Generationen Furchtbar rüstigSeite 4/4
Von ihnen ist hier nicht die Rede. Sondern von einer dritten Fraktion, die sich übrigens keineswegs auf die aktuell Älteren beschränkt, sondern schon unter den Jüngeren herangezüchtet wird. Sie hängen dem im durchrationalisierten Ökonomieweltmeisterland verbreiteten Irrglauben an, dass Ruhestand, ein möglichst früher Ruhestand, Ausdruck von Erfolg, Reichtum und Fortschritt sei, individuell wie gesellschaftlich. »Arbeit ist das halbe Leben« lautet zwar eine gängige deutsche Redensart, aber die dominante Ideologie geht eher dahin, Freizeit sei der ganze Lebenszweck. Vermögensberater, die mit ihren Kunden offenbar über solche intimen Dinge sprechen, berichten von dynamischen jungen Menschen, deren erklärtes »Lebensziel« es ist, jenseits der 50 nicht mehr arbeiten zu müssen. Um dann was – um Himmels willen? –, was zu tun?
Vor allem die 26 Millionen Beitragszahler, die im Augenblick die Renten für 18 Millionen Rentner erwirtschaften, könnten kürzere Tages- und Wochenarbeitszeiten, Sabbaticals und Phasen der Teilzeitbeschäftigung durchaus gebrauchen. An unseren Ruhestandsvorgängern können wir hingegen beobachten, dass eine allzu kurze Lebensarbeitszeit für schlechte Stimmung sorgt: Jedenfalls wenn die lustigen Rentnerinnen im Reisebüro eine Stunde – eine geschlagene Stunde! – brauchen, um eine Woche Badeurlaub in Kroatien zu buchen. Und das noch begleitet von trotzigen Beiseite-Bemerkungen ans stöhnende Publikum: Wir sind eben alt, bei uns dauert’s!
Ob das Zusammenleben der Generationen in Zukunft friedlich verläuft, hängt davon ab, ob es gelingt, die lähmende wie die lärmende Ruhestandsideologie zu überwinden. Auf beiden Seiten. Die Neigung der Jüngeren, den Älteren nichts mehr zuzutrauen, muss dringend verschwinden. Aber noch dringender die Vorstellung, ein Dasein der totalen Muße sei gesund. Zu tun gibt es in dieser Gesellschaft Gott sei Dank genug, auch jenseits der 50, 60, 65 oder 67.
*Nächste Woche antwortet, aus der Sicht der Älteren, unser Kolumnist Haug von Kuenheim
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- Datum 03.03.2007 - 06:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.03.2007 Nr. 10
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Frau Gaschke,
vielleicht sollte ich es machen wie ein standartgeschulter Personalreferent. Also erst mal loben. Sie haben vieles gut beobachtet bzw. nett zusammengesucht, auch haben sie eine gute Nase für Befindlichkeiten und verstehen es diese zu formulieren. Da ist aber noch etwas an dem sie arbeiten müssten. Ihr logisches Denkvermögen ist leider nicht überdurchschnittlich, sondern entspricht dem Standard ihrer Generation. Den Bruch gab es da meiner Meinung nach bei Geburtsmarke 64-67. Ich liege da noch drunter, sie wohl schon etwas drüber. Ich machte diese Beobachtung schon recht früh, als ich nämlich die Aufgabe hatte diese Studenten als Assi bei ihrer Ausbildung zu betreuen. Die dachten anders. Sie konnten schlecht zu Ende denken, kaum extrapolieren, wenig abstrahieren, und sie zeigten kaum Transzendenz. Dafür waren sie aber meist fleißig und vor allem extrem effizienzorientiert. Schnell, schneller am schnellsten so hatte ein Studium zu sein, die Wirtschaft fordert es so. (Ich vermute ja, dass lag u.a. am frühkindlichen Taschenrechner, aber das ist ein anderes Thema) Uns älteren waren diese Leute etwas unheimlich, einerseits dachten wir, die sind doch nicht gut, da fehlt doch die Tiefe. Andererseits, ein BWL-er oder Jurist braucht keine Tiefe um weit zu kommen, und Naturwissenschaftler kommen so oder so nicht mehr weit. Die könnten mal an den Hebel sitzen und was dann? (Nun wir erleben es so langsam)
Doch jetzt zu Ihnen. Manches wurde schon gesagt. (Siehe Korfstroem) So zum Beispiel die Sache mit dem Zusammenhang zwischen Rente und Kinderzahl. Das grundsätzliche Problem ist aber, das sie entweder unser kapitalistisches Gesellschaftssystem (nicht nur Wirtschaft) prinzipiell nicht verstanden zu haben scheinen, oder es nicht grundsätzlich zu kritisieren wagen (siehe Transzendenz). Im Kapitalismus ist es eben gerade ein hohes Ziel, arbeitsloses Einkommen zu erzielen. Ein möglichst früher Ruhestand ist! Ausdruck von Erfolg, Reichtum und Fortschritt! Arbeit ist im Kapitalismus eben kein Ziel, daher auch nicht sinnstiftend. Sie ist nur ein (sehr ineffizientes) Mittel zum Zweck. Das zeigt sich nicht nur deutlich darin, wie hoch und nach welchen Kriterien Arbeit vergütet wird. Es ergibt sich eben auch aus der durchrationalisierten Arbeitsorganisation. Wenn sie fragen „Um dann was – um Himmels willen? –, was zu tun?“, dann möchte ich zurückfragen. Was –um Himmels willen- tun sie denn vorher? Sie mögen ihren „Job“ als sinnvoll und spannend erleben. Aber sie befinden sich in der Minderheit, dessen können sie sich sicher sein. Und das ist kein, auf unerfindliche Weise entstandener Fehler, der durch einen, wie auch immer erzielbaren, Mentalitätswechsel zu Beseitigen wäre. Erstens schafft dieses System eben eine Menge langweiliger und sogar „sinnloser“ Arbeit. (Nur absolute Egozentriker können es z. B. toll finden, wildfremden Kindern teure Klingeltonverträge aufzuschwatzen) Zum anderen verstehen bzw. erahnen halt sehr viele Menschen, das natürlich nicht Arbeitsbesitz ein primärer Wert ist sondern Kapitalbesitz! Oder warum spielen sie sonst Lotto?
Und eines haben sie wohl auch noch nicht zu Ende gedacht. In einem kapitalistischen System bekommt man von der Wiege bis zur Bahre eigentlich eines beigebracht. Verkaufe dich, und erziele einen möglichst hohen Preis! Natürlich gibt es genug zu tun. Aber Arbeit ohne Lohn ist nicht systemkonform, und je mehr und je kritikloser der Kapitalismus im Denken der Menschen verankert ist desto weniger werden sie dazu bereit sein. Fragen sie mal die Vereine. (Diese Denkweise wirkt übrigens auch bei Partnerschaften und Familien) Warum sollten da plötzlich die Alten zu Herz-Jesu-Sozialisten werden? Nur weil’s jetzt auf einmal nett wär?
Da müßte sich wohl schon richtig was ändern. Wollen sie das? Wenn nein, dann werden sie wohl mit der Entwicklung leben müssen.
wo bitte stellt man einen antrag auf genehmigung einer rebellion?
ach susi
Ja, ich eröffne die Diskussion. Ich, eine 'Alte'...nach den Fallen des Patriarchats in einem kurzen 'Dazwischen'. Bilanz ziehend über die HeldInnenreise deutscher Mütterlichkeit, die mit fifty plus nun auf dem Trockenen sitzt. Keine Rückfahrkarte in den einst geliebten, unfreiwillig aufgegebenen Beruf. Falls Ihnen mein Text nicht behagt, lesen Sie doch einmal Robert Bly: Die kindliche Gesellschaft oder James Hillman: Vom Sinn des langen Lebens....
Zehn Jahre habe ich gewartet, dann bin ich doch noch gestartet
[* Kopfnote: um es vorwegzunehmen: ich wollte Erinnerungen schaffen...'fürs Alter' lach...für welches Alter? Eine Illusion weniger...die Erinnerungen sind längst verblaßt...sie sind überhaupt nicht bis ins Kurzzeitgedächtnis eingedrungen]
Eine Reise in eine andere Welt, über die Grenze also: Unterwegs mit Vielreisenden. Zugleich ein persönlicher ausschnitthafter LeiD-Faden im Verborgenen durch die zeitgenössische südamerikanische Literatur.
*Ich bekenne, dass ich nicht gelebt habe*
analog zu Pablo Neruda, dem chilenischen Dichtersohn und Nobelpreisträger für Literatur: 'Ich bekenne, ich habe gelebt“.
Meine ersten Kondore am Lago Argentino mit bald Mitte Fünfzig nach den fundamentalistisch-pietistisch -evangelikal gestellten Ehe-Weichen der Familiengefangensetzungsjahre als kinderreiche Mutter.
Ich sehe in diesem christlichen Mainstream, der er gerne wäre, keinen Befreiungsweg für solche Frauen, die dieser Welt und Gesellschaft den Nachwuchs garantieren etwa für große Gemeinden und als Humankapital... Der christliche Überbau hat es bis heute nicht vollbracht, ihnen Gerechtigkeit und Gleichheit zu verschaffen. Genauso wenig wie jenen, die die schwerste Arbeit verrichten, am wenigsten dafür bekommen und keine Rechte haben.
Die gefährlichste Weltanschauung soll also die sein, dass man die Welt nicht anschaut, wie einst Alexander von Humboldt über das Reisen sagte? Welche Gültigkeit kann diese Einstellung für uns heutige Entzauberte und Nichtabenteurer bedeuten?
Immerhin ist diese Reise eine Expedition und entsprechend beschwerlich.
Meine Mitreisenden, die Kinderlosen mit dem nötigen Kleingeld oder die barbarischen Kolonialtraveler mit ihren teuren Equipments und den neuesten Digitalkameras (2000 Bilder ohne Denken, Gestalten, nur Draufdrücken) haben bereits alles gesehen von Taj Mahal bis Ayer’s Rock. Jedoch ohne den Blick für die bittere Armut und Umstände des jeweils besuchten Landes zu vertiefen. 'Ich bin im Urlaub. Ich kann es mir leisten.“ Ob russische Geliebte oder kiloweise Goldschmuck aus Ostafrika.
Ich kann es mir eigentlich nicht leisten, das Reisen. Von diesem Geld könnte ich ein Jahr lang leben...es geht von meinem Rentenkonto ab. Großfamilien und Mütter trifft man hier nicht. Um so mehr Alleinstehende, viele nachholbedürftige 'Ossis' und natürlich Bayern, ebenso Frührentner und überhaupt Rentner und jene Paare, die ihr Leben zu zweit genießen, statt ständig Verantwortung für Dritte zu gewährleisten.
Eine unvorstellbare Summe überweist der Bund jeden Monat an Renten! Pensionen nicht mitgerechnet.
Auf manchem Campingplatz residiert ein Aussteigerpaar in den Vierzigern ohne Kinder, dafür mit Hunden. Seit Jahren im eigenen LKW unterwegs, welcher über die Meere von Kontinent zu Kontinent verschifft wird. Nie mehr in den Erwerbsprozeß zurück kehrend, auf Omas Häuschen spekulierend, das zehn Jahre nach der Schenkung nicht mehr angetastet werden kann, wenn für die Pflege der alten Dame die Allgemeinheit zuständig sein wird. Also auch meine Kinder.
Die Einen haben in diesem Lande die Lasten und Sorgen. Die Anderen das Vergnügen, den Müßiggang und wohl auch die bessere Beratung!
Während ich diese Zeilen aufschreibe, sitze ich an einem feuerländischen Indianer-Rio. Aufgewühlt schießt das tosende Schmelzwasser aus den Bergen von rechts nach links vorbei. Und ich begegne nur mir selbst: Am gegenüberliegenden Ufer an der sandigen Böschung nichts als entwurzelte Bäume, die sich mit letzter Kraft absterbend festhalten.
Eine Visionssuche? Eine Gottsuche? Welchen Gott? Den Gott der Amtskirchen ohne Diversivität von Biologie und Kultur?
Den Luthergott?
Oder die Göttin der Volksseele und Volksfrömmigkeit? Mutter Erde gleich Difunta Correra?
Bonbons aus Hannover oder mit Wasser gefüllte Plastikflaschen am Straßenrand?
Isabel Allende war das Glück der Gottfindung im valdivianischen kalten Regenwald beschieden, wie sie in 'Paula' beschreibt. Wasser und nochmals Wasser. Gleich Leben.
Wahrscheinlich bleibt diese Reise meine einzige Reise.
Das südliche Südamerika im Dreieck Santiago de Chile, Buenos Aires, Ushuaia (Kap Hoorn) sind zwei Länder der Superlative in Bezug auf die Naturschönheiten. Unverbrauchte Schöfungslandschaften in menschenleeren Weiten. Rauher Wind, eigenwillige Fauna und Flora Patagoniens. Wer nur eine einzige Reise unternimmt, sollte vielleicht gleich hier her kommen.
Freie Sicht auf den Fitz Roy und ungewöhnlich warmes Wetter im Paine Nationalpark. Chile und Argentinien: zwei lange Befreiungswege ihrer Bewohner von Unterdrückung und Ausbeutung. Letzteres auch angeschürt von christlicher Sieger-und Bezwingermentalität.Einverleib ung älterer entwickelter Kultur, welche Mutter Erde nichts zuleide tat.
Im Panentheismus der Urbevölkerung ist ein Berggipfel heilig. Kein Ehrgeiz, ihn besteigen zu müssen. Sondern Respekt, Demut und Wissen um Menschengemäßes und Heiliges.
Es gibt sie noch in verschiedenen Gegenden der Welt, diese herrschaftsfreien Gesellschaften des Friedens und der Balance. Unterdrücken eines Geschlechtes und Konkurrenz sind ihnen fremd. Dafür streben sie nach Verbundenheit, nach gegenseitiger Unterstüzung.
Es heißt (jungianisch), jeder Mensch hätte eine besondere Affinität zu einem Land, einem Kontinent dieser Erde.
Parallel zum langen Verlauf der Anden lege ich die letzten christlich-fundamentalistische n Kettenglieder auf dieser Reise ab und wasche mich davon rein in den spektakulären Gletscherwelten am südlichen Ende der Welt. Unterwerfung und Abhängigmachung weiblicher Ressource, Domestizierung und Schuldzuweisung, Rollenfestlegung und Selbstentfaltungsverhinderung.
'Du glaubst nicht richtig.“ 'Du bist voller Sünde.“ 'Du musst dich bekehren.“ 'Wann lässt du dich endlich taufen!“
Es war wohl das Allerschlimmste, was mir in meinem Leben passiert ist: die große Kinderschar einschließlich eines schwerbehinderten Kindes ohne soziale Netze großzuziehen. Manche Ehe ist darüber brüchig geworden. Man hatte die Pflicht zusammen. Die Kür, wenn überhaupt, musste jeder für sich allein zelebrieren.
Und welcher Mann ist heute dauerhaft begeistert von jenem Lebensentwurf, in den auch er geraten kann, alleinverdienend fast einer halben Fußballmannschaft bis 30 das Studium zu finanzieren?! Exodus der Mittelschicht und Leistungsträger!
'Der große Gesang' (Pablo Neruda) am Gletscher des Perito Moreno. Tränen über das Versäumte sind zu beinahe ewigen Eisblöcken erstarrt. Kalben oder Sterben? Sie schmelzen wieder. Sie lösen sich auf im großen Meer und verdunsten und fallen wieder herab auf die Erde. 'Der Aufenthalt auf der Erde' (P.Neruda)
Ende der Reise.
Ende des Reisens.
Am Ende der Welt.
Hier trennen sich nun unsere Wege wieder in die verschiedenen Welten. Kinderreiche und Kinderarme haben nicht viel gemeinsam.
Absolut nichts gemeinsam habe ich mit ach so netten Cliquen.
Die Vielreisenden haben bereits ihr nächstes Ziel vor Augen: Tauchen in Thailand. ..Und so leisten sich diese Paare alle halbe Jahre zusammen für ca. 7000 Euro einen solchen Tripp (incl. Ausstattung, Essengehen und Taschengeld....)
Stimmun g. 'Kollegen“ an Bord des Jumbos auf dem Heimweg über Sao Paulo. Ein Trupp von Antarktis-Kreuzfahrern (die 'wahren Geldsäcke' aber nicht zwangsläufig edler, ethischer und niveauvoller) hätte fast den Anschlussflug von Ushuaia nach Buenos Aires verpasst. Kenne ich nicht einige dieser feisten Gesichter aus einem früher abgelaufenen Film?
'All Pessiingiärs' schnallen sich ab. Denn sie sind wieder gelandet auf dem Boden ihrer selbstverordneten kleinlichen Vorschriften und Elitenschonung. Kaugummi kauende aufgeblähte Zollbeamte blicken mit Stechblick herab auf nicht kompatible Freigeister. Länder zum Reisen. Länder zum Leben? Oder möchte ich, dass mein Töchterchen nach abgeschlossenem naturwissenschaftlichem Studium in einem Callcenter in B.A., dieser dekadenten Stadt, endet?
Nur die innere Reise schult den Blick des Künstlers. Ich bin nun wieder die, die euch die Kinder großzog. Aber ihr wollt sie gar nicht. Ihr schickt sie fort für die billigen Jobs, während ihr meint, mit Recht euer 'Eigentum“ raushauen zu dürfen.
Sendepause der familären Hiobsbotschaften beendet.
Rites des Passages ohne Kick. So wie in 'Der unerträgliche Goucho“ (Roberto Bolano). Geschichten von einsamen Helden. Ein Buch über das Fortgehen und Abschiednehmen.
Remmidemmi is nich.
Vielleicht gehen manche Alte etwas lauter fort.
Selbstverständlich sind wir den verschiedenen Göttern und Göttinnen begegnet, jenen, die uns helfen wollten, unsere Träume auf dieser Erde zu verwirklichen, jenen, die uns abgebracht haben von beruflicher 'Karriere' und die uns überlistet haben, in Bezogenheit zu leben und Kinder zu gebären und schließlich jenen, die uns noch einmal woanders hinziehen, haben wir ihnen in bestimmten Phasen nicht genug Beachtung geschenkt. Das Aus-dem-Weg-räumen von Hindernissen gehört selbstverständlich dazu. Aber mindestens jetzt sind die meisten Kontrahenten erledigt...als psychische Instanz allemal. Auf der gesellschaftlichen Ebene spielen sie noch eine Rolle. Der momentane Überbau des kapitalistischen Patriarchats ist immer noch MÄCHTIG! Auf der Geschlechterebene könnte es vielleicht heißen: zurück zu Metis? Zumindest haben Heldinnen erkannt, dass ihnen die großen beiden gängigen Linien weiblicher Selbstverwirklichung nur ein schlechtes Angebot machten!
Angesichts der Kämpfe, die wir hier in der BRD, in Europa und der sich verändernden Welt um die Existenz der Familie auszutragen haben, würde ich doch die Vermessenheit besitzen, von einer HeldInnenreise zu sprechen. Vielleicht relativiert auf Helden-Abschnitts-Reise. Streckenheldin/Held sozusagen. Derer gibt es Unzählige. Und sei es nur, im mütterlichen Alltag der vielfältigen Gewalt zu begegnen, mit Armut zurecht zu kommen, verdurstende Kinder zu begraben...Es ist auch schon 'heroisch' für sich, dem üblichen Vorwurf zu widerstehen, man würde jammern! Eine Meute lauert unbarmherzig mit Schmäh und Lust am Schaden anderer.
Das Leben geht weiter. Trotz der Blessuren. Die Abenteuer auch. Die Erfahrungen des Mangels (soziale Isolation) und schicksalhafte Herausforderungen hatten ihren Sinn. Alles zusammen wird sich zu einer neuen Ordnung fügen? Hier und da flammt ein Muster auf, vernetzt über den Planeten. Unser kollektiver 'Krieg' ist lang nicht beendet. Aber es stehen immer wieder Einzelne auf, um ein Stück zu siegen, sich selbst zu besiegen, und sich zu wandeln. Nein, eine Thea Dorn (die neue F-Klasse) ist nichtmal ein Held-chen!
Rebellion in einer Kultur ohne Übergänge und Initiationen sollte erlaubt sein!
Kaum sagt der Dozent vorne was, meldet sich schon eine und sagt: 'Das war aber ganz anders!'
Vielleicht doch eher Rosinante?
Dieser Artikel ist eigentlich viel zu schlecht geschrieben, um ihn zu kommentieren.
Er dokumentiert zweierlei: 1. Eine naive, undifferenzierte Weltsicht der Autorin, die dem Modethema 'Alter' offensichtlich nicht gewachsen ist. 2. Die Bereitschaft der veröffentlichenden Zeitung, mißratene Artikel aufzunehmen, wenn sie nur aus der richtigen Feder stammen.
Trotzdem in kürze einige wahllos formulierte Einwürfe:
1. Nicht die 'aktiven Alten' sind das Problem unserer Gesellschaft sondern die Gewährleistung der menschenwürdigen Pflege der 'kranken Alten'. Wenn Frau Mayer einen alten Menschen pflegen müßte, wäre sie über jeden agilen alten Menschen, der durch ihr Zugabteil hüpft, überglücklich.
2. Alt ist ein sehr relativer Begriff. Für viele Unternehmen ist ein 45-jähriger heute schon zualt. Mit Betriebszugehörigkeiten von 3 - 5 Jahren gehören Beschäftigte heute schon zu den 'Alten Hasen'
3. Das Argument 'Kinderreichtum' = 'Bestandssicherung' wird nicht richtiger, wenn Frau Mayer es beständig wiederholt.
3.a. Ein großer Anteil der klimatischen Veränderungen ist dem Bevölkerungswachstum geschuldet.
3.b. Die junge 'Generation Hoffnung' wird von Weiterschulung und Praktikum von einer Zwischenlösung zur nächsten vertröstet, statt eines existenzsichernden Arbeitsplatzes habhaft werden zu können. In vielen Familien herrscht die paradoxe Situation, daß die sparsamen Rentner von ihrer Alterssicherung die arbeitslosen Jungen miternähren.
3.c. Viele Menschen in diesem Land 'genießen' inzwischen die zweifelhaften Vorzüge der Teilzeit und Kurzzeitbeschäftigung oder sind quasi arbeitslos. Frau Mayer, wir haben in diesem Land ca. 8 Mio Arbeitslose!!!
4. Die Differenzierung in 'Alte' und 'Junge' führt in eine gesellschaftliche Diskussion, die nur zu einem ergebnislosen Gezerre um das Volksvermögen führen kann.
5. Letztlich erinnern Diskussionsbeiträge wie der vorliegende beklemmend an die Tierfilme aus der afrikanischen Savanne. Wenn Tiere zu alt werden, werden sie sich selbst überlassen oder von Raubtieren gefressen. Wenn Raubtiere zu alt werden, werden sie von der Gruppe ausgestoßen.
6. Es wird interessant sein, Frau Mayers Diskussionsbeiträge in 30 Jahren zu lesen, wenn sie die Interessen ihrer Generation gegen die Übergriffe der Jüngeren verteidigt, denn
7. Generationenegosmus ist altersunabhängig
korfstroem
Ihre erste Zeile drückt treffend aus, daß im Grunde die Zeit zu schade ist, den Artikel zu kommentieren. Daran will ich mich als sogenannter 'Hochbetagter' (im Alter von 78 Jahren) auch halten. Ich habe deshalb auch darauf verzichtet, den 'unendlichen' Artikel bis zum Ende zu lesen.
Wer aus welchen Gründen auch immer vom wirtschaftlichen Wettbewerb ausgegrenzt ist wird zunehmend als überflüssig dargestellt. Die gesetzlich verordnete materielle Verarmung dieser Menschen hat einen versteckten Drang nach Euthanasie als Hintergrund, spätestens dann wenn menschen pflegebedürfig werden zeigt sich das offen, in der Schlechtestversorgung bettlägriger patienten. Eienm chronisch Kranken oder Behinderten sieht man ein Handicap nicht auf Anhieb an, selbst diese können nochmal fröhlich sein, und unterwegs in Gruppen. Dieser Artikel hat einen destruktiven, die Gesellschaft spaltenen Aspekt, er ist ein arbeitsteiliger Akt an der Entmenschlichung unserer Gesellschafft. Alte, Schwache, Kinder , oder von Heuschrecken aus dem Wettbewerb ausgegrenzte sind hinderlich, und das spüren sie jeden Tag im umgang mit den gesellschaftlichen institutionen und in den Wirtschaftssparten der medien. kinder und Alte und Schwache haben es eben schwer ihr momentanes oekonomisches Daseinsrecht gegenüber den Dämonen und Schranzen des Kapitals nachzuweisen.
Was hilft ist der Übertritt zum Islam, und sein gottgegebenes Recht auf das Sein und die Daseinserhaltung in Würde zu erkämpfen, wenn Grundgesetz, Gewerkschaften, christliche Kirchen, Parteien und Wirtschaft hier versagen.
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