DIEZEIT: Herr Zayer, wie gefährlich ist die Arbeit von Journalisten im Irak?

Ismael Zayer: Kein Journalist kann sicher sein, dass er heil und gesund von seiner Arbeit nach Hause kommt. Ich bin selbst mehrfach überfallen worden, 2004 kamen bei einem Entführungsversuch in Bagdad mein Fahrer und meine Wachen ums Leben. Mein Gesicht ist bekannt, auch aus den Fernsehen, und so höre ich von immer neuen Plänen, mich zu kidnappen. Bagdad ist aufgeteilt unter fünf oder sechs Milizen, und sie alle haben zahlreiche Checkpoints eingerichtet. Wenn sie einen anhalten und feststellen, dass da ein missliebiger Journalist im Auto sitzt, schlagen sie ihn zusammen oder nehmen ihn gleich mit. Deshalb haben die meisten Journalisten zwei Pässe: einen, der sie als Schiiten ausweist, und einen, der sie als Sunniten kennzeichnet. Je nachdem, wer sie gerade anhält, zeigen sie den einen oder anderen Ausweis.

Vor ein paar Wochen gab es einen Angriff mit vier Mannschaftswagen auf unser Redaktionsgebäude. Die Angreifer gaben sich als Polizisten aus, doch einige von ihnen gehörten zur Mafia. Die Korruption innerhalb der Polizei ist so hoch, dass man nie weiß, wer Polizist ist und wer zur Mafia gehört. Unsere Wachen haben diesen Angriff Gott sei Dank zurückgeschlagen, mit Hilfe der Anwohner in unserer Straße, und wir haben alle gefasst und dem Innenministerium überstellt.

ZEIT: Ist Journalismus überhaupt noch möglich?

Zayer: Es ist sehr, sehr schwierig. Eine ganze Reihe von Kollegen hat aufgegeben, auch wenn andererseits gerade junge Iraker in unseren Beruf nachdrängen. Achtzehn meiner Mitarbeiter bei al-Sabah al-Jadeed haben gekündigt und das Land verlassen, darunter mein eigener Stellvertreter, unser Computerexperte sowie mehrere Ressortchefs.

Manchmal wissen wir selbst nicht, wie es weitergehen soll. Manchmal ist es unmöglich, zu Pressekonferenzen vorzudringen, wenn sie in der Grünen Zone stattfinden. Zum anderen wagen viele Journalisten gar nicht mehr, über bestimmte Probleme zu schreiben, um sich nicht selbst zu gefährden. Dazu kommen technische Probleme: Wir arbeiten im Irak mit alten Maschinen, wir sind noch gar nicht im digitalen Zeitalter angekommen. Das Hauptproblem aber ist die Information. Minister geben fast nie Interviews, und wenn doch, dann zwei Wochen zu spät, wenn das Thema nicht mehr heiß ist. Stattdessen haben sie eigene Zeitungen gegründet und geben nur noch ihrer Parteiklientel Interviews. Stellen Sie sich vor, in Deutschland würde ein SPD-Minister nur noch mit der Gewerkschaftszeitung sprechen. Im Irak gelangen kleine Parteizeitungen an wichtige Informationen, während große Blätter leer ausgehen.

ZEIT: Und die Amerikaner? Helfen die Ihnen? Sie müssten ihnen dankbar sein, denn sie haben Ihnen Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt