Löbau

Martina Kopsch lebt seit März 2006 in einer 73-Quadratmeter-Wohnung.

Zuvor wohnte sie auf 83 Quadratmetern. Das wäre an sich nichts Ungewöhnliches. Nur: Frau Kopsch ist nicht umgezogen. Sie wohnt noch immer in ihrer Wohnung in der fünften Etage eines Plattenbaus in Löbau-Ost bloß hat die nun drei Zimmer statt vier.

Löbau liegt in Sachsen, nahe den Grenzen zu Polen und Tschechien, 18000 Einwohner, 20 Prozent Arbeitslosigkeit. Martina Kopsch, 40, bezieht Hartz IV. Ihr Ältester macht eine Ausbildung in Düsseldorf.

Laut Gesetz haben sie und ihre beiden jüngeren Söhne Anrecht auf maximal 75 Quadratmeter Wohnraum.

Frau Kopsch wollte nicht umziehen. Darum nahm sie dankbar das Angebot der Löbauer Wohnungsverwaltung an, in Zukunft doch einfach auf eines ihrer Zimmer zu verzichten. » Na gut, ich bin alleinerziehend, dann schlaf ich eben im Wohnzimmer«, sagte sie sich. In ihr früheres Schlafzimmer zog ein Sohn. Dessen Zimmer räumte sie leer und drehte die Heizung ab. Dann wurde der Raum abgeschlossen. Ihren Kleiderschrank und das Doppelbett musste Martina Kopsch wegwerfen.

Regelmäßig kontrolliert die Wohnungsverwaltung, ob sie ihr ehemaliges Zimmer nicht doch heimlich nutzt. » Es geht irgendwie alles«, sagt Frau Kopsch, »aber schön ist es nicht.«