Die größte Zier für einen deutschen Star ist seine Bescheidenheit. Herbert Grönemeyer sagte kürzlich in einem Interview, er werde beim Bäcker im Ruhrgebiet behandelt wie ein vertrauter Kumpel. » Das ist unser Herbert«, sagten die Leute. Grönemeyer scheint dies zu gefallen, »als calvinistischer Protestant«, als der er erzogen ward, habe man »bescheiden zu sein«.

Bescheidenheit ist ein Zeichen der Volksnähe, der Bodenhaftung und Besonnenheit. Die exaltierte Selbstfeier bleibt dem Ausland, bleibt Madonna oder Prince vorbehalten. Nun aber hat Florian Henckel von Donnersmarck einen Oscar erhalten. Die landestypische Demut liegt dem in den USA aufgewachsenen Regisseur, nun ja, eher fern. Diese Siegerposen! Ungeheure Sätze: Über die Oscar-Statue (»die symbolisiert Manneskraft«), über seine adlige Herkunft (»Meine Familie wirkt in Deutschland seit dem 14. Jahrhundert«), zur Bedeutung seines Erfolgs für das emotionale Gemeinwohl (»Wir sind Weltmeister!«). Das ist alles etwas irritierend. Ein Kritiker schrieb, nachdem Donnersmarck bei Wetten, dass? gewohnt selbstherrlich auftrat, er verhalte sich wie ein »Kirmes-Preisboxer«. Dabei wirkt doch entrückte Freude glaubwürdiger als Bescheidenheit, die gerne aus Angst vor Neid inszeniert wird. Donnersmarck lässt sich feiern wie ein narzisstisches Kind. Gut so. Denn er hat doch den Oscar bekommen, DEN OSCAR!!!