Arabische Emirate Kunst kommt von Kaufen

Die Arabischen Emirate shoppen im Westen: Einen Louvre und eine Oper samt Direktor haben sie schon in den Einkaufswagen gepackt. Aber woher das bunte Stadtleben holen?

Ein Labyrinth aus menschenleeren Fluren, Foyers und Zimmerfluchten, gebaut aus Tausenden Tonnen poliertem Granit und Marmor, die Decken vergoldet, Teppiche, weich wie Neuschnee, Wasserbassins, Goldmosaike, Palmenhaine im Untergeschoss. Und an jeder Ecke dieses Labyrinths wartet ein höflicher Angestellter, um den sich stets verlaufenden Gästen den Weg zu weisen. Vergangenen Dienstag versammelten sich hier im Emirates Palace, dem pompösesten und wohl auch geschmacklosesten Hotel des Emirats Abu Dhabi, drei Herren, die der alten Kunst eine neue Zukunft weisen wollen. Der eine war Kronprinz Scheich Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, der andere Sultan Bin Tahnoon Al Nahyan, der den Tourismussektor leitet. Gemeinsam empfingen sie den französischen Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres.

In einem gigantischen Ballsaal segneten sie den Louvre-Deal ab, ein Geschäft, gegen das es nicht nur in Frankreich heftigen Protest gegeben hatte. Bis zu einer Milliarde Euro sollen die Franzosen für ihre Hilfe bei Aufbau und Ausstattung eines Louvre Abu Dhabi kassieren. Allein für die auf 30 Jahre befristete Leihgabe des Markennamens Louvre haben die Scheichs 400 Millionen Euro gezahlt.

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Im Preis nicht inbegriffen sind natürlich die Baukosten für das 24000 Quadratmeter große Museum, das auf der vor Abu Dhabi gelagerten Insel Saadiyat, der Insel des Glücks, in den nächsten fünf Jahren errichtet werden soll. Noch kann man die Insel, auf der ein paar Schildkröten leben, nur per Boot erreichen, doch Baggerkolonnen haben bereits mit dem Bau von Straßen und Brücken begonnen.

Entworfen hat den Insel-Louvre der Architekt Jean Nouvel, der nach der Vertragsunterzeichnung und dem folgenden Festessen – importierte Paté, Pilzsuppe, Fisch an provenzalischen Kräutern, Apfeltarte und Harfenmusik – sein Modell erläuterte. Das Museum besteht aus zahlreichen Kuben, die durcheinandergewürfelt an ein altes arabisches oder vielleicht auch griechisches Bergdorf erinnern. Über das Gewirr der kubischen Ausstellungsräume erstreckt sich eine 180 Meter weite, flache Kuppel, als hätte da jemand einen weißen Schirm aufgespannt. Nur was für Kunst hier eigentlich ausgestellt werden soll, blieb unklar. Werden sie aus Paris Ausrangiertes kommen lassen? So wie bei den Musikfestivals in Dubai, wo Bands wie Toto und Iron Maiden spielen? Wozu brauchen die Emiratis überhaupt diese Kunst?

Die Strategie für die Zeit nach dem Öl? Tourismus à la Studiosus

Der Tourismus-Scheich mit dem staunend-neugierigen Blick verrät es: Der Louvre und die anderen auf Saadiyat geplanten Kulturprojekte – ein Guggenheim-Museum für Gegenwartskunst von Frank Gehry, ein echsenförmiges Theater- und Musikgebäude von Zaha Hadid und ein Museum für Maritimes von Tadao Ando –, sie alle sollen vermögende Kulturtouristen anziehen. Man hofft auf weit mehr als eine Million Menschen, die eigens wegen der Kultur nach Abu Dhabi kommen, ähnlich wie in Bilbao. Aber hier im Nahen Osten baut man eben nicht nur ein Guggenheim, sondern gleich noch vier weitere große Kulturzentren – westliche Museen für westliche Touristen. Mit Beratern wie dem Guggenheim-Chef Thomas Krens, der den Masterplan für Saadiyat entwickelte, sucht die herrschende Familie nach neuen Möglichkeiten des Geldverdienens. Denn irgendwann, das wissen die Scheichs, wird ihr teures Öl vollständig abgepumpt sein.

Im benachbarten, nur eineinhalb Autostunden entfernten Emirat Dubai spielt das Öl wirtschaftlich schon längst keine Rolle mehr, es sorgt nur noch für etwa sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Geld verdient wird hier mit den größten und luxuriösesten Hotels der Welt, mit Ferienhäusern auf künstlichen Palmeninseln, mit Einkaufszentren und Themenparks. In irrwitzigem Tempo werden neue Büro- und Wohnkomplexe gebaut, globale Dienstleistungsunternehmen eröffnen in Freihandelszonen ihre Filialen, die Mieten explodieren. Die Emiratis haben so ziemlich alles importiert, was sie selbst und die Zugezogenen aus dem Westen, Osten und Norden zum Wohlfühlen brauchen. Im gegenwärtig (noch) größten Einkaufszentrum des Landes, der Mall of the Emirates, gibt es einen Klon des britischen Edelkaufhauses Harvey Nichols, ein Kempinski-Hotel und eine gigantische Filiale der französischen Supermarktkette Carrefour mit der wohl weltweit größten Auswahl an Speiseölen. Emiratische Frauen tragen elegante schwarze Tücher, mit Gold und glitzernden Steinen besetzt, dazu Handtaschen aus Paris und Schuhe aus Mailand. Und man kann Ski fahren in dieser Mall. Es gibt eine ausgewachsene Piste mit Sessellift, Alpenpanorama und verschneiten Felsformationen. In ausgeliehenen Daunenmänteln streifen Männer und Frauen durch die Kühle, von außen kann man sie durch riesige Fensterscheiben beobachten.

Leser-Kommentare
    • keox
    • 21.03.2007 um 1:17 Uhr

    kunst in der wüste. was für eine verschwendung. diese kameltreiber halten doch einen tintoretti für einen tintenstrahldrucker. kaum hat so ein tumber wüstensohn ein bild verkehrt aufgehängt jubelt alles: oooh, ein baselitz.

    wie anders dagegen der kunstsinnige besucher aus dem westen. jede cola-dose, von einer schändlich unterbezahlten reinigungskraft läßlich übersehen, gerät zum objekt fachlicher expertise: ein früher warhol? eine installation des soooo angesagten McMoney? vermutlich ein zeichen von wüstem dekonstruktivismus.

    wie können diese barbaren es wagen, eine kunst vorzuführen, die sie, wie wir alle, nur anhand von preisschildern identifizieren können?

    und dann dieses umfeld. furchtbar.

    'Es braucht Skepsis, Kritik und politische Teilhabe, damit eine Stadt eine Seele bekommt und eine Kultur, die nicht nur dem Marketing dient. Vielleicht werden die Bewohner von dubai irgendwann anfangen, diese Teilhabe einzufordern'

    wenn diese zitat einen sinn ergeben soll, dann ersetze man dubai durch deutschland.
    .

  1. Schindhelm ist der Albert Speer des Emirats. Dicht unter der hochkulturellen Oberflaeche des Mannes lauert das Abgruendige, die Lust am Spiel mit Diktatoren, welche vorgaukeln, man koenne autokratisch - und mit viel Geld - sein Heil finden. Er wird es ebensowenig finden, wie das Emirat eine Seele kaufen kann. Derlei ist nicht wohlfeil. Die arabischen Geldstaaten werden bleiben was sie sind, virtuelle Welten mit glitzernder Spieloberflaeche, geschaffen fuer Menschen, denen eine virtuelle Welt (und Geld) ausreicht, die vielmehr auf der Flucht sind vor den Daemonen in ihrer Seele mit Namen Gier, Lust und Schamlosigkeit.

  2. Alle Schätze des Orients, prachtvolle Kostbarkeiten, unvorstellbarer Ölreichtum am Persischen Golf -- man hört das alles wieder und wieder. Bei internationalen Katastrophen hingegen, wenn die ganze Welt zu Hilfe eilt und Geld sammelt, um den Opfern zu helfen, da sind die islamischen Länder nur selten zu finden.

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