Robbenjagd - Chronik 40-jähriger Krieg

Chronik des Widerstands

Vorgeschichte

Schon vor 3000 Jahren pflegen Naturvölker die Robbenjagd. Im Jahr 1832 erreicht sie ihren Höhepunkt mit 740000 getöteten Tieren.

1964

Start der Protestbewegung: Die Filmproduktion Artek aus Montreal dreht den Schocker Les Phoques (»Die Robben«), der auch die Häutung eines Tieres bei lebendigem Leib zeigt. Der Film löst weltweit Empörung aus. Der Seehundhäuter erklärt später vor Gericht, die Filmer hätten ihn für diese Grausamkeit bezahlt.

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1964/65

Kanada erlässt erste Verordnungen gegen Raubbau und Tierquälerei. Bestimmungen für humanes Töten treten in Kraft, der Sankt-Lorenz-Golf wird für ausländische Robbenjäger gesperrt.

1966

In den Wurfgebieten dürfen keine erwachsenen Robben mehr gejagt werden. Bernhard Grzimek zeigt im deutschen Fernsehen Ausschnitte aus dem Artek-Film. Tausende Zuschauer spenden für den Protest.

1967

Das Buch Das letzte Robbenjunge von Peter Lust erscheint. Der Autor wird zur zentralen Persönlichkeit im Protest gegen die Jagd. Sein Artikel Mörderinsel wird von 300 europäischen Zeitungen abgedruckt.

1969

Der International Fund for Animal Welfare (Ifaw) entsteht. Er organisiert bis heute am intensivsten den internationalen Protest.

1971/72

Die erste Fangquote kommt (245000 Sattelrobben). Bernhard Grzimek erklärt, als Folge der Proteste habe Kanada die Jagd so reguliert, dass sie akzeptabel sei. Bis 1989 folgen mehrere Verschärfungen der Jagdvorschriften.

1974-76

Der Ifaw beauftragt eine Werbeagentur mit der Kampagne »Stop the Seal Hunt«. Greenpeace schaltet sich ein, zieht sich aber später zurück, da Sattelrobben keine bedrohte Art sind und die Jagd zur Lebensweise der Inuit gehört.

1977

Brigitte Bardot reist zum Protest nach Quebec.Der Preis für Robbenfelle sinkt drastisch.

1983

Die Europäische Gemeinschaft verbietet den Import weißer Felle von Robbenbabys (whitecoats). Der deutsche Vorstoß, ein Handelsverbot für Sattelrobben durchzusetzen, scheitert.

1984

Jagen lohnt sich kaum noch. Der Ifaw ruft zum Fischboykott gegen Kanada auf, einige Supermarktketten ziehen mit. Fünf Jahre später verbietet Kanada die Nutzung weißer »Robbenbabys« (Ausnahmen für die Inuit). 1992 ergeht der erste Managementplan für die Robbenjagd.

1996

Wachsender Wohlstand in China und Russland. Folge: Die Nachfrage nach Fellen steigt.

2006

Die Zahl der Sattelrobben vor Kanada (5,5 Millionen) hat sich seit 1970 verdreifacht. 325000 Jungtiere werden zur Jagd freigegeben. Paul McCartney und Pamela Anderson schließen sich dem Protest an. Der deutsche Bundestag fordert ein Importverbot für Robbenprodukte.

2007

Belgien verbietet generell Robbenfellimporte. Die EU-Kommission lehnt so einen Bann ab, da Sattelrobben keine gefährdete Art sind. M. M.

Zum Thema
Jäger gegen Sammler - Die Pelznachfrage aus Asien steigt, der Robbenfang boomt. Aber auch der Protest gegen die Jagd bringt Geld ein. Von Michael Miersch »

 
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