Mit dem Bösen sprechen wie soll das gehen? Das Böse muss der Gute doch bekämpfen, notfalls mit militärischer Gewalt. Das war die Welt, wie Bush sie sah. Er sieht sie wohl immer noch so.

Aber er handelt plötzlich anders. Die Welt ist nämlich ziemlich aus den Fugen geraten, seit der amerikanische Präsident vor fünf Jahren den Irak, Iran und Nordkorea auf einer »Achse des Bösen« ortete und seinen ersten Feldzug für die Freiheit im Irak begann. Der blieb im Grauen des Bürgerkriegs stecken. Und doch: Hätte nicht mancher ihm zugetraut, gleich noch Iran, ja auch Nordkorea anzugreifen? Nun aber lässt George W. Bush nicht die Waffen, sondern seine Diplomaten sprechen - am Anfang der Woche mit den Nordkoreanern in New York, zum Wochenende mit den Iranern in Bagdad.

Direkte Gespräche mit den Amerikanern: Das war seit Langem Ziel aller Außenpolitik in Pjöngjang wie in Teheran. Nun ist es so weit - und was seinen Grund in der Schwächung Bushs hat, könnte Amerikas Glaubwürdigkeit und seine Handlungsfähigkeit stärken. Denn Bush redet nicht nur mit den Abgesandten des Bösen - er lässt sich sogar einbinden in multilaterale Verhandlungen: in die Sechser-Gespräche über Nordkoreas Nuklearprogramm wie in das Sanktionsregime des UN-Sicherheitsrats gegen Iran. Rice triumphiert über Rumsfeld. Kehrt also der Realismus zurück in die amerikanische Außenpolitik? Es wäre ein unerwarteter Segen. Denn die beiden Jahre, die Bush im Amt noch bleiben, würden allemal reichen, um noch eine Menge Unheil anzurichten.