Russland Kein Schock für die SputniksSeite 3/3

Bedroht fühlen vom amerikanischen Missile-Defense-System könnte sich eher China. Denn Peking verfügt, sagt SWP-Experte Lange, bislang nur über vergleichsweise reaktionsträge Langstreckenraketen. Dass die chinesische Armee unlängst ihre Fähigkeit demonstrierte, einen Satelliten aus dem Orbit zu schießen, könnte indes ein Wink der robusten Art gewesen sein. Schließlich planen die USA, Teile der Missile Defense für den Pazifik-Raum auch in Japan zu errichten. »War der Abschuss vielleicht eine Einladung an Washington, generell mit Peking über Weltraumrüstung zu verhandeln?«, fragt Lange.

Vorerst haben sich eine Reihe europäischer Staatschefs vorgenommen, die verhagelte Stimmung zwischen Amerika und Russland aufzuheitern. Putins Großmachtkränkung müsse ernst genommen werden, wenn auch nur psychologisch, lässt unter anderem der Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer durchblicken. Das Thema BMD, schlägt er vor, solle »natoisiert« werden. Möglicherweise liegt der Schlüssel zu Brüsseler Friedensgesprächen in London. Denn als Alternativstandort für die US-Abfangraketen kommt Großbritannien infrage.

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Vergangene Woche enthüllte das Nachrichtenmagazin The Economist, Premierminister Tony Blair führe bereits seit letztem Herbst vertrauliche Gespräche mit der US-Regierung, um die Abfangraketen-Basis auf die Insel zu bekommen. Er verspreche sich damit, so das Blatt, mehr Sicherheit für sein Land. Kein ganz dummer Gedanke vielleicht. Zwar werden die USA nicht müde zu betonen, von BMD sollten alle »Alliierten und Freunde« profitieren. Aber eine Handvoll Raketen wären im Ernstfall sehr schnell verschossen. Glücklich dann das Land, das selbst »systemwichtig« ist.

Schon machen Visionen die Runde, wie doch noch alle Seiten vom Washingtoner Hightechwunderwerk profitieren könnten. Amerika, indem es künftig unnötigen Zores mit Moskau verhindern lernt. Die Nato, indem sie in die US-Abwehr einsteigt, statt, wie derzeit diskutiert, ein eigenes milliardenschweres Programm aufzulegen. Russland, dem man anbieten könne, irgendwann ebenfalls unter den Schutz des Raketenschildes zu schlüpfen. Möglicherweise könnte Wladimir Putin das schon bald für eine gute Idee halten. Erst vor wenigen Tagen testete Iran eine Rakete, die zunächst als weltraumfähig eingestuft wurde – was die Fähigkeit Teherans beweisen würde, Interkontinentalraketen zu bauen. Die Neuentwicklung entpuppte sich zwar als Geschoss mit begrenzter Reichweite. Doch es muss nicht lange dauern, bis die Welt einen neuen, einen iranischen »Sputnik-Schock« erlebt. Der dürfte dann auch – diesmal sehr zu Recht – in Moskau Abwehrreflexe auslösen.

BILD

- Jochen Bittner bloggt über Terrorismus und Geheimdienste. »

 
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