Ein Österreicher in Ägypten: Nach einer achtwöchigen Ausbildung am Bodensee lebt Franz Brausam, 42, seit drei Jahren als Tauchlehrer in Hurghada

Spontanität Ich war Automechaniker, Gebirgsjäger, Buchbindereihelfer und Kameraassistent. Sechs Monate habe ich mit einer Entwicklungshilfebrigade in Nicaragua verbracht, und später war ich noch ein Jahr lang als UN-Soldat auf den Golanhöhen in Syrien. Aber fast 20 Jahre meines Lebens bin ich als Videocutter und Webdesigner hinter Bildschirmen gesessen. Der tödliche Motorradunfall eines Freundes hat mich daran erinnert, dass man seine Träume nicht für später aufheben darf. Also habe ich meine Lebensgefährtin gefragt, ob sie mit mir nach Ägypten kommt. Am Bodensee konnte ich innerhalb von acht Wochen meine Ausbildung zum divemaster und zum Tauchlehrer absolvieren. Und noch mal acht Wochen später saßen wir im Flugzeug Richtung Ägypten.

Willkür und Korruption Das Land ist absolut kein Traumziel. Nie zuvor hatte ich mit Menschen solche Schwierigkeiten. Hinter einer sehr dünnen Fassade geschäftstüchtiger Freundlichkeit schlummert ein politisch-religiöses Konfliktpotenzial mit bedrohlichen Ausmaßen.

Nicht nur Touristen, auch wir hier lebenden Ausländer werden immer öfter aggressiv angemacht. Dazu die ständig präsente Polizei und das Militär. Beamtenwillkür und Korruption sind die Regel, nicht die Ausnahme. Man hat nie das Gefühl, in einem demokratischen Staat zu leben. Für Taucher allerdings ist Hurghada fantastisch. Ich genieße es ungemein, täglich auf dem und im Roten Meer zu sein. Morgens um acht gehen wir mit unseren Gästen aufs Boot. Wenn wir dann um 16 Uhr zur Tauchbasis zurückkehren, haben wir den Tag in einer faszinierenden Welt verbracht. Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass es mir eigentlich wahnsinnig gut geht. Ich werde dafür bezahlt, das zu tun, was ich am liebsten tue. Schon dreimal hatte ich hier das Glück, einen Walhai zu sehen. Bis zu zwölf Meter lang, ist das der größte Fisch der Meere. So ein Erlebnis bleibt einem wohl ein Leben lang im Kopf haften.

Meerespolitik Politisch kümmere ich mich heute nur mehr um das, was mir am nächsten ist: das Meer. Ich versuche, in meinem Umfeld und mit meinen Möglichkeiten zu informieren und aufzurütteln, wenn Wale getötet oder Haie und Delfine zu Tausenden abgeschlachtet werden.

Ansonsten aber bin ich desillusioniert, was meine einstigen Ideale betrifft. Gerade in diesen Tagen haben wir uns nun auch entschieden, Ägypten den Rücken zu kehren. Mitte des Jahres werden meine Freundin und ich eine Tauchbasis in der Dominikanischen Republik übernehmen.

Aufgezeichnet von Ernst Schmiederer