Angela Merkels klimapolitischen Ambitionen liegt ein ungeschriebenes Drehbuch zugrunde. Es lässt die Kanzlerin in Brüssel und in Heiligendamm an der Ostsee auftreten und eine ferne Insel zum Schauplatz des Finales werden: Bali. Dort versammeln sich in der ersten Dezemberhälfte die Umweltminister von rund 190 Nationen, um über die Zukunft der globalen Klimapolitik zu verhandeln. Merkels Ziel als amtierende EU- und G8-Präsidentin ist es, das Treffen in Indonesien zu einem Erfolg zu machen.

Das setzt voraus, dass sie die Blockade auflöst, welche die Klimapolitik lähmt. Ausgerechnet die beiden größten CO2-Emittenten, die USA und China, verweigern sich bisher verbindlichen Verpflichtungen zur Begrenzung ihrer Emissionen und zwar mit Hinweis auf die fehlende Bereitschaft des jeweils anderen. Zwar haben sich im Kyoto-Protokoll rund drei Dutzend Industrieländer bereit erklärt, ihre Emissionen zu begrenzen. Sie repräsentieren aber nur ein Drittel des globalen Treibhausgasausstoßes - zu allem Übel verliert das Kyoto-Protokoll Ende 2012 seine Gültigkeit.

Eine wirksame Anschlussregelung müsste sowohl die USA als auch große Schwellenländer einbeziehen. Genau das will Merkel erreichen, indem sie zunächst der Glaubwürdigkeit wegen beim Gipfel in Brüssel die Europäer auf einen anspruchsvollen Klimaschutzplan festlegt. Schwierig genug. Noch schwieriger wird es in Heiligendamm. Dort treffen sich Anfang Juni unter Merkels Vorsitz nicht nur die Staats- und Regierungschefs der acht großen Industrienationen - ihre Kollegen aus China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko sind mit dabei.

Gemeinsam verursachen diese 13 Länder rund 70 Prozent aller CO2-Emissionen. Sie darauf einzuschwören, dass die Erde sich um maximal zwei Grad erwärmen soll, wäre für Merkel ein Riesenerfolg. Und ein Auftrag an die im Dezember tagenden Umweltminister. Auf Bali wird sich zeigen, wie gut Merkel als Klimaschützerin war.