Wenn in der Stadt Leipzig seit der Wende 450 Denkmäler abgerissen wurden, dann sollte zumindest erwähnt werden, dass vor allem der jahrzehntelangen Vernachlässigung durch die Wohnungspolitik der DDR der ruinöse Zustand und mithin der Abbruch vieler Altbauten angelastet werden muss. Zwei Drittel der Altbauten waren 1990 stark sanierungsbedürftig, etwa 11000 Wohnungen schlichtweg unbewohnbar.

Heute ist Leipzig mit 15000 Denkmälern Deutschlands Denkmalhauptstadt, über 12000 Denkmäler wurden inzwischen hochwertig saniert, nur etwa 2500 Gebäude sind noch immer unsaniert und stehen leer. Angesichts dieser Relation erscheint der Abbruch von 450 Denkmälern wohl in einem etwas anderen Licht.

Allein die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft hat zwischen 1992 und 2005 über 1,4 Milliarden Euro in die Sanierung von 22000 Wohnungen investiert, mehr als die Hälfte davon steht unter Denkmalschutz.

Abgerissen wurden lediglich 79 denkmalgeschützte Gebäude. Zwar verschwindet mit jedem abgebrochenen Haus ein Teil des kulturellen Gedächtnisses einer Stadt, aber nicht jeder Abbruch ist ein Verlust, wenn er zur Aufwertung eines Quartiers führt.

Dr. Martin Klockzin, Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH