Berlin ist reich, zumindest an Künstlern. Bisher, so lautet die Klage, gibt es aber keine Institution, die all die hier entstehenden Werke auch ausstellt. Das könnte sich nun ändern. Temporär zumindest. Bis zum geplanten gerade auf das Jahr 2010 vorgezogenen Baubeginn des Humboldtforums wird auf dem Schlossplatz eine Leere herrschen, die gleich mehrere Initiativen füllen möchten. Das Kunstmagazin Monopol will eine mobile Kunsthalle in Form einer Wolke bauen, nach einem lockeren Entwurf des Berliner Architektenteams Graft (ZEIT Nr. 9/07).

Bürgermeister Klaus Wowereit zeigte sich begeistert.

Doch jetzt gibt es einen zweiten Entwurf: Die Künstlerin Coco Kühn und die Kulturmanagerin Constanze Kleiner hatten schon 2005 innerhalb von nur drei Wochen einen White Cube in den entkernten Palast der Republik gebaut und dort Werke von 36 in Berlin arbeitenden Künstlern wie Olafur Eliasson und John Bock ausgestellt. Kritiker und Besucher waren von der Schau so angetan, dass Kühn und Kleiner sich an die Planung einer temporären Halle machten. Der Wiener Architekt Adolf Krischanitz hat jetzt einen Entwurf vorgelegt: eine Schachtel aus einfachsten Materialen, 49 Meter lang, 27 Meter breit, 11 Meter hoch. Im Inneren befindet sich ein 600 Quadratmeter großer Ausstellungsraum, der von einem Café und einem Laden umschlossen wird. Umhüllt wird die Schachtel von einer wetterfesten Gewebemembran, die von wechselnden Künstlern gestaltet werden könnte. Krischanitz hat Erfahrung im Bau von temporären Kunsthallen, er ist ein Meister des Pavillons, der nichts kosten darf. Im Gegensatz zur Wolke kommt seine Box unspektakulär daher. Sie soll in ihrer Schlichtheit der Kunst dienen, so die Initiatoren, und als Ort für die Diskussion über Standort und Ausrichtung einer permanenten Kunsthalle.

Welcher Entwurf darf nun gebaut werden? Der Bürgermeister will von beiden Initiativen eine belastbare Planung vorgelegt bekommen, denn die temporäre Halle darf die Stadt nichts kosten. Die Schachtel wird auf eine Million Euro veranschlagt, die Graft-Wolke, von der es noch keine konkreten Pläne gibt, wäre wohl dreimal so teuer. Um die Finanzierung des White Cube wollen sich Volker Hassemer und die Stiftung Zukunft Berlin kümmern. Bei Monopol soll ein Verein Spenden sammeln. Vielleicht wird die Wolke am Ende auf dem Schlossplatz lagern und die Schachtel an einem anderen zentralen Ort. Berlin ist schließlich reich an Platz. Rund um den Hauptbahnhof zum Beispiel.