Ich führe ein privilegiertes Leben. Ich wuchs als glückliches Kind in einer etablierten Familie auf, die mir eine ausgezeichnete Universitätsausbildung ermöglichte, und hatte die Chance, zweimal zu leben. Mit nicht mal zwanzig Jahren war ich so gut wie tot. Mein zweites Leben begann in der Nacht des 22. September 1963.

Bei einem Autounfall wurde mein zentrales Nervensystem stark geschädigt, und ich wurde durch eine Rückenmarkquetschung halbseitig gelähmt. Die Operation dauerte zwölf Stunden. Als ich aus dem Koma erwachte, standen mein Vater und meine Mutter in Tränen aufgelöst vor meinem Bett. Mein Leben stand auf Messers Schneide, es hieß, ich würde nie wieder gehen können. Über Monate sah ich meine Existenz nur durch die Augen jener gespiegelt, die mich im Krankenhaus besuchten. Ich entwickelte eine fast parapsychologische Sensibilität, mich in die Gedanken und die Befindlichkeit anderer Menschen einzufühlen. Diese verblüffte meine Mutter, meinen Vater und alle, die mir nahestanden.

Und ich hatte Albträume, die für ein ganzes Leben reichen dürften.

Bis dahin war ich ein kleines Licht in einem großartigen Fußballteam, kein Superstar, aber eine lokale Größe im Tor der Jugendmannschaft von Real Madrid gute Kondition, passable Technik. Ich stand an der Schwelle zum Berufsspieler, als der Unfall alle nur denkbaren Zukunftsaussichten von einer auf die nächste Sekunde zunichtemachte.

Keine Bewegung war mehr selbstverständlich. Jeden noch so kleinen Schritt meiner Beine, jeden Zentimeter, um mit meinem Arm ein Glas zu greifen, musste mein Verstand gezielt organisieren. Stück für Stück lernte ich, meine Gedanken stärker zu kontrollieren als meinen Körper.

Ich begann mich durch und durch zu disziplinieren ab sofort nicht mehr durch meinen Instinkt, sondern ausschließlich über meinen Verstand zu leben. Ich erzwang den Traum meiner Genesung kraft meines Willens.

Mein Vater gab seinen Beruf als Chefarzt für ein Jahr auf, um ganz für mich da zu sein. In seinem Haus gab es einen langen Korridor, der die Zimmer miteinander verband. Am ersten Tag brachte mir mein Vater einen Rollstuhl mit, damit ich mich im Erdgeschoss so frei wie möglich bewegen könnte. » Papa, pack ihn weg!«, rief ich entgeistert. Ich sollte ihn nie anrühren. Nachts, wenn mich meine Eltern nicht sahen, kroch ich auf allen vieren von meinem Zimmer zur Küche.