Nahost »Wir oder das Chaos!«
Die Diktatoren dieser Welt können aufatmen. Nach dem Irak-Desaster ist dem Westen Stabilität wieder wichtiger als Freiheit.
Washington/Kairo
Nie hatte Condoleezza Rice wohl mehr Einfluss auf die ägyptische Politik als in jenem Moment Anfang 2005, als sie sich entschied, nicht nach Ägypten zu fahren. Damals sagte sie eine Reise ab, weil soeben ein liberaler ägyptischer Oppositionspolitiker verhaftet worden war. Die amerikanische Außenministerin kam erst im Juni 2005, nachdem das ägyptische Regime Ayman Nour freigelassen und die ersten Präsidentschaftswahlen zugesagt hatte. Rice hielt damals an der American University of Cairo eine bewegende Rede für den Rechtsstaat und rief Ägypten auf, sich an die Spitze demokratischer Reformen in der arabischen Welt zu setzen. In diesem Januar hat die Außenministerin Kairo wieder besucht. Inzwischen sitzt Ayman Nour erneut im Gefängnis, das Regime feilt an einer Verfassungsänderung zur Entmachtung der Opposition. Doch diesmal erwähnte Condoleezza Rice die Demokratie und den Rechtsstaat mit keinem Wort.
Die Welt hat sich verändert im vergangenen Jahr. Die Mächtigen reden wieder viel miteinander in diesen Tagen – vorausgesetzt, die Konferenztüren lassen sich gut schließen. Die Amerikaner sprechen über den Krieg im Irak mit den Nachbarländern, voriges Wochenende in Bagdad und demnächst wohl in Istanbul. Zum einen stimmen sich die USA eng mit den arabischen Verbündeten Ägypten und Saudi-Arabien ab, zum anderen versuchen die Regierungen in Kairo und Riad, den Palästinakonflikt zu entspannen. Und was bis vor Kurzem noch undenkbar war: Mit von der Partie sind bei den Irakgesprächen die Iraner und Syrer. All das ist richtig und gut.
Und dennoch sind beim Reden und Verhandeln erhebliche Kollateralschäden zu besichtigen. Vom Idealismus der US-Administration und auch der Europäer, mehr für die Freiheit im Mittleren Osten zu tun, ist nicht viel übrig geblieben. Auch wenn US-Präsident Bush das Wort freedom so oft wie die Zahnbürste in den Mund nimmt: Die neue Losung lautet nicht Demokratisierung, sondern Stabilisierung. Die nach dem 11. September so beliebte Sortierung nach Freiheit hier und Despotie dort ist der Unterscheidung zwischen »Moderaten« und »Radikalen« gewichen. Die Moderaten, das sind in der Lesart der US-Regierung prowestliche Regime, nicht selten Sunniten – die Radikalen, das sind Iran und Verbündete, zumeist Schiiten. Manche nennen das die Rückkehr zum Realismus. Doch reale Probleme werden so kaum aus der Welt geschaffen. Die gefällige Nachsicht gegenüber Diktaturen ist keine Lebensversicherung gegen den Krieg, wie eine Eskalation in Iran irgendwann zeigen könnte. Statt der erhofften Stabilität bringt Verständnis an der falschen Stelle eher neue Gefahren für den Westen.
Russland ist das Musterland der Konterrevolution. Hier holen sich viele Rat
Es ist nicht lang her, da schien die Demokratie als politische Form auch außerhalb der EU und Nordamerikas attraktiv und historisch geradezu unabwendbar zu sein. Der Rosenrevolution 2003 in Georgien folgte 2004 die orange Revolution in der Ukraine und 2005 der Umsturz in Kirgistan. Die Zedernrevolution von 2005 im Libanon ging den ersten Präsidentschaftswahlen in Ägypten und den freien Kommunalwahlen in Saudi-Arabien voraus. Mit dem Sturz von Saddam Hussein im Irak hatten die Wenden und Wahlen weniger zu tun als mit einer breiten Reformbewegung in der arabischen Welt und in den postsowjetischen Staaten. Bisweilen berieten westliche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) die demokratischen Reformer und lokalen Verbände. Die EU und die USA warnten die Regime mit diplomatischem Druck, freie Wahlen nicht zu behindern. Der demokratische Frühling in Zentralasien und im Nahen Osten schien unaufhaltsam und endete doch schneller, als von den einen erhofft und den anderen befürchtet.
Die autoritären Herrscher von Moskau bis Kairo haben keine Mühe gescheut, damit aus den friedlichen Revolutionen kein Muster wurde. Alarmstufe Orange in der Ukraine war für Wladimir Putin der Anlass zurückzuschlagen. Hinter den Demonstrationen unzufriedener Bürger in Kiew sah er westliche Einmischung und den Einmarsch ausländischer Agenten. Die Beratung durch westliche Stiftungen am Rande der Demonstrationen bauschte der Kreml auf zum ferngesteuerten Aufruhr made in USA. Mittlerweile ist Russland zum Musterland der Konterrevolution geworden, wo Diktatoren von nah und fern nach Anleitung suchen. Gerade haben in Regionalwahlen zwei Retortenparteien Putins gesiegt. In Moskau und den Provinzen werden russische NGOs mit Hilfe biegsamer Richter und nebliger Gesetze drangsaliert, manche gleich ganz geschlossen. Die Staatsduma stellte im November 2005 im Gegenzug 17,4 Millionen Dollar zur Verfügung, um die »Zivilgesellschaft zu stärken«. Gemeint sind neurussische Nachbildungen derselben, staatstreue Bürgerverbände, Putin-Fanklubs, Jugendbewegungen, die Oppositionelle und Nichtrussen belästigen. Längst haben westliche Beobachter diesen staatlich gestützten Nichtregierungsorganisationen einen neuen Namen gegeben: Government organised non-governmental organisations – kurz GONGOs.
- Datum 17.03.2007 - 10:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.03.2007 Nr. 12
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Das Problem ist: sollen wir Demokratie unterstuetzen!
In Aegypten, in Saudi-Arabien, in Russland und den USA gibt es viele Menschen, die Demokratie wuenschen!
Es gilt diesen Menschen zu helfen!
wurde ihm nachhaltig heimgezahlt, die Diktatoren können deshalb nicht einach aufatmen, sondern wissen wie ihnen geschied wenn sie nicht kuschen.
'Wir begriffen, dass unsere Politik, Stabilität im Mittleren Osten zu fördern, es einer bösen, krebsartigen Form des Extremismus erlaubt hatte zu wuchern, weil die Menschen keine Möglichkeit hatten, ihre politische Meinung zu äußern.'
Absolut richtig. Traurig ist nur, dass diese 'bösen, krebsartigen Formen des Extremismus' mittlerweile in vielen Ländern so stark sind, dass sie bei freien Wahlen sofort an die Macht kommen würden. -- sh. Hamas, FIS, Muslimbrüder usw.
Der Westen wählt also das kleinere 'Übel' - so pervers das auch sein mag...
Stellt sich nicht einfach die Frage, ist die Demokratie (Wahlbeteiligung sinkt ständig) nach unserem Verständnis überhaupt auf andere Länder anwendbar.
Wenn ein Volk eine extreme islamische Partei durch demokratische Wahl an die Macht befoerdern sollte, so ist das ein gutes und wichtiges Recht dieses Volkes!
Es ist auch das Recht anderer Voelker durch ihre Regierung eine solche Entscheidung zu missbilligen, indem man Finanzhilfen einstellt!
Das sollte man ausdruecklich klarmachen, bevor jenes andere Volk eine Entscheidung trifft!
Dass aber ein Volk sich demokratisch fuer islamistische Politik entscheidet:
nun gut, das wiederlegt doch nicht, dass Demokratie die gerechteste und beste Staatsverfassung ist!
Beim naechsten Wahlgang kann es ja schon wieder ganz anders aussehen (sollten Islamisten sich einer solchen zweiten Bewertung ihrer Politik durch das eigene Volk unterziehen)!
Die Ignoranz des Westens gegenüber den Realitäten hat dieses Desaster verursacht.
Den Radikaldemokraten, Antikapitalisten, Antiimperialisten und sonstigen Friedensbewegten und Idealisten gingen die Entwicklungen nicht schnell genug. Letzlich war es die amerikanische Ausprägung dieser Engstirnigkeit, die christliche Bigotterie, die den Rückschritt mit dem Irakkrieg einleutete.
Das ändert aber nichts an der einseitigen Ignoranz aller dieser Gruppen, die sich im Prinzip weigern, sich den Schlechtigkeiten und Ungerechtigkeiten der Welt zu stellen und so mehr Schaden als Nutzen anrichten.
Gleiches gilt ja auch für die zunehmende Engstirnigkeit und Doppelmoral der veröffentlichen Meinung in Deutschalnd, sei es im Umwelthyp, der Reichendresche, oder der Sozialstaatsmanie.
Wir haben wenig Grund auf dem hohen Ross zu sitzen, wenn unsere eigenen Regierungen letzlich ja auch auf ganzer Linie die Liberalität bekämpft bis zum Risiko der Ursurpation. (Wahrscheinlich dann auch durch weniger liberale Gruppierungen).
Die abnehmende Akzeptanz der demokratischen Systeme geht direkt mit der abnehmenden Akzeptanz der bei uns halbdemokratisch gewählten Politiker einher, die selbst nur sehr wenig auf demokratische und liberale Grundprinzipien Wert legen.
Man gewinnt ohnehin den Eindruck, das die Bekenntnisse von Demokratie nur Lippenbekenntnisse sind. Die Handlungen jedenfalls scheinen dies eher zu beweisen.
Wenn die Demokratiefeinde sich zu Demokraten erklären und als solche akzeptiert werden, wie soll man sie dann noch von diesen unterscheiden? Wenn nur noch der äußerliche Habitus genügt, um richtig und falsch zu unterscheiden, dann kann man nur feststellen, der Rückschritt in den arabischen Staaten geht direkt mit den Rückschritten bei uns konform.
Die bisherigen Erfahrungen scheinen zu zeigen, dass man Demokratie nicht ohne weiteres exportieren kann, als sei es eine Ware. Es ist vielmehr ein langwieriger Prozess, der sich nur durch interne Auseinandersetzungen langsam herauskristallisiert. Sämtliche alten Demokratien wie England, USA und Frankreich mussten erst blutige Bürgerkriege und Revolutionen durchstehen, ehe sie auf dem heutigen Punkt ankamen. Man kann einer Nation behilflich sein in diesem Prozess, aber man ihn niemandem aufzwingen, der nicht selbst bereit ist, Hilfe zu akzeptieren.
Da muss doch wohl jemand auf den Knopf gedrueckt haben und raus kommt ihr Kommentar!
Leider nicht verstaendlich, bei allem Fortschritt!
Ignoranz und Antikapitalisten, Realitaeten und Idealisten, Habitus und Araber, Demokraten und Demokratiefeinde:
Lippenbekenntnisse!
Also ein Schueler der 11. Jahrgangsstufe bekaeme bei mir fuer ihren Kommentar ein ungenuegend!
Noch einmal ueberarbeiten, bitte!
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