Da haben die deutschen Banken erklärtermaßen den Privatkunden wiederentdeckt und kommen doch nicht los vom Verdacht, sie wollten ihn am liebsten übers Ohr hauen. Was eine EU-Richtlinie schon vorsieht, hat der Bundesgerichtshof jetzt noch dringlicher gemacht: Die Banken müssen ehrlicher werden. Künftig sollen sie jedem Kunden offenlegen, wie viel Geld sie bekommen, wenn er einen bestimmten Fonds bei ihnen kauft. Oft erhalten die Banken von den Fondsgesellschaften einen Teil der sogenannten Ausgabeaufschläge wie auch der Verwaltungsgebühren zurück.

Das Problem ist heute nicht, dass die Banken auf breiter Front solche Gegengeschäfte vereinbaren. Das Problem ist, dass die Kunden von alldem nichts erfahren. Früher riet der Sparkassenberater bloß zur hauseigenen Zinsanlage oder bestenfalls zum Einheitsfonds mit dem Siegel des Hauses.

Dass er das nicht aus Nächstenliebe tat, konnte dem Kunden klar sein.

Heute indes bieten sich selbst dem Allerweltsanleger Hunderte von Aktienfonds, Rentenfonds oder Indexfonds, alle mit den schönsten Namen, und er muss eine Auswahl treffen. Hilfe sucht er bei der Bank, doch die verfolgt ihre eigene, geheime Agenda.

Oft geht es auch um mehr als einmalige Geldanlagen. Ansparverträge zur Altersvorsorge binden die Anleger auf Jahre, ohne dass die eine Vorstellung davon bekommen, wie viel die Bank daran Monat für Monat verdient und wie dramatisch das Gebührengebaren über Zins und Zinseszins ihr Ruhegeld dezimiert.

Banken, die noch mehr als andere Unternehmen vom Vertrauen ihrer Klienten leben, müssten schon von sich aus ehrlich sein. Schließlich erwartet man vom Architekten auch, dass er es erwähnt, wenn er mit dem von ihm empfohlenen Bauunternehmer verschwägert ist. Die Banker hätten also sagen können: Wir brauchen diese Provisionen, um unsere Beratungsleistungen und günstigen Girokonten zu finanzieren um dann sicherzustellen, dass sie bei aller Gier nach Provisionen das Interesse der Kunden wahren.

Jetzt ist das Vertrauensverhältnis zur Bank, das einst so dauerhaft und intensiv war wie das zu Arzt und Apotheker, gleich doppelt gestört. Denn erstens müssen die Geldmanager nun dem Vorwurf begegnen: Warum habt ihr uns nichts gesagt? Und zweitens müssen sie die Frage beantworten, warum sie diese Anlage und nicht jene empfehlen. Selbst schuld. Als Kunde kann man diese Frage nicht oft genug stellen. Und wird sie nicht zufriedenstellend beantwortet, sollte man allen Unzulänglichkeiten zum Trotz nur noch einem Urteil trauen dem eigenen.