Manchmal gibt es Dinge, die sehr selten auftreten und dadurch zu großem Interesse führen. Eine Mondfinsternis zum Beispiel, bei der wir uns quasi zwischen die Himmelskörper drängen und den Trabanten in den Schatten stellen. Andere Trabanten leiden unter dem Desinteresse, das ihre seltenen Versuche begleitet, aus dem Schatten herauszutreten. So meldete sich die dezenteste der fünf Parlamentsparteien – die Grünen- wieder einmal zu Wort und »überraschte« mit einer Hybridfahrt nach Graz. Thema des Medienkleinereignisses war der hybride Motor des Autos, nicht die hybride Charakteristik grüner Politik. Die wurde bekanntlich nicht, wie erhofft, zum Zünglein an der innenpolitischen Waage. Nach dem diffusen grünen Wahlkampf, der einzig Avancen zu Schwarz, zu Rot und zu einer Regierungsbeteiligung um jeden Preis erkennen ließ, lichteten sich die Nebel nach der Wahl kaum. Lediglich das reflektorische »Nicht mit der FPÖ!« konnte als Standpunkt ausgemacht werden, doch war auch das keine Novität. Gerne würde man grüne Alternativen zur Bildungs- oder Sozialpolitik ausmachen können oder Vorschläge zur Migration, die ihren Meldezettel nicht im Land der Träume haben. Aufgeschlossen wäre man grünem Personal gegenüber, das seine Medienpräsenz nicht auf die Seitenblicke beschränkt, aber vielleicht ist das auch schon wieder träumerisch. So bleibt die Hoffnung auf die Kraft des Mondes. Vielleicht kann er nicht nur die Gezeiten, sondern auch die Grünen in Bewegung bringen.

Von Alfred Dorfer erschien 2007 das Buch »Wörtlich« (288 S., 19,50 €), eine Sammlung satirischer Texte, im Karl Blessing Verlag

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben »

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