Sie gebieten über viele Milliarden Dollar, kaufen damit große Konzerne und beeinflussen Millionen Schicksale: Finanzinvestoren wie Stephen Schwarzman von Blackstone oder Henry Kravis von KKR prägen das Antlitz des modernen Kapitalismus. Für die einen zeigt dieses Gesicht Züge des Muts, für die anderen der Gier. Die Wahrheit liegt, wie immer, dazwischen. Auch Daniel Schäfer gelingt es nicht, sie in seinem Buch auf den Punkt zu bringen, trotz des Titels Die Wahrheit über die Heuschrecken. Dennoch lohnt sich die Lektüre für diejenigen, die sich ernsthaft mit dem Wirken der Finanzinvestoren befassen möchten. Mit jenen Fonds also, die weltweit immer stärker in die Kritik und ins Visier der staatlichen Aufsichtsbehörden geraten.

Als Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zählt Schäfer zu der Handvoll deutscher Journalisten, die regelmäßig über Private-Equity-Fonds berichten. Kenntnisreich und differenziert beschreibt er das Geschäft der Firmenjäger. Es besteht darin, Unternehmen zu kaufen, umzubauen und nach Jahren wieder mit Gewinn abzustoßen. Schäfer erzählt, wie die Branche, befeuert von den Schrottanleihen des Michael Milken, in den achtziger Jahren ihren ersten Boom erlebte. Wie sie nach dem Zusammenbruch, der folgte, das Unternehmerische entdeckte und sich den Ruf des Seriösen erwarb. Vor allem aber, wie sie jetzt diesen Ruf leichtfertig wieder zu verspielen droht und mit immer waghalsigeren Deals viele Firmen und Jobs gefährdet.

Anschaulich erklärt Schäfer, was derzeit die Preise für Unternehmen in die Höhe treibt - wie die Käufer dabei immer mehr Fremdkapital einsetzen, zulasten der übernommenen Firmen - wie sie fragwürdige Gebühren verlangen und sich zunehmend früh des eigenen Verlustrisikos entledigen. Er erklärt, was Private Equity, Hedgefonds, Geierfonds und Immobilienfonds verbindet und unterscheidet. Dabei vermeidet er die allzu simple Polemik von Franz Müntefering, der das Bild von den Heuschrecken prägte, die auf der Jagd nach Rendite über Firmen herfallen. Zu gut kennt er die feinen Unterschiede zwischen der Texas Pacific Group und weniger hemdsärmeligen europäischen Häusern wie Permira oder EQT. Zu gut weiß er, dass in Zeiten, in denen viele Manager börsennotierter Konzerne nur noch in Quartalen denken, der Zeithorizont von Private Equity hilfreich sein kann. Er beschreibt die Tophäuser mit ihren Erfolgen und dunklen Seiten, exemplarische Übernahmen und wichtige Köpfe. Und entlarvt damit das Bild der Unschuld, das die Szene gern von sich zeichnet, aber auch die Klischees, mit denen sich viele Gegner zufriedengeben.

Mag mancher ironische Schlenker unnötig erscheinen, mancher Schreibfehler vermeidbar und manche Wiederholung ärgerlich sein Schäfer hat eine verständliche, aufklärende Gesamtschau geschrieben, die sich auf der Höhe der Zeit befindet. Zwar gleicht sie weniger einer Analyse, die eine These wagt und die Details durchdringt, als vielmehr einer Sammlung von Fakten und Geschichten. Angesichts des verbreiteten Halbwissens und der öffentlichen Debatte ist diese sehr kundige Sammlung dennoch verdienstvoll.

Daniel Schäfer: Die Wahrheit über die Heuschrecken

Wie Finanzinvestoren die Deutschland AG umbauen

Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt 2006 - 211 S., 24,90