Spätestens seit Roland Barthes bestehen Zweifel an dem Konzept reiner schöpferischer Originalität. Sowohl Schriftsteller als auch Übersetzer ringen mit den Konventionalitäten der Sprache und des Genres, und wenn ihr jeweiliges Ringen auch nicht von identischer Natur sein mag, so ist dies noch lange kein Grund, den Übersetzern ihre Kreativität so grundsätzlich und barsch abzusprechen.

Die derzeitige Forderung nach einem höheren Entgelt für übersetzerische Arbeit erklärt sich aus einem Verlangen nach einer Professionalisierung des Metiers. Es darf nicht länger sein, dass Übersetzung ein Nebenjob der Mittelklassen bleibt, eine gentlemans occupation, die sich brav in die entgeltlose Praktikantenwirtschaft des Verlagswesen einreiht, das so von vornherein jegliche Teilnahme aller ökonomisch unterprivilegierten Schichten verweigert.

Ob Schriftsteller ebenfalls unterbezahlt sind, ist in diesem Kontext belanglos. Wenn es so ist, sollte man vielleicht auch in diesen Kreisen darüber nachdenken, ob das »freie« Verhandlungsrecht, das der Künstler als »Risiko freier Kreativität« so gern zu akzeptieren scheint, nicht auch einmal hinterfragt werden dürfte.

Chantal Wright University of Wales Aberystwyth