Klimakatastrophe Die Gefühle der Schöpfung
Die Klimakatastrophe konfrontiert uns mit einer lange verdrängten Frage: Was ist Leben – und welche Rolle spielt der Mensch mit seiner Freiheit darin?
Wenn Menschen heute von »Natur« sprechen, meinen sie meist die »Natur da draußen«: die Biosphäre, die wir gleich einem heruntergekommenen Haus bewohnen. Die Vögel dort auf dem Ast, deren Form und Verhalten den Gesetzen evolutionärer Optimierung folgen. Den rebellischen Magen, der nicht so recht will – weshalb ich ihn mit Tabletten repariere. Natur ist gemeinhin etwas, das mit unserem wahren Selbst wenig zu tun hat – so wenig, dass viele sie gleich als Erfindung abtun. Was wir Natur nennen, meinen viele Philosophen, reflektiere bloß die Sehnsucht nach einem heilen Anderswo.
Es sieht so aus, als wäre solche Verachtung in eine Selffulfilling Prophecy umgeschlagen. Natur gibt es wirklich immer weniger. Die Dramatik des Klimawandels aber macht mit der Legende vom Geistesprodukt Natur auf unvorhergesehene Weise Schluss. Plötzlich scheint alles Natur. Der Mensch steckt so tief drin, dass ihre Krise sein Ende bedeuten kann. Sie erinnert uns daran, dass wir aus Fleisch und Blut sind, nicht draußen, sondern drinnen, ein Teil der Bio-Geosphäre, deren Produkte uns nähren, tränken und bergen. Die »Klimakatastrophe« konfrontiert uns mit der lange verdrängten Frage: Was ist Leben, und welche Rolle spielen wir darin?
Die Zeit ist reif für eine Antwort. Nicht bloß, weil der schwitzende Planet uns zeigt, dass es keinen way out gibt. Sondern weil noch ein anderer Wissenszweig entdeckt, wie wenig die Natur »außen« ist und der Mensch »innen«. Keine geringere als die Leitwissenschaft Biologie erkennt, dass wir unsere Freiheit, unsere Subjektivität, unseren Geist nicht als Differenz zum nichtmenschlichen Leben erklären dürfen, sondern im Gegenteil als dessen Kontinuum erkennen müssen.
Lange haben gerade Biologen daran gewirkt, uns von der Natur zu trennen. Leben hieß Gene, und Gene, so die Doktrin, steuerten einen Organismus wie die Blaupause die Herstellung eines Automaten. Doch in der Tiefe der Lebewesen ist diese Biologie buchstäblich »auf Grund gelaufen«. Die teuren Genomprojekte, an den Börsen längst gefloppt, haben wenig mehr gebracht als einen Wust an DNA-Sequenzen – kein Heilmittel gegen Krankheiten. Statt die Gebrauchsanweisung der Maschine Mensch zu liefern, stehen Forscher heute einer ganz neuen Schicht ihrer Komplexität gegenüber – jenem Zusammenspiel der Billionen Moleküle schon einer einzigen Zelle, das aus den Genen erst einen Körper erschafft. Hier wird jeder Determinismus sprachlos.
Genetiker stellen fest, dass es ihnen nicht weiterhilft, Leben auf Ursache-Wirkung-Ketten zu reduzieren. Organismen gehorchen keiner Blaupause, sondern sie orchestrieren sie. Bereits embryonale Gewebe deuten Signale, statt ihnen sklavisch zu gehorchen. Biochemische Schaltkreise erweisen sich als zyklisch, selbsterhaltend, ja sogar mit eigensinniger Autonomie begabt. Einmal angerührt, entwickelt die zelluläre Ursuppe ein Interesse zu überleben – und eine Empfindung dafür, was ihr gut tut und was nicht.
Forscher begreifen Zellen inzwischen weniger als kleine Uhrwerke, sondern vielmehr als Individuen, die nur einer Räson folgen: ihrem Lebenswunsch. Der Amerikaner Stuart Kauffman, einer der Pioniere biologischer Komplexität, beschreibt Zellen als »autonome Akteure«: Subjekte aus Molekülen. Der Hirnforscher David Rudrauf, Mitarbeiter von Antonio Damasio, konstatiert: »Wie Lebewesen Werte und Bedeutung herstellen, ist das zentrale Thema der Biologie.«
- Datum 09.03.2007 - 03:20 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.03.2007 Nr. 11
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Es gab mal so eine schöne Textzeile vor vielen vielen Jahren: Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen, dann wird man feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Alle Industriebosse, die auf die Umwelt pfeifen, sollen an ihrem Geld ersticken, aber auch die, die weiterhin meinen, dass alles nicht so schlimm sei, sollten doch auch mal Nachrichten gucken und nicht nur die 'Sendung für den Doofen' auf den privaten Sendern...
Das Gleichgewicht zwischen Brahma (Schöpfer), Vishnu (Erhalter) und Shiva (Auflöser) ist das Geheimnis des Hinduismus.
Das Gleichgewicht zwischen Vata (Bewegung), Pitta (Hitze / Stoffwechsel) und Kapha (Struktur) ist das Grundprinzip des Ayurveda.
Wir leben in einem Bewusstseinsuniversum und selbstinteragierendes Bewusstsein ('Purusha') durchdringt alles - von den Molekülen über die Zellen zu den Organismen und den Gesellschaften.
Deshalb gehört das 3. Jahrtausend den Indern......
Dass der Mensch zwar eine gewisse Macht hat - aber auch eine Verpflichtung aufgrund von dieser: für die Schöpfung. Und letztlich somit auch für sich selbst und seine Nachkommen.
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