Der Salon ist eröffnet, die Autobranche trifft sich in Genf. Doch anstatt wie üblich über neue Modelle, über Hubraum oder PS-Zahlen zu reden, schiebt sich bei allen Diskussionen ein Thema in den Vordergrund, das bei den meisten Automanagern ziemlich ungeliebt ist: der Klimawandel und die daraus resultierenden Forderungen nach einer drastischen Reduzierung der CO2-Emissionen. Dabei stehen die deutschen Vorzeigemarken Audi, BMW, Mercedes und Porsche mit ihren schnellen und schweren Luxusfahrzeugen besonders unter Druck.

Und siehe da, die heftige Schelte von EU-Kommission, Umweltorganisationen und Politikern bis hin zum deutschen Bundespräsidenten scheint Wirkung zu zeigen. Fast alle Hersteller haben politisch korrekt auf ihren Ständen ein ökologisches Vorzeigestück aufgebaut, natürlich auch die deutschen: VW zeigt seinen besonders sparsamen Passat Blue Motion, der nur noch 5,1 Liter Diesel benötigt - Mercedes präsentiert eine neue C-Klasse mit Ökozertifikat - eine Variante des neuen 1er BMW schafft CO2-Werte von 123 Gramm pro Kilometer - auch den Audi A3 gibt es in einer extra sparsamen Version.

Porsche kündigt eine Hybridversion seines Geländewagens Cayenne an, die weniger als neun Liter brauchen soll. Und selbst die beiden Erzrivalen BMW und Mercedes tun sich zusammen, um möglichst schnell einen Hybridantrieb zu entwickeln.

Ist die Industrie also zur Einsicht gekommen? Hat die deutsche Autobranche, die sich als technische Speerspitze des Automobilbaus versteht, die Herausforderung Klimaschutz angenommen?

Zweifel sind erlaubt.

Immer noch werden die Ausstellungsstände der deutschen Marken in Genf von Fahrzeugen dominiert, die nach dem Motto »Größer, stärker, schneller« entwickelt wurden. So stellt sich der VW Golf GTI, der einst mit 110 PS das Nonplusultra in der Kompaktklasse war, in der Jubiläumsedition zum 30. Geburtstag mittlerweile mit 220 PS zur Schau.

Eine Luxuslimousine wie die Mercedes-S-Klasse, die vor einigen Jahren mit reichlich 300 PS als sehr gut motorisiert galt, ist in ihrer neuesten Version mit mehr als 500 Pferdestärken zu haben. Und natürlich haben BMW und Audi ähnliche Großkaliber parat. Denn wann immer einer der drei großen deutschen Premiumhersteller mit einer neuen Motorenvariante vorprescht, legt der nächste noch etwas Leistung drauf.