Die Welt wächst wirtschaftlich zusammen. Aber haben wir auch alle die gleichen Probleme? Heute: Liu Liyun, Mitte 30, Künstlerin und Dozentin, Peking

DIE ZEIT: In Deutschland streitet man sich über den Sinn von Kinderkrippen. Manche sagen, arbeitende Mütter seien Rabenmütter. Wie ist das in China?

Liu Liyun: Ob Mütter arbeiten gehen oder nicht, ist ihre Privatangelegenheit.

ZEIT: Wer kümmert sich um Ihr Kind?

Liu: Mein vierjähriger Sohn ist seit anderthalb Jahren im Ganztageskindergarten.

ZEIT: Haben Sie ein schlechtes Gewissen?

Liu: Nein, überhaupt nicht. Es ist üblich, dass Mütter in China arbeiten gehen. Viele geben ihr Kind nach dem sechsmonatigen Mutterschaftsurlaub in Krippen oder zu den Großeltern. Falls man Familie auf dem Dorf hat, bleiben die Kinder meist dort, bis sie in die Schule gehen.