LÄNDERSPIEGEL ZUM BEISPIEL Donald Klein
Lambsheim
Donald Klein sah Deutschland als Bananenrepublik. Er hegte Selbstmordgedanken, und als Künstler hatte er genaue Vorstellungen davon, was auf seinem Grabstein stehen sollte: »Zum Gedenken an Donald Klein, Bildhauer und Mensch, geopfert von der Bundesrepublik Deutschland unter der Kanzlerin Angela Merkel«. Das schrieb er mit unsicherer Hand in sein Tagebuch. Seine Frau Karin brachte es aus dem Ewin-Gefängnis in Teheran nach Hause, nach Lambsheim, einem 6000-Einwohner-Örtchen bei Ludwigshafen.
Der Weg des 53-jährigen Pfälzers in die Teheraner Zelle begann im Urlaub. Mit einem französischen Skipper fuhr er zum Hochseefischen. Am 29. November 2005 geriet ihr Schiff in iranisches Hoheitsgewässer und beide Männer wurden wegen illegalen Grenzübertritts zu 18 Monaten Haft verurteilt. Klein landete in einer 20-Quadratmeter-Zelle, mit zehn anderen Insassen. Nächtelange Verhöre folgten.
Satellitennavigationssystem und Kameras an Bord seines Bootes genügten den Iranern, ihn der Spionage zu verdächtigen. Am Montag wurde Klein freigelassen zweieinhalb Monate vor dem Ende seiner Haftzeit, zwei Wochen nach seinem Skipper. Ohne Begründung.
Daheim erwarten ihn nicht nur seine beiden Kinder und seine Frau, mit der er pro Tag exakt zwölfeinhalb Minuten telefonieren durfte, sondern auch seine Freunde: Klein, beim Hochseefischen festgenommen, ist Mitgründer eines Sportanglervereins.
Aber warum passierte das alles? Der Verdacht liegt nahe, dass Iran den Pfälzer als politische Manövriermasse einkassierte. Teheran versuchte, Klein gegen einen in Deutschland einsitzenden Drahtzieher des Berliner Mykonos-Attentats einzutauschen, bei dem 1992 vier iranische Oppositionelle ermordet worden waren. Berlin lehnte ab.
In einem späteren Tagebucheintrag schrieb der Häftling übrigens: »Ich muss meine Meinung über die Oberen in Deutschland etwas revidieren.
Sie tun wirklich, was sie können, sagt meine Frau, ich bin also doch nicht so allein, wie ich dachte.«
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.11
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