Man muss sich dieses vom Krieg und von der Pest geschüttelte 17. Jahrhundert als singend vorstellen. » Ich singe mit, wenn alles singt«, schrieb der lutherische Pfarrer Paul Gerhardt, der vor 400 Jahren im Ackerbürgerstädtchen Gräfenhainichen geboren wurde, in seinem Sommer-Gesang. Und verblüffenderweise ist es dabei bis heute geblieben, als läge nicht die gesamte Moderne zwischen diesen barocken Gedichten und der Gegenwart: Die Gerhardtschen Lieder, die im Mutterland des Protestantismus und im allgegenwärtigen Sterben und Hungern des Dreißigjährigen Krieges entstanden, sind seither Gemeingut geworden, fast, als singe noch alles: Lobet den Herren / alle, die ihn ehren. Fröhlich soll mein Herze springen. Nun ruhen alle Wälder. Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Warum sprechen diese vormodernen Gedichte vielen aus der Seele und in die Seele hinein? Ein Zeitgenosse Gerhardts hat es so ausgedrückt: »Ich sage es frei, kein vergebliches, kein unnützes Wort findet man in Gerhardts Liedern Da ist nichts gezwungenes, nichts geflicktes in Summa, alles ist herrlich und tröstlich.« Diese barocke Poetik, an die ein Matthias Claudius anknüpfen wird, gibt dem Menschen ein Maß, das heute in der weltweiten postindustriellen Wirrsal auf andere Weise einleuchtend klingt. Dieser Leinenband, zur Feier des Tages im festen und festlichen Schuber, umfasst sämtliche Lieder Paul Gerhardts mit ihren zahllosen Strophen, und für die bekanntesten fügt er auch die Melodien hinzu. Zum Mitsingen. Falls alles singt.

Paul Gerhardt: Geh aus, mein Herz

Sämtliche deutsche Lieder - illustr. v. Egbert Herfurth, hrsg. v.

Reinhard Mawick - Verlag Faber

& - Faber, Leipzig 2006 - 320 S., 35,- Euro