FRAGEN ZU EUROPA Achtung, Heißsporne!

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie »Europa« hören?

An Zeus. Sodann an die Renaissance, die Reformation, den Westfälischen Frieden und die Aufklärung.

Was war Ihre erste persönliche Erfahrung mit Europa?

Die Rede, die Winston Churchill im September 1946 in Zürich hielt. Mit seiner kurzen und klaren Rede, die Vereinigten Staaten von Europa zu schaffen, elektrisierte er die erschöpfte Welt. » Lasst uns wieder eine europäische Familie schaffen, mit Großherzigkeit und Klugheit«, »Die beiden großen Nationen Frankreich und Deutschland sollen als Partner die Sache anführen.« Das war der Grundstein für die kommende Zeit.

Warum ist es gut, dass Ihr Land zur EU gehört?

Deutschland lebt heute zum ersten Mal in seiner Geschichte als Nation, ohne von irgendeinem seiner vielen Nachbarn gefürchtet oder bedroht zu werden. Dadurch und durch unsere relative Kraft sind wir für die EU unentbehrlich. In der Mitte Europas herrscht Frieden.

Womit kann oder wird Europa die Welt noch überraschen?

Dass wir aus schweren, alten nationalistischen Fehlern lernen und schließlich doch noch eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zustande bringen.

Wo liegen für Sie Europas Grenzen?

Wir finden unsere Grenzen in keinem Geografieatlas. Europas Grenzen reichen so weit wie unsere Kräfte und unsere Einigkeit untereinander, um unsere Chancen wahrzunehmen und unserer globalen Mitverantwortung zu entsprechen.

Wer sind in Ihren Augen Europas gefährlichste Feinde?

Parteipolitisch motivierte Populisten in den Mitgliedsländern und neokonservative Heißsporne in den Machtzentren der Welt.

Richard von Weizsäcker wurde 1920 in Stuttgart geboren. Von 1984 bis 1994 war er Bundespräsident

Weitere Informationen im Internet: www.zeit.de/europa und www.dradio.de/euroblog

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.8
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