Ich habe einen Traum Virtual Teacher
Steve Wozniak, 56, baute 1975 in Kalifornien einen der ersten PC und war Mitbegründer der Firma Apple. Nach seinem Rückzug aus dem Unternehmen arbeitete er als Grundschullehrer und engagierte sich für karitative Projekte. Vor Kurzem ist seine Autobiografie »iWoz« erschienen. Wozniak träumt von virtuellen Lehrern und künstlicher Intelligenz
In meinem Lieblingstraum gibt es einen Hauptdarsteller. Sein Name ist Virtual Teacher, das bedeutet virtueller Lehrer. VT ist ein freundlicher Roboter für Kinder, einer, der unterrichtet und genau weiß, was sie besonders interessiert. Er kennt ihre neuesten Witze und weiß über die TV-Show von gestern Abend Bescheid. Er ist also eine Art bester Freund – mit einer guten Portion Humor. Für mich ist Humor eine der wesentlichen Eigenschaften des Menschen. Wenn wir uns also so einen virtuellen Lehrer ausdenken, muss er ein besonders heiterer Geselle sein, sonst wirkt er nicht echt. Es muss eine große Herausforderung für Software-Ingenieure sein, Humor zu programmieren.
Ein virtueller Lehrer verfügt nicht nur über Emotionen, er kann sie auch von unseren Gesichtern ablesen. Er kann sogar unsere Körpersprache und den Tonfall unserer Stimme deuten. Sind wir ängstlich oder frech, fühlen wir uns sicher, oder sind wir besonders vorsichtig? Wenn wir uns anschauen, wie wir uns am Computer verhalten, dann entdecken wir, dass wir immer schon mit ihm gesprochen haben: »Hey – was machst du da? Komm schon, geht das nicht schneller…« Wir behandeln die Maschine, als ob sie menschliche Eigenschaften hätte. Warum also nicht gleich von einem virtuellen Lehrer träumen?
Heute stehen Lehrerinnen und Lehrer vor Klassen mit 20 oder mehr Schülern. Die einen sind in Mathe ziemlich gut, haben aber in Sprachen ihre Schwierigkeiten. Manche sind wissbegierig, andere können sich nur schwer konzentrieren. Lernen ist also ein sehr individueller Vorgang. Doch in der Schule muss jeder mitkommen, keiner darf auf der Strecke bleiben. Deshalb wird die Menge des Stoffs, die Tiefe der Aufbereitung und deren Geschwindigkeit nicht von den besten, sondern von den schwächeren Schülern bestimmt. Die besonders begabten langweilen sich zu Tode. Mit einem persönlichen virtuellen Lehrer wird das anders – und vor allem viel besser. Er kann individuell auf jeden Schüler eingehen, auf seine Schwächen, seine Stärken, seine Auffassungsgabe. Prüfungen werden überflüssig.
In meinem Traum höre ich plötzlich einen lauten Aufschrei aller Pädagogen. »Was wird aus uns? Wir verlieren unsere Jobs!« – »Keine Sorge«, antworte ich, »der Computer hat weder Schreibstift noch Papier, weder Buch noch Zeitung überflüssig gemacht. Der virtuelle Lehrer wird ein neuer Kollege sein, der euch viel Arbeit abnimmt. Vokabeln wiederholen, den Stoff nochmals durchgehen – das ist Vergangenheit. Eure Kenntnisse und Qualifikationen können viel gezielter eingesetzt werden.« Obendrein: Wie viele Kinder gibt es auf der Welt, die keinen oder nur schlechten Unterricht bekommen? Da ist es doch eine großartige Idee, wenn jedes Kind seinen persönlichen virtuellen Lehrer hat. Natürlich werden diese nicht von heute auf morgen den Unterricht übernehmen. Das ist eine Entwicklung, die viele Jahre dauern wird. Und in dieser Zeit werden aus den gewöhnlichen Lehrern hoch spezialisierte Software-Berater, deren Aufgabe es ist, neue Lernprogramme zu verwalten und ständig zu verbessern.
Lehrer sind Menschen und deshalb nie perfekt. Entsprechend dürfen auch ihre virtuellen Kollegen nie perfekt sein. Sie haben wie reale Lehrer Wissenslücken. Es kann vorkommen, dass ein virtueller Lehrer auf die Frage eines Schülers keine Antwort weiß. Und er wird sich informieren und sich über spezielle Programme im Internet fortbilden müssen. Das macht ihn seinen Schülern umso sympathischer. Und ich träume weiter: von einem virtuellen Lehrer, der zum lebenslangen Begleiter wird. Zu einem klugen Berater, der mich so gut wie mein bester Freund kennt und mir als Coach, Mentaltrainer und Diskussionspartner zur Seite steht. Bis ins hohe Alter.
In diesem Traum verbirgt sich die Frage nach der Möglichkeit künstlicher Intelligenz: Wie arbeitet das Gehirn eines Menschen, und wie weit können wir es simulieren? Vielleicht eines Tages so gut, dass der Unterschied zwischen einem realen und einem virtuellen Lehrer nicht mehr zu erkennen ist? Neurologie und Psychologie, Didaktik, Menschenkenntnis, emotionales Feedback… Wenn wir ein Wesen mit künstlicher Intelligenz konstruieren wollen, müssen wir ein noch viel tieferes Verständnis über die Vorgänge in unserem Gehirn erwerben. Genau das ist das Thema, welches mich an meinem Traum am meisten interessiert.
- Datum 06.03.2007 - 05:28 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.03.2007 Nr. 10
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ich träume von virtuellen Schülern!
ich träume von virtuellen Schülern!
... hat Steve Wozniak wohl immer ausgezeichnet. Und auch hier spricht wohl alles dafür, dass er zwinkernden Auges seine Technikleidenschaft mit seinem Leben als Lehrer verbindet.
Danke für den Artikel : )
ich träume davon, dass es weniger Menschen wie Steve Wozniak geben möge
es mag sein das die Zukunft virtuelle Lehrer benötigt weil die Gegenwart ihr Versagen dokumentiert hat. Es ist aber sicher kein Ziel jegliche Emphatie eines Wesens das sich für diese Existenz entschieden hat, mit all ihren Defiziten, derart zu kompensieren das die in diesem Artikel beschriebene Wirklichkeit Reakität werden muss. Es ist vielmehr gefragt wo heute die Möglichleiten liegen die Gegebenheiten derart umzuformulieren das eine Wirklichkeit entsteht die derartige 'Avatare' überflüssig machen. Woz kann sich sicher seine Existenz anders gestalten als die meisten Menschen auf diesem Planeten. Seine Defizite selber auflösen. Ihn direkt umgebenden Menschen sei gesagt. . . . Achtung Depressionen sind ansteckend... ( Gott sei Dank hat das noch keiner bewiesen..) !
Have fun
incal
… sich auf den Wege machen, Kontakt aufnehmen: z. B. Telefonieren, nach Hause – bis die da von droben ein Raumschiff senden….
Ein schwacher, starker Moment:
Ich hatte den Ton noch im Ohr (tief klomm er den Synapsen irgendwelcher Ganglien, aus dem Innenohr: die Laute, die Silben; ein bisschen Unruhe; dann eine große Sehnsucht in mir: … nach Hause…
Aber wo hatte ich das '..... ... ... ...' gehört; ganz tief in mir wieder erwacht? Und es war abgespeichert geblieben - wow, bis vor jetzt-grade-eben!
... sich sehnen; den Kopfraum dehnen. Heimweh haben; der Sehnsucht verfallen…
D i e Sehnsucht – nach…; nein nicht nach allen Plätzen oder Plätzchen, nicht allen Hucken, allen Winkeln, die Kammern, Häuser und Häuschen, Ecken und Kanten will ich nennen.
Au, ich weiß es wieder, wie es nach Hause geht: dem virtuellen Lehrer, oder Vater - dramatisch die Verfolgungsjagd auf dem Fahrrad. Sie gipfelt darin, dass E. T. vor den Augen der beamteten Sicherheit mit den Freunden, den Kindern in den nahen Wald entschwebt, in dem knapp-akut-grad-right-getimt das lang erwartete Raumschiff landet, um den Außerirdischen ins vergottete Zu-Hause zu holen:
E.T. – was jetzt – religiös angehaucht - virtueller Gefährte (Lehrer, Schüler,... ) genannt wird – war ja schon tot gewesen – erlebte aber seine Auferstehung (wie in allen Gottheitsphantasien) – und konnte heim: „… nach Hause…“ - und er vergaß, mich mitzunehmen.
„Glückselig der, dessen Welt innerhalb des Hauses ist.“ JWG an JChK., schon am 24.6.1784; aber ich kann ihn noch verstehen, ohne virtuelle Pseudos! Weil er das Haus in mir erwecken kann, in dem ich klein war, groß wurde - Vater-Mutter-Geschwister-Haus, Heimat, die ich mir nicht erfinden muss, nicht virtuell produzieren brauche, sondern aus eigener Phanasie und Erinnerung und Ver-Antwortung.
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