Er wäre begeistert! Von diesen Deckenstrahlern. Ein Lob der Firma Erco, die sie entwickelt und für die Ausstellung gestiftet hat. Ja, warum nicht mal mit einem der Sponsoren beginnen, warum nicht mit den Leuchtkörpern der Firma Erco! Ihre Technik würde den Meister gewisslich glühend, brennend interessieren, ihn, der als Kind des 17.

Jahrhunderts, als Maler des Barocks nur die Sonne kannte und den Feuerschein einer Kerze oder Fackel, eines Herdes. Sie hätten ihn fasziniert, diese Strahler, die seine Bilder nicht beleuchten, sondern ihnen genau das Licht entlocken, das hineingemalt ist. Denn nichts hat den Maler Willem Kalf, geboren 1619 in Rotterdam, gestorben 1693 in Amsterdam, zeitlebens so sehr beschäftigt wie die Gesetze und Grenzen des Wahrnehmens, wie das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit des Lichts. Davon erzählen alle vierzig Bilder, die hier im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zu sehen sind, in einer Ausstellung, die man schon jetzt getrost eine der schönsten des Jahres nennen darf.

Eine schier endlose Zeit hat sie auf ihre Eröffnung warten müssen, unbegreifliche drei Jahrhunderte: Sie ist die erste Kalf-Ausstellung überhaupt. Unfasslich in der Tat, denn vor allem seine späten Stilleben stellen im wahrsten Sinne der Redewendung alles in den Schatten, was damals in diesem Genre geschaffen wurde. Kunsthistoriker haben sein Genie mit dem Vermeers verglichen, und wie über Vermeers Interieurs, so scheint auch über Kalfs späten Stilleben ein Geheimnis zu schweben, das nur schwer zu brechen ist.

Ein Blick in die Rumpelkammer des Ruhms

Recht brav fing er an. Wo der junge Mann aus gutem Kaufmannshaus sein Handwerk gelernt, ob in Haarlem oder seiner Heimatstadt, wissen wir nicht - einige Zeit lebte er auch in Den Haag. Um 1642, da war er Anfang zwanzig, ging Kalf für ein paar Jahre nach Paris, wo er mit hübschen Kücheninterieurs Erfolg hatte. Es sind zumeist klein- bis kleinstformatige Kunststückchen, die schon verraten, wofür sich der Maler am meisten interessierte: für das Küchengerät, für leuchtendes Kupfer und Zinn, für brummende Tonkrüge, blitzende Kessel, schnaufende Töpfe, ächzende Besenstiele und für das liebe Gemüse vor dem Herd. All das lebt anders als die Menschen, die er ab und an dazupinselt: eine Magd, einen Knecht, die Schemen bleiben, wie das falbe Gewölbe. Wie die blasse Landschaft, die er lustlos in den Hintergrund fummelt, Himmel und Erde, das alles geht ihn nichts an. Das alles bleibt nett anzukucken, drollig, doch verglichen mit seinen späten Werken ohne Bedeutung.

Dann holt er aus. Die ersten Stilleben, noch in Frankreich entstanden, sind seine prunkvollsten. Pompös geradezu das gewaltigste Gemälde der Ausstellung, zwo Meter mal einssiebzig, das Stilleben mit Rüstungsteilen, Waffen und Prunkobjekten aus Le Mans, offensichtlich ein Auftragswerk. Das ganze Bild ist ein einziges Funkeln und Raunen, alles bauscht sich samtig in Blau und Rot und Gold, Trompete und Säbel dräuen der Betrachter schaut in die Rumpelkammer des Ruhms, auf ein aus den Höhen irdischer Macht herabgestürztes, zerbrochenes Mobile der Pracht.

Vanitas. Das hat sich so festgesetzt in den Köpfen, dass Stilleben immer Vanitas zeigen, wie vergeblich und vergänglich alles bleibt auf Erden, wie alles welkt und schwindet. Schön. Aber nicht bei Kalf.