Islamismus Unter Generalverdacht

Bayerische Unis sollen terrorverdächtige Studenten dem Verfassungsschutz melden. Besonders betroffen: Arabische Gaststudenten. Täglich haben sie unter Misstrauen und Vorurteilen zu leiden.

Wenn er neue Leute kennenlerne und sie ihn fragten, was er so mache, habe er manchmal das Gefühl, erst einmal sagen zu müssen, was er nicht mache. »Ich baue keine Bomben, ich brüte keine radikalislamistischen Ideen aus, ich bin kein Terrorist«, sagt er dann in glänzendem Deutsch und mit einem Lachen. Sarhan Dhouib, 33 Jahre alt, hat sich daran gewöhnt, dass er Selbstverständliches erklären muss. Er ist in Sfax, einer Stadt im Süden Tunesiens, aufgewachsen, hat dort Philosophie studiert, ging nach Paris, machte an der Sorbonne seinen Master in Deutscher Philosophie, Note »Eins«. Seit 2004 ist er Stipendiat des DAAD, promoviert an der Universität Bremen über Schellings Identitätsphilosophie und wundert sich manchmal über die Vorurteile, die im Land der Dichter und Denker gepflegt werden.

Er sitzt in einem Café auf dem Bremer Campus und schaut durch die Scheiben in einen verregneten Wintermorgen. Er will keine Missverständnisse aufkommen lassen. Er fühle sich eigentlich wohl in Deutschland und freue sich, hier promovieren zu können, sagt er. In seinem Institut ist die Welt in Ordnung, er ist integriert, versteht sich gut mit den Kollegen. Nur draußen spürt er manchmal, wie groß die Distanz ist zwischen ihm und seinen Gastgebern. Und wie groß der Mangel an Wissen über die arabische Welt. Etwa als er an der Uni einen Vortrag über das tunesische Bildungssystem hält. »Was, bei euch dürfen Frauen an die Uni gehen?«, haben ihn manche Studenten ungläubig gefragt. »Eine Millionen Deutsche besuchen Jahr für Jahr Tunesien, aber die Touristen wissen wenig über unsere Kultur«, sagt er. »Das macht mich ein bisschen traurig.«

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Arabischen Studenten schlägt an deutschen Universitäten viel Misstrauen entgegen. Das ist seit dem 11. September so und ist nicht besser geworden, seit im vergangenen Sommer zwei Studenten aus Syrien und dem Libanon mit Kofferbomben Regionalzüge in die Luft sprengen wollten. Wegen wenigen sind alle unter Verdacht geraten. Als Konsequenz aus den versuchten Kofferbombenanschlägen denkt man im Bundesinnenministerium darüber nach, das Ausländerrecht zu verschärfen, um ausländische Studenten vor ihrer Einreise nach Deutschland verstärkt kontrollieren zu können.

Das Deutsche Studentenwerk ist deshalb in Sorge. »Man kann doch nicht a priori jeden ausländischen Studierenden als potenziellen Terroristen verdächtigen und neue bürokratische und administrative Hürden aufbauen«, sagt Rolf Dobischat, Präsident des Studentenwerks.

Viele Studenten müssen um ihre Aufenthaltserlaubnis kämpfen

Auch Christian Bode, Generalsekretär des DAAD, warnt vor einem Rundumschlag, der die Falschen treffen würde. Bode versteht das gesteigerte Sicherheitsinteresse, ist aber davon überzeugt, dass das vorhandene Instrumentarium ausreicht, wenn es richtig eingesetzt wird. Es brauche keine Gesetzesverschärfung. Die würde nur einen Imageschaden verursachen. »Wir dürfen uns nicht abschotten, wir müssen offen bleiben für Talente aus der ganzen Welt – auf die wir angewiesen sind. Wir müssen die ausländischen Studierenden wie willkommene Gäste behandeln.«

Leser-Kommentare
    • nemo12
    • 01.04.2008 um 13:53 Uhr

    leider haben sie in ihrem artikel nur aussergewöhnliche studenten angeführt. es sind genau die studenten die ihren doktor machen und sehr gute noten bekommen und dann liest man in der zeitung von übergriffen auf diese studenten. das tut mir immer sehr leid, weil deutschland genau diese menschen braucht und unterstützen sollte! das soll jetzt nicht heißen dass wir alle anderen nicht genauso unterstützen sollten, im gegenteil! 
    ich glaube die menschen die unter dem sogenannten generalverdacht stehen, sind die studenten die nicht aufgeschlossen sind, nicht auf unifeste gehen, sehr lange bärte tragen, ihre verschleierten cousinen/schwestern/frauen in die vorlesung begleiten und auf nicht araber nicht zugehen, bzw den blickkontakt gleich vermeiden. meine unistadt war leider sehr oft wegen menschen in den schlagzeilen die sehr sehr enge verbindungen mit al quaida, den attentäter von 9/11 und so weiter hatten.
    ich habe bis jetzt noch keinen muslim gesehen/getroffen, der freundlich und weltoffen ist und nicht gut intergriert worden ist, obwohl in dieser stadt eine erhöhte dichte an radikalen lebt und diese die grundlage für den von ihnen beschriebenen generalverdacht darstellen.
    ein weiterer punkt für integration in deutschland ist ausdauer und aufgeschlossenheit. ich erlebe oft, dass wenn man nicht auf die deutschen zugeht und offen und aufgeschlossen ist, ihre ablehnungsbarriere viel stärker wird. denn dann sehen sie sich in ihren vorurteilen (die übrigends alle menschen dieser erde haben) bestätigt. die ausdauer ist dann notwendig um diese barriere zu überwinden. ich habe noch nie einen deutschen gesehen der einen ausländer sofort freudig angenommen hat. man muss sich eben erst beweisen, bevor man aufgenommen wird. typisch deutsch!

  1. Deutsche verbinden Moslems mit Terror, weil deutsche Medien seit 20 Jahren über Terror im Namen des Korans informieren. Deutsche symphatisieren selten mit Moslems, weil deren Lebensweise ihnen keinen Spass macht. Oder sogar eine Einschränkung der deutschen Lebensweise bedeutet. Deutsche symphatisieren seltener mit kopftuchtragenden Frauen, weil diese im Durchschnitt schlechter deutsch sprechen, als westlich bekleidete Frauen muslimischen Glaubens. Und weil sie Kopftücher schlicht unschön finden.Deutsche Studenten schließlich symphatisieren aus den gleichen Gründen selten mit Studenten arabischer Herkunft. Ein wesentlicher Teil derselben sind Moslems. Gemeinsames Biertrinken fällt aus. Religions- und politische Diskussionen sind schwieriger oder anstrengender. Bestimmter Humor ist mit Vorsicht zu genießen. Sex fällt komplett aus oder kann heikle Folgen haben.Es ist ein richtiges Urteil, daß für Deutsche - auch für deutsche Studenten - der soziale Kontakt zu Moslems schwieriger ist als zu Landsleuten. Umgekehrt übrigens auch. Daher gibt es ja auch an jeder Universität muslimische Zirkel, Gebetsgemeinschaften, Kulturzentren.Die Entscheidung, ob man Kontakt zu muslimischen Studenten sucht, obliegt jedem einzelnen und sollte frei von Zwängen sein. Es ist ferner schwierig, auf einen arabischen Kommilitonen zuzugehen und sich dann wieder zu distanzieren, sobald man bemerkt, daß dieser gläubiger Moslem ist. Die "political correctness" verbietet es. Zu sehr riecht es nach Rassismus, zu wenig nach einer freien Entscheidung über den persönlichen Freundeskreis.Daher macht das Vor-Urteil Sinn. Es hilft allen, sich nicht auf das Glatteis der erzwungenen Symphatie zu begeben.Andersherum steht es jedem arabischen Studenten frei, sich zu erklären und seine Wahl-Kommilitonen von dem Wert einer Freundschaft mit ihm oder ihr zu überzeugen.

  2. Ich bin Norddeutsche und benehme mich anders als z.B.eine Sueddeutsche.Wir gehen nicht auf Fremde zu,sondern nehmen uns Zeit Fremde, d.h. Menschen die wir nicht kennen kennen zu lernen.Da gibt es keinen Unterschied ob die Unbekannten nun aus einer anderen deutschen Stadt,Land oder aus dem Ausland kommen.
    Dass man arabische Studenten mit anderen Augen sieht hat viel mit den Entwicklungen in der Welt zu tun,dass diese Vorurteile abgebaut werden koennen liegt zum groessten Teil an Arabern selber. Ich muss @nemo2 Recht geben.Aufgeschlossene,weltoffene Araber sind so selten wie 4-blaetterige Kleeblaetter und nicht die Norm. Ich wuerde auch sagen dass die Vorurteile sich verringern werden wenn Muslime nicht mehr durch negative Berichte auffallen.
    Gerade an Unis gibt es viele Gelegenheiten sich mit anderen Studierenden zusammen zu tun aber wenn sie diese Festivitaeten nicht besuchen aus welchen Gruenden auch immer dann koennen sie nicht ueber mangelnde Kontaktmoeglichkeiten klagen.Ich denke aber dass besonders Muslime selber eine gewisse Befangenheit haben im Kontakt mit Deutschen da sie die Kultur nicht kennen und Probleme mit der Offenheit der Gesellschaft haben,schliesslich kommen sie aus einem ganz anderen Kulturkreis und nicht alle von ihnen haben schon in anderen europaeischen Staedten studiert.

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