Frankfurt am Main

Einst pflegten die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nach ihrer Krönung im Frankfurter Dom feierlich zum Rathaus, dem Römer, zu schreiten. Damit sie sich auf ihrem Weg durch die verwinkelte Altstadt nicht die Schuhe beschmutzten, wurde für die Herrscher und ihr Gefolge ein hölzerner Steg gebaut. So gelangten sie sauberen Fußes vom Ort der sakralen zum Ort der weltlichen Macht.

Heute klafft vor dem Dom ein »archäologischer Garten« genanntes Loch mit Überresten des antiken und mittelalterlichen Frankfurts. Wo einst Fachwerkhäuser standen, erhebt sich rechter Hand das klobige Gebirge des Technischen Rathauses, Anfang der siebziger Jahre im Stil des Sichtbeton-Brutalismus gebaut und mittlerweile ziemlich vergammelt.

Linker Hand verstellt die Kunsthalle Schirn die alten Wegebeziehungen auf dem Römerberg. Die Rückseite der 1986 rekonstruierten Römerberg-»Ostzeile«, eines Ensembles von Fachwerkhäusern, ist auch nicht sonderlich ansprechend geraten. Tiefgarageneinfahrt und U-Bahn-Treppe gähnen den Betrachter an.

Vor dem Krieg war der Römerberg das Herz der berühmten Frankfurter Altstadt. Dass hier eine gründliche Stadtreparatur fällig ist, bestreitet in der Messestadt niemand. Doch wie dies geschehen soll, darüber liegen sich die Frankfurter seit Jahren in den Haaren (ZEIT Nr. 21/06). Der Verein »Pro Altstadt« will Frankfurts »gudd Stubb« quasi wie Phönix aus der Asche »komplett« wiederauferstehen lassen.

Namhafte Architekten plädieren für eine zeitgemäße Bebauung. Irgendwo dazwischen liegt ein 2005 in einem städtebaulichen Ideenwettbewerb mit dem ersten Preis gekrönter und mittlerweile vom Stadtplanungsamt mehrfach veränderter Masterplan des Architektenbüros KSP Engel und Zimmermann. Er greift den historischen Stadtgrundriss in Teilen wieder auf und sieht eine eher kleinteilige Bebauung vor. Lediglich vier prominente Fachwerkhäuser wie das Rote Haus oder die Goldene Waage sollen vollständig rekonstruiert werden.

Klar ist bislang allerdings nur eins: Das Technische Rathaus soll weg.