Raymond Finney hätte da mal eine Frage. » Wurde das Universum von einem höheren Wesen erschaffen?«, würde der republikanische Senator im US-Bundesstaat Tennessee gerne wissen. Und weil er scheinbar nicht selbst drauf kommt, hat er eine parlamentarische Anfrage eingebracht.

Sein Entwurf zum Senatsbeschluss Nr. 17 verlangt die Antwort »in Form eines Berichts«, unter Berücksichtigung der »neuesten Erkenntnisse der Physik, Astronomie, Molekularbiologie, DNA-Forschung, Physiologie, Paläontologie, Mathematik und Statistik« und spätestens bis zum 15.

Januar 2008. Das Jahr 2007 verspricht also studienreich zu werden für die Adressatin der Anfrage: Lana Seivers, die Bildungskommissarin von Tennessee.

Jeder wissbegierige Staatsbürger wird begrüßen, wenn die Regierenden sich den wirklich tiefen Fragen zuwenden. Und nichts spricht dagegen, dass sie dabei alle verfügbaren administrativen Werkzeuge nutzen. Wann setzt der deutsche Bundestag einen Untersuchungsausschuss zum Sinn des Lebens ein? Wo bleibt die Enquetekommission zum Fußball-WM-Sieg 2010?

Es wird dauern, die Wissbegier der Politiker aus dem Kleinklein des politischen Alltagsgeschäfts zu befreien. Denn auch Senator Finney hat natürlich seine Hintergedanken, wenn er einen offiziellen Schöpfungsbericht anfordert. » Warum wird der Kreationismus nicht an den staatlichen Schulen von Tennessee gelehrt?«, lautet der zweite Teil seiner Anfrage. Die Nachforschungen der Kommissarin will Finney ohnehin nicht abwarten. Er sei schon jetzt überzeugt, dass das Universum von einem höheren Wesen geschaffen sei, »weil niemand einen Beweis für Darwins Evolutionstheorie geliefert hat«. Wissenschaftliche Aufklärung hat Finney offenbar dringender nötig, als er selbst ahnt.