Die Bundesregierung hat ihre Hauptvorhaben mal mehr (Unternehmensteuerreform, Elterngeld), mal weniger gut (Gesundheitsreform) abgearbeitet. Nach der Harmonie der Anfangszeit, so die Einschätzung in Union wie SPD, werden die Abstoßungskräfte zwischen den Volksparteien von nun an größer – zumal im kommenden Jahr wichtige Landtagswahlen anstehen. Gerüchte über einen Wechsel Kurt Becks ins Kabinett werden von der SPD-Spitze zwar eifrig dementiert, doch dass es solche Überlegungen gibt, zeigt nur, wie verbreitet die Befürchtung ist, dass es für die SPD bei den nächsten Bundestagswahlen sehr, sehr schwer werden dürfte. Es sei denn, etwas Außerordentliches passierte. Aber was?

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Ein Krieg hat schon einmal geholfen, diesmal könnte es vielleicht einen im Iran geben. Sehr wahrscheinlich ist das aber nicht. Und wenn er käme, dann würde die Kanzlerin vorsichtig genug sein, nicht einen Millimeter näher an eine Zustimmung heranzurücken als Becks SPD. Nein, auszugehen ist weder von einem Wunder noch von einer Katastrophe, sondern von der Normalität. Die nimmt sich aus Sicht des Kanzlerkandidaten erschreckend genug aus: Die Volks- und Regierungsparteien werden einander stets so viel schaden, dass sie nicht in die Nähe der vierzig Prozent kommen – und die Union wird dabei immer ein wenig besser aussehen.

Zum einen macht die Kanzlerin schon deshalb eine vorteilhaftere Figur, weil sie jeden Tag als Vertreterin aller Deutschen auftreten kann, während Kurt Beck bloß als Vertreter aller Sozialdemokraten durch die Lande zieht. Zum anderen erscheint die Union wieder mal als die natürlichere Regierungspartei. Denn wo immer ein Christdemokrat oder ein Christsozialer auftaucht, handelt es sich um einen Regierer, um Ministerpräsidenten, Bürgermeister, Kanzleramtsminister. Schwarz sein und dran sein ist quasi identisch.

Aber – sagen uns die Gebildeten unter den Freunden der SPD – so war es doch schon einmal, und kurz danach begann eine 13 Jahre währende Dominanz der Sozialdemokratie. Auch Willy Brandt war 1968/69 keineswegs der beliebteste deutsche Politiker. Er war zwar Außenminister, doch in den Beliebtheitsumfragen hinkte Brandt hinter dem damaligen Kanzler Kurt Georg Kiesinger her. »Wir haben die richtigen Männer!«, mit diesem Wahlkampfslogan versuchte die SPD, aus der Not eine Tugend zu machen und ein Team um ihren zauderhaften Willy herumzubauen. Das funktionierte – aber nur, weil der Slogan stimmte. Die CDU war inhaltlich und personell erschöpft.

Was muss ein Kandidat im Jahr 2009 können, und welche Fähigkeiten bringt Beck mit? Bislang ist er vor allem als Beschwichtiger seiner Partei aufgetreten, als Beruhiger nach den Aufregungen um Reformpolitik und Agenda 2010, als Garant dafür, dass das Schlimmste vorbei sei und die »Grenze der Zumutungen« (Beck) erreicht. Beck ist ein Verkleinerer von Problemen und Themen, seine Stärke liegt im Konkreten, Bekannten, im Erklären dessen, was ist, nicht im Entwerfen dessen, was werden soll. »Erst grübeln, dann dübeln« lautet die »Beck-Doktrin«, universell anwendbar, von Arbeitnehmermitbestimmung bis zum Iran. Hilft sie auch im Wahlkampf?

Leser-Kommentare
  1. Ihr populistisches Gequatsche spottet jeder Beschreibung. Natürlich sind die Menschen ohne Kinder im Alter mal viel besser abgesichert, weil Sie die ganzen Kosten nicht hatten. Nach der gängigen Elite-Logik darf man denen auch nichts wegnehmen.

    Die ethnisch unsauber argumentierenden Bayern haben es längst verdient, in Zukunft durch noch mehr Zuwanderer gerettet zu werden, denn wer die gebärwilligen, armen Bayern sonst mal im Alter versorgen soll, weiss doch nur der Pleitegeier.

  2. Niemand wird seine Stimme verschenken
    und die alte Tante wird wieder stärker, als Sie denken.

    Schwarzgrün wär sicher auch ganz gut,
    doch fehlt den Schwarzen noch der Mut.

    Union steht zwar draussen, doch Unmut ist drinnen,
    so werden die Christen niemals gewinnen.

    Wer Beck unterschätzt, der wird sich noch wundern.

  3. Man koennte sich vorstellen, dass einer der Autoren die Tuer aufhaelt und der andere als Harlekin verkleidet mit der Trommel zum Tanz bittet. Welch ein Vergnuegen!

  4. Preußisch-protestantische Lady aus dem hohen Norden gegen katholischen 'Bonvivant' aus dem Südwesten - das wird spannend! Becks Chancen erscheinen mir allerdings gering. Es sei denn (und das wäre nicht das erste Mal), die Union stellt sich ganz, ganz dumm an.

  5. Oh Beck, o Schreck??? Hat die SPD 2009 noch genügend Funktionäre,
    um einen Wahlkampf zu organisieren?

    Im Ernst, wer soll diese Partei wählen???

    Die CDU den Egoisten,
    Die FDP den Opportunisten
    Die Grünen den Selbstverliebten
    Die Linke den DDR-Nostalgikern
    Die SPD den ???

    und 50 Prozent Nichtwähler ballen die Faust in der Tasche.

    Alle Nichtwähler seinen an dieser Stelle aufgerufen, zur Wahl zu gehen und ihren Unmut durch ein dickes Kreuz über alle Parteien hinweg sichtbar zu machen.

    korfstroem

  6. Was ist denn das für eine Alternative? Ein Mann, der mit treuen Augen in die Kamera blickt und sagt, die Verwendung eines Teils der Mehrwertsteuer für Kinderförderung wäre ein Verschiebebahnhof.
    Dreiste Verlogenheit!
    Was glaubt er eigentlich, was Ehegattensplitting abschaffen oder umbauen (verfassungswidrig) und Nichterhöhung des Kindergeldes (wo kommt denn das Geld her) sind?
    Die Erklärung, warum zu wenig Kinder und Familien ein Problem von Familien (auch Ehe ist Familie) sind, ist er bisher schuldig geblieben.
    Auf Anhieb hätte man doch gedacht, dass diejenigen, die sich nicht für Kind und Familie entscheiden das Problem sind.
    Wer es ernsthaft für ungerecht hält, dass die Steuerprogression bei Ehegatten, die ihre gemeinsamen Einkünfte teilen müssen, dahin korrigiert wird, dass nicht mehr - egal welcher Ehegatte welchen Anteil am gemeinsam zu teilenden Einkommen verdient, bei gleichen Ehegattengesamtbruttoeinkünften - auch gleiche Nettoeinkünfte herauskommen, sondern je nach Einkommensverteilung höchst ungerecht, unterschiedliche Nettobeträge, hat weder soziales noch wirtschaftliches Verständnis noch ist ihm die Verfassung vertraut. Warum kommt eigentlich keiner auf die Idee Sozialversicherungsbeiträge für Ehegatten umzubauen? Richtig, weil die nach einem einheitlichen Prozentsatz erhoben werden und sich damit dort das Problem nicht stellt. Das Problem ist die für Ehe ungerechte Progression und nicht das diese Ungerechtigkeit ausgleichende Splitting.
    Will der Sozialdemokrat Beck in Zukunft nur noch Ehe mit Partnern gleicher Einkünfte, also 'Standesdünkel'?
    Da es kaum Ehen und Familien gibt, in denen beide Ehepartner genau das gleiche Einkommen haben, wird es jede Familie erst mal mit Kürzungen treffen. Alles nicht so schlimm, weil es dann 7 oder 10 EUR (woher denn?) mehr pro Kind gibt? Wie viel Kinder braucht die Ehe um die Kürzung aufzufangen, vier, fünf oder mehr?
    Beck ist weder wählbar noch unterstützenswert.

    • keox
    • 04.03.2007 um 19:34 Uhr

    wär das nicht ne nette idee, wenn der unrasierte adipöse seine wähler an der zurne mit seife und rasierzeug empfinge?

    aus lautsprechern könnte das alte politikerkredo klingen, das da lautet: 'wir schlagen schaum - wir seifen ein'

    wär ne rundrum saubere sache.

  7. Vermutlich durch den Besucher-Eingang...

    Doch mal im Ernst, die SPD sollte sich programmatisch sortieren, dann hat sie auch Chancen, 2009 den Huehnerhaufen CDU zu schlagen (die wissen auch nicht, was sie wollen, aber verkaufen es etwas besser).

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