Ausgerechnet Hessen. In diesem Land der Fußfesseln und rauen politischen Töne hätte man am wenigsten eine bahnbrechende Reform der Jugendgefängnisse erwartet. Jetzt aber wagt Roland Kochs Regierung den großen Sprung.

Tief war die Sorge, die Länder würden, sobald ihnen der Bund das Strafvollzugsgesetz in die Hand gebe, einen Wettbewerb der Schäbigkeiten eröffnen, lieber »wegsperren statt resozialisieren«.

Ruft man in Erinnerung, was so mancher Landesjustizminister vollmundig zum Besten gab, war diese Angst durchaus berechtigt. Doch soll jetzt noch einer behaupten, die von der Großen Koalition beschlossene Kleinstaaterei im Strafvollzug führe schnurstracks zurück ins Mittelalter ins feuchte Verließ bei Wasser und trocken Brot.

Hessen jedenfalls führt vor, wie es anders und besser laufen kann. Um 90 zusätzliche Stellen für Sozialarbeiter und Therapeuten zu schaffen, will das Land 20 Prozent mehr Geld ausgeben. Jugendliche Gefangene sollen in kleinen Gruppen untergebracht werden und nachts alleine schlafen. Drei von vier Arbeitsplätzen in der Haft werden der Ausbildung dienen. Gleichzeitig will man der hohen Rückfallquoten wegen strenge Sitten einführen und, das ist der Wermutstropfen, Hafterleichterungen nur ganz ausnahmsweise genehmigen sowie den geschlossenen Vollzug zur Regel machen. Obwohl die Erfahrung seit Langem lehrt, dass man sich auf ein straffreies Leben am besten im offenen Vollzug vorbereitet. Ade, du gute, alte Einsicht.

Dennoch, die Reform enthält mehr Licht als Schatten. Und Grüne und Sozis reiben sich verwundert die Augen: Wieder einmal hat ihnen eine unionsgeführte Regierung ein liberales Thema geklaut.