KUNSTMARKT Die Spur des teuren Tapirs

Schon beim Gang durch die Hallen der European Fine Art Fair (Tefaf) in Maastricht gerät der Zuschauer in einen leicht psychedelischen Zustand. Schuld ist die Messe-Architektur, die von der Op-Art beeinflusst scheint: Alles ist gewellt und verspiegelt. An den noch bis zum 18. März ausgestellten Objekten kann der Besucher sich dann vollends berauschen. Es ist verblüffend, mit welcher Qualität die Tefaf auch in ihrem zwanzigsten Jahr quer durch die Kunst von drei Jahrtausenden auftrumpft. Rund um die Alt-Meister-Gemälde gruppieren sich Antiken, Antiquitäten, Manuskripte, Design, moderne und zeitgenössische Kunst sowie Schmuck.

Jeder der 220 Aussteller strahlt die Gewissheit aus, dass seine Ware die Tefaf zur weltbesten Kunst- und Antiquitätenmesse macht. An der versammelten Händlerpower kann auch der mit Misstrauen betrachtete Einzug der beiden Auktionshäuser Sothebys und Christies (ZEIT Nr.

11/07) bisher nicht kratzen. Wenigstens noch von dem Geist des verstorbenen Altmeisterhändlers Rob Noortman getragen ist der Auftritt von Sothebys. Die Präsentation von Christies unter dem Label King Street Fine Art ist mit teils unverkaufter Auktionsware eher peinlich.

Die Pracht und Herrlichkeit wird in immer raffinierteren Standkonstruktionen zelebriert. Bernheimer-Colnaghi ließ sich seinen aus dem 19. Jahrhundert stammenden Galerieraum in der Londoner Bond Street exakt nachbauen. Der Münchner Juwelier Hemmerle bietet seine hochkarätigen Preziosen in einem silbrig gleißenden Würfel dar. Die bildende Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, die mit Galerien wie Pace Wildenstein, Acquavella und dem Neuaussteller Hauser

& - Wirth vertreten ist, signalisiert den Willen zum Anschluss an die Messen Art Basel und Frieze auch wenn sich Hauser

& - Wirth mit Yves Klein, Alighiero Boetti und einer riesigen Spinne von Louise Bourgeois extrem angepasst gibt.

Nicht zu übersehen ist mit 17 Ausstellern eine verstärkte Präsenz asiatischer Kunst. Das ist ganz im Sinne des neu gewählten Vorsitzenden des Executive Committees, des Londoner Asiatika-Händlers Ben Janssens. Er verkaufte am Eröffnungsabend neben 25 weiteren Objekten auch ein aus dem 11. Jahrhundert stammendes chinesisches Zeremonialgefäß aus Bronze für 250000 Euro aus einer Privatsammlung in Hongkong an einen Sammler in der Schweiz. Janssens war der erste Händler auf der Tefaf, der Preisschildchen anbrachte. Das macht Sinn.

Denn immer wieder hört er von Kunden: »Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir das leisten kann.« Seine Taktik hat auch die ebenfalls auf orientalische Kunst spezialisierte Firma Vanderven

& - Vanderven für Objekte bis 50000 Euro übernommen. Ungenannt blieb hingegen die Summe, für die ein amerikanisches Museum eine über einen Meter große Öllampe aus der Han-Zeit erwarb.

Eine solitäre Stellung nimmt Grace Wu Bruce mit ihren aus heutiger Sicht minimalistisch anmutenden chinesischen Möbeln aus dem 16. und 17. Jahrhundert ein. Die in Hongkong ansässige Ausstellerin versichert, dass die einstmals nach Gewicht verkauften Möbel aus dem harten Huanghuali-Holz locker noch 200 Jahre in unveränderter Schönheit überleben können. Dafür muss man bis zu 300000 Euro bezahlen.

2500 Jahre alt ist ein 43 Zentimeter langes und 25 Zentimeter hohes bronzenes, mit goldenen und türkisen Intarsien verziertes chinesisches Weingefäß in Form eines Tapirs, das Littleton

& - Hennessy Asian Art für 9,5 Millionen Euro anbieten. Wie dieser Liebling der Messe die Zeit schadlos überleben konnte, bleibt ein Rätsel. Die Spuren des Tapirs führen zu einer europäischen Privatsammlung und einer Ausstellung in Berlin im Jahr 1929. Doch wo hatte sich das nachtaktive Tier vorher versteckt?

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.56
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