Es ist absolut richtig, bei der Armuts-Frage Studenten nicht in eine Reihe zu stellen mit Langzeitarbeitslosen. Es stimmt, dass man als junger Mensch seine materiellen Ansprüche zurückschrauben kann, mit der Perspektive, später gut bezahlte Arbeit zu finden.

Ein Student, der auf kleinem Raum in einer Wohngemeinschaft lebt, der nicht raucht, sich nicht den Luxus eines Autos leistet und dazu durch die üblichen Studentenrabatten spart, kommt mit 600 Euro im Monat über die Runden. Die vorgerechneten 856 Euro sind für unsereinen also viel Geld. Allerdings gibt es Studierende, die selbst nach einer dementsprechend abgeschwächten Definition wirklich arm sind.

Der BAföG-Apparat, der dies theoretisch ausschließt, arbeitet aufgrund überzogener Forderungen nach Einzelfall-Gerechtigkeit leider träge und kaum nachvollziehbar. Sparsamkeit beim Wohnen wird bestraft, die Auszahlung der Unterstützung verzögert sich oft über viele Monate.

Wovon derweil leben, wenn die Eltern nicht zahlen können?

Stephan Vogt, Student in Karlsruhe

Glückwunsch zu diesem Artikel. Er gibt gleich auch wichtige Hinweise zur aktuellen Debatte über die Betreuungsplätze für Kleinstkinder.

Ich arbeite als Familienhelferin und sehe die erschöpften Einzelkämpferinnen und die Familien, die alle erdenklichen Ressourcen einsetzen. Besonders der Hochmut der Ämter, mit denen die Frauen zu unerreichbaren Terminen geladen werden, kann ich bestätigen. Sie müssen wohnen, wo es billig ist, dort gibt es aber meist eine schlechte Verkehrsinfrastruktur und oft auch eine schlechte Versorgung mit Plätzen für Kinderbetreuung. Diese Umstände verhindern, dass die armen Mütter solche Chancen nutzen, die reicheren Müttern zur Verfügung stehen das sind Büchereien, Krabbelgruppen, Sportgelegenheiten, Kurse und Seminare, Beratungsangebote, Treffen mit anderen jungen Müttern.