Man kann natürlich auch schlafen. Nach einem anstrengenden Besichtigungstag mit einem Schlummertrunk aus der Minibar ins teuer bezahlte Hotelbett sinken und Kraft schöpfen für den nächsten Besichtigungstag. Bloß versäumt man so das Beste.

Unser Reise-Spezial bringt ein wenig Licht in die Nacht. Da sind zum Beispiel die Laser der Clubs von Istanbul, wo Karin Ceballos Betancur bis in die Früh tanzte. Oder der Scheinwerfer, mit dem Marc Bielefeld zu den Korallenriffen der Malediven hinabtauchte. Er sah die Fische in den schillerndsten Farben, und ein Stechrochen kam ihm zum Stechen nah. Dem ersten Strahl des Morgenlichts folgte Christof Siemes nach Irland. Im Hügelgrab von Newgrange zeigt es sich so spektakulär und vor allem so selten, dass die Zuschauerplätze per Lotterie vergeben werden. Auf gut Glück reiste auch Bjrn-Erik Sass. Er suchte die Disko auf der Disko-Insel, einer Fischerkolonie am Ende der Welt. Und obwohl er keine Spur von ihr fand, wurde es doch eine lange, schöne Polarnacht.

Evelyn Fingers Reise führte zu den schaurigen Seiten der Finsternis.

Im Frankenwald irrlichterte vor zwei Jahrhunderten ein einsames Männlein mit einer Laterne. Es war der Dichter Jean Paul, der seiner Obsession für das Düstere wunderbare Nachtstücke abrang. Dass Nacht keine Zeit ist, sondern ein Zustand, erlebte auch Stefanie Flamm, als sich während ihrer Zugfahrt ins tiefe Russland die feine Reisegesellschaft in eine rollende Pyjama-Party verwandelte. Und Wolf Alexander Hanisch sah, wie sich die Bergleute im polnischen Wieliczka gegen den Schrecken der ewigen Dunkelheit wehrten: Sie schufen tief unter der Erde Kapellen aus Salz.

Zuletzt wollen wir auch die Menschen würdigen, die arbeiten, damit wir friedlich schlafen. Tomas Niederberghaus erprobte im Selbstversuch, was ein Portier in der Spätschicht erlebt. Und Ulrich Stock fand heraus, woher die Schlafbrillen kommen.

Was ist nun das Besondere am Reisen in die Nacht? Man sieht nicht, was auf einen zukommt. Das Vertraute wird fremd. Über das Fremde wiederum rollte sich die schwarze Leinwand, auf der wir etwas Vertrautes sehen: unsere eigenen Gespenster. Diese Unheimlichkeit ist, was Reisen aufregend macht. In der Nacht sind wir alle Touristen.