Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Torte! Turmhoch ragt sie auf im lichten Schiff der Großen Kathedrale von Berlin, die an diesem 1. März einhundert Jahre alt geworden ist. Wir zitieren aus dem Lobgesang von Regina Canto (Wilmersdorf): Das KaDeWe ist der größte, schönste, kreativste Tempel in Europa. Hier versammeln sich Tradition, Vielfalt, Fachkompetenz und Flair. Selbst wenn ich arm bin und kein Geld für Gucci habe, bringt mir das KaDeWe was durch die Internationalität.

Himmel und Menschen strömen zuhauf. Kehliges Russisch mischt sich mit chinesischem Geschnatter. Die Band gospelt Happy Birthday.

Abertausende drängen sich nach den Sakramenten. Am Portal schenken Maiden Freisekt aus. Drinnen wird es Tortenstückchen geben. Klaus Wowereit erscheint, Berlins sonst so asketischer Regent. Strahlend weiß, gewandet in Konditor-Linnen, schwebt er auf einem Kran ins fünfte Tortengeschoss. Er säbelt, kostet, grüßt von droben mit der Kuchengabel und ruft den schwer vergesslichen Satz: Wir hoffen, dass sie leichter schmeckt, als sie hart ist!

Jetzt gibts kein Halten mehr. Bruch! Ein Deko-Würfel stirbt, als Sitz missbraucht. Klirr! Ein Flakon zerscherbelt und würzt das Arom von Volk

& - Torte mit Rosenessenz. Wowereit erhebt sein Glas. Da, unfassbar, schreit Klaus von Duehren (Wilmersdorf): Das ist auch das Einzige, was der kann!

Herr von Duehren, Jahrgang 1939, war immer pro CDU, doch sein Lieblingsbürgermeister ist Ernst Reuter. Das KaDeWe? Ein Teil seines Herzens. Nach dem Kriege kam er erstmals her, mit Großmutter, als der Wiederaufbau begann. Lebensmittel-stände gab es und ein bisschen Garderobe. Später, klagt von Duehren, haben ja viele gerufen: Vergesst Berlin! Wir sagten dann immer: Kommt her, wir gehen ins KaDeWe, 6.

Etage, essen und trinken. Das überzeugte. Und als die Mauer fiel, da wars hier so voll, da konnten Sie die Beine anziehen und fielen nicht um.