Autotest Unheimlich anziehend
Ist es wirklich wahr, dass man das andere Geschlecht mit solchen Statussymbolen für sich gewinnt? Stephan Lebert, ZEIT-Autor, im Audi TT Coupé quattro 3.2
So ein Testwagen ist manchmal was Tolles. Vor allem wenn das eigene Auto gelegentliche Prüfungen bereithält. Ich fahre eigentlich einen sogenannten Mittelklassewagen, einen Peugeot 307: Bei Kilometerstand 5000 kurz vor Rostock streikte die gesamte Elektronik, bei Kilometerstand 35000 kam es nahe Potsdam zu einem Motorschaden, bei 40.000 brach hinter Salzburg der Auspuff runter. Die Herren von Peugeot gucken schon mitleidig, wenn ich komme: Mensch, Sie haben aber ein Pech. Und auch jetzt stand mein Wagen wieder in der Werkstatt, als der Testwagen kam, wie gerufen also.
Mein Peugeot ist – wenn er nicht kaputt ist – ein ganz gemütliches Auto. Schwarz ist er, vier Türen hat er, man sitzt irgendwie normal drin, man schaut irgendwie normal raus. Mein neuer Testwagen ist ein Audi TT Coupé. Farbe Blaumetallic, zwei Türen hat er, man sitzt sozusagen tiefergelegt, und so blickt man auch nach draußen. Es ist der erste Zweisitzer in meinem Leben, auch der erste Sportwagen. Im Prospekt habe ich gelesen: »Seine athletisch-muskulösen Flanken tragen zu dem geometrisch wirkenden Erscheinungsbild ebenso bei wie die ansteigende Dynamic Line oberhalb des Schwellers und die sehnige Schulterlinie.« Und noch etwas: »Er ist ein Sportwagen für alle Sinne.«
Was passt zu einem Menschen? Vielleicht ist das eine der großen Fragen: Soll man herausfinden, was zu einem passt, und dann immer dabei bleiben, oder soll man sich im Leben immer wieder ganz gezielt von Gewohnheiten verabschieden? Ein Freund von mir zum Beispiel sammelte viele Jahre lang Bücher, kaufte und kaufte, in Buchläden, Antiquariaten und Trödelmärkten, verstopfte seine Wohnung mit immer neuen Regalen bis hoch zur Decke. Eines Tages geriet er in eine schwere Lebenskrise und beschloss, von nun an alles anders zu machen. Eine seiner Entscheidungen: Er verkaufte sehr plötzlich alle seine Bücher und zog ins Hotel. Schon Jahre her, das alles. Neulich fragte ich ihn, wie er heute über diesen einen radikalen Bruch denke. Er antwortete: »49 Prozent von mir sagen, es war gut, 51 Prozent sagen, es war ein Fehler.«
Ich war in meinem Audi TT auf der Autobahn, ich fuhr in der Stadt, ich fuhr über die Felder. Das Auto fährt sich toll, das lässt sich eindeutig sagen. Auf der Suche nach einer Beschreibung, wie ich mich in diesem Auto fühlte, fiel mir im Grunde nur eines ein: Es ist ein bisschen so wie als Kind beim Schlittenfahren. Man sitzt ganz nahe am Boden, und es kann plötzlich sehr schnell werden. Und noch ein Gefühl: das Atmen. Eng und klein ist der Wagen, für Klaustrophobiker ist er nix. Ich fuhr den Audi TT zwei Wochen, und ich muss sagen, ich begann mich an das Gefühl der Enge zu gewöhnen, es wurde sehr viel angenehmer. Am Ende der Testzeit würde ich behaupten: 59 Prozent von mir sagen, ein größeres und breiteres Fahrzeug ist besser, aber immerhin 41 Prozent von mir, mit leicht steigender Tendenz, sagen: Hat schon auch was, das Kleine, Enge.
Apropos Gewohnheit. Früher hatte in unserer Familie, und nicht nur dort, die Marke Audi keinen besonders tollen Ruf. Sie galt als bemerkenswert bieder. Wer einen Audi fährt, hieß es bei uns, trägt am Steuer meistens auch einen Hut. Man konnte in den letzten Jahren regelrecht zuschauen, wie sich das Image von Audi verändert hat. Junge Leute fahren heute Audi, es gibt Sportwagen, Staatskarossen, das Bild der Biederkeit ist weg. Man würde gerne mal hinter die Marketingkulissen dieses Konzerns schauen, wie das geschafft wurde. Ich musste daran denken, als ich zufällig vor ein paar Tagen am Flughafen einem Gespräch zwischen zwei Werbeleuten zuhörte. Sie redeten über ihren aktuellen Auftrag: Sie sollen einem bestimmten Likör ein neues Image besorgen, frecher, jünger, wilder. Einer der Männer sagte: »80 Prozent der Leute, die das Zeug trinken, sind Omas.« Der andere meinte: »Wir brauchen ein 17-jähriges Model für die Kampagne, am besten nackt.« Audi hat das irgendwie anders gemacht.
- Datum 21.03.2007 - 03:11 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.03.2007 Nr. 12
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Dass Frauen (und auch Männer) auf Statussymbole reagieren. Ja klar ist das so. Sicher einer der Gründe, warum man sowas fährt.
Dass man in einem TT tief und eng sitzt. Ja klar ist das so. Hat ja unmittelbar Auswirkungen darauf wie sowas auf der Strasse liegt. Darum kauft man sowas.
Dass man sich als Fahrer einer essigsauren Spießergurke über sowas wundert. Ja klar ist das so. Darum sollte man sich darauf beschränken, Wagen zu testen, die im Rahmen des eigenen Erfahrungshorizonts liegen.
Wir haben viel gut geschriebenes über die Befindlichkeiten des Testers erfahren. Über den Wagen rein garnichts.
Gruss
Smeik
Schönes Vorwort, aber jetzt warte ich auf den Autotest ;-)
Ben Bericht, live von der Bandscheibe und dem Babel-fisch...
Aber, was will man von Leuten, die ein Baguetteauto fahren, auch erwarten...
Die längste Zeitserie aller Zeiten? Und immer noch wird Werbung gemacht für diese CO2-Schleudern, für diese Penis- und Faustverlängerungen. Wer von den Entscheidungsträgern bei Ihnen erkennt den Widerspruch zwischen den aufklärerischen Apellen im Politk- oder Wirtschaftsteil und dem permanenten Götzendienst an dieser Stelle?
v.
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