Eine Jagdallianz mit Gleichgesinnten zu schmieden ist eine gute Strategie. Im Tierreich kriegen Löwen, Wüstenbussarde, Schimpansen oder Tümmler mehr zu futtern, wenn sie sich zum Beutefang zusammentun.

Die einen hetzen, die anderen passen ab und töten.

Eine besondere Form einer Jagdallianz hat der Zoologe Redouan Bsahry mit Kollegen von der Schweizer Universität Neuenburg entdeckt, und zwar bei Korallenriffbewohnern im Roten Meer. Dort macht der Rotmeer-Leopard-Zackenbarsch (Plectropomus pessuliferus) nicht mit seinesgleichen gemeinsame Sache. Er sucht sich dazu einen Vertreter einer anderen Art: die Riesenmuräne (Gymnothorax javanicus).

Normalerweise jagen Zackenbarsche tagsüber im offenen Meer rund um das Riff, Muränen eher nachts in Rissen und Spalten. Das hat für beide Fische Nachteile: Jagt ein Zackenbarsch allein, kann ihm die potenzielle Beute entkommen, indem diese schnell ins Riff hineinschwimmt - umgekehrt sind Beutefische vor Muränen sicher, wenn sie ins offene Meer hinaus fliehen.

Tun die Räuber sich allerdings zusammen, gibt es für die Opfer kein Entwischen mehr. Draußen lauert der Zackenbarsch, im Riff die Muräne.

Irgendwann haben die beiden »gemerkt«, dass eine gemeinsame Jagd für beide Seiten den größeren Erfolg bringt: In Kooperation mit der Muräne macht der Zackenbarsch etwa fünfmal so viel Beute, wie wenn er allein jagt. Ähnlich stark profitiert auch die Muräne.

Die Initiative für die gemeinsame Jagd geht immer vom Zackenbarsch aus. Ist er hungrig, schaut er am Schlafplatz der Muräne vorbei, stellt sich auf den Kopf und schüttelt diesen. » Komm mit, wir gehen auf die Jagd«, will er damit sagen. Knurrt auch der Muräne der Magen, unterbricht sie den Tagesschlaf und schließt sich dem Zackenbarsch an.