DIE ZEIT: Stimmt es, dass Sie sich achtundzwanzigmal Der weiße Hai angeschaut haben? Cate Blanchett und George Clooney spielen in Soderberghs neuem Film »The Good German« ein früheres Liebespaar, das nach Kriegsende in Berlin zwischen die Fronten der amerikanischen und russischen Besatzer gerät. BILD

Steven Soderbergh: Neunundzwanzigmal. Aber zwischendurch gab es eine längere Pause. Vor zwei Wochen sah ich Der weiße Hai zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder im Fernsehen. Da wurde mir klar, warum ich ihn mir so oft angeschaut hatte: Dieser Film enthält alles, was man braucht, um Kino zu machen. Er ist wie die DNA des Filmemachens.

ZEIT : Gilt das nicht für jeden großen Film, den man sich so oft anschaut?

Soderbergh : Wahrscheinlich ist es so. Aber Der Weiße Hai war mein paradigmatisches Kinoerlebnis. Weil er dramaturgisch so klug gebaut ist, Humor und Spannung hat, weil die Schauspieler großartig sind. Und weil er alles zu perfekter Ökonomie verbindet. Heute bin ich froh, dass er das Gravitationszentrum meiner Jugend war.

ZEIT : Gehört der Film zu den Werken, die Sie als Junge mit der Super-8-Kamera nachgedreht haben?

Soderbergh : Leider nein. Er wäre zu aufwendig gewesen. Der Hai war ein echtes Ausstattungsproblem. Ich habe andere Filme nachgestellt.

ZEIT : Welche?

Soderbergh : Das ist fast so, als würden Sie mich fragen, welche Mädchen mir damals gefallen haben. Taxi Driver war auf jeden Fall dabei.

ZEIT : Wie muss man sich das vorstellen: Standen Sie mit kahl rasiertem Schädel vor dem Spiegel und imitierten Robert de Niro?

Soderbergh : Nein, wie soll ich sagen… Es gab eher den Versuch einer subtilen Interpretation (lacht). Mein Film handelte von einem Hausmeister, der keine soziale Kompetenz hat und ziemlich isoliert lebt. Ich drehte das im Stil und mit der Musik von Taxi Driver. Heute würde kein Mensch aushalten, sich das anzusehen. Aber für mich war es das erste Stadium des Filmemachens: Man imitiert, was man gesehen hat. Dabei bekommt man ein Gefühl dafür, wie unendlich schwer es ist, einen wirklich guten Film zu drehen.

ZEIT : Und das zweite Stadium?