Mallorca ohne deutsche Urlauber? Australien ohne Rucksacktouristen?

Unvorstellbar. Fliegen, wohin und wann auch immer, gehört für viele zu den Annehmlichkeiten des modernen Lebens. Nur das persönliche Einkommen setzt der Freiheit Grenzen. Bisher.

Doch seit Neuestem gibt es eine weitere Hürde: das schlechte Gewissen.

Auch wenn er Sparlampen verwende und den Müll trenne, trage der fliegende Deutsche zur Erderwärmung bei, mahnen Umweltbewegte. » Der Flug nach Gran Canaria belastet die Atmosphäre mit 1700 Kilogramm CO2«, sagt Martin Cames, Flugexperte am Ökoinstitut Berlin. Das sei ebenso viel Klimagas, wie dem Auspuff eines Mittelklassewagens entfleucht, dessen Besitzer jährlich etwa 12000 Kilometer fährt.

Weltweit trägt der internationale Flugverkehr rund 3,5 Prozent zur Erderwärmung bei. Ohne politische Intervention dürften die CO2-Emissionen des grenzüberschreitenden Flugverkehrs Jahr für Jahr um drei bis vier Prozent ansteigen, prognostiziert der UN-Klimarat in seinem neuesten Report. Schneller wächst der Klimafrevel nirgends sonst.

Deutschland ist ganz vorn mit dabei. Das im Jahr 2005 hierzulande getankte Kerosin verursachte rund 25 Millionen Tonnen CO2 - für 2030 prognostizieren Wissenschaftler 53 Millionen Tonnen. Das wäre mehr, als die gesamte deutsche Dienstleistungsbranche emittiert und beinahe ein Drittel der für die EU erwarteten Emissionen von Flugzeugen.

Die Politik ist daran nicht unschuldig. Viele der boomenden Billigflieger steuern ehemalige Militärflughäfen an. In deren Umbau sind etliche Millionen Euro an öffentlichen Geldern geflossen. Jetzt steht der Flugverkehr in der Kritik. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee sinniert darüber, Fluggesellschaften mit besonders schmutzigen Maschinen per Zusatzabgabe zur Erneuerung ihrer Flotte zu motivieren. Und Umweltminister Sigmar Gabriel will die Flieger in den Handel mit Emissionszertifikaten aufnehmen. Das marktwirtschaftliche Instrument dürfte allerdings nur dann seine volle Wirkung entfalten, wenn es rund um den Globus praktiziert würde was die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) bisher ebenso ablehnt wie eine ebenfalls vorgeschlagene Kerosinsteuer auf internationale Flüge.