Die Vorbehalte gegen das Fliegen sind älter als die Luftfahrt. Schon im Zeitalter der Bauchlandungen wurde diskutiert, ob wir immer so hoch hinaus dürfen, wie wir können. Die frühen Mahner und Warner ahnten noch nichts von den Tücken der modernen Fliegerei. Sie spürten einfach: Hier geht es wider unsere Natur. Und wo das Menschenmaß versagt, wo wir unser Leben kaum zu verstehenden Apparaten ausliefern, bleibt stets ein Unbehagen. Oft genug ist es leider berechtigt. 

Noch nie in der Geschichte der Luftfahrt war die Situation so unnatürlich wie jetzt. Das aufwendigste aller Transportmittel befördert zunehmend die Massen. Immer dichter wird das Netz; immer tiefer purzeln die Preise. Normale Deutsche fliegen heute zum Shopping nach London, weil ein Flugzeug sie schneller und günstiger hinbringt als ihr Auto in die nächste Großstadt. Für den Urlaub darf es noch ein wenig weiter sein. Warum nicht mal Domrep statt Malle?

Doch statt uns an der neuen Freiheit zu freuen, spüren wir diese diffuse Angst, die sich mal hierhin, mal dorthin entlädt. Vor ein paar Jahren bangten wir um die eigene Haut. Man munkelte, die Billigflieger sparten an der Sicherheit. Belege dafür fanden sich nicht, aber irgendwie leuchtete es ein. Heute gilt unsere Sorge der Umwelt, die das Abgas der Triebwerke aushalten muss. Die Folgen, sagen manche, spürten wir ja schon. Auch das klingt zu schlimm, um falsch zu sein, weshalb wir schon gar nicht mehr fragen, woher der Alarm eigentlich kommt.

Aus der Wetterforschung jedenfalls nicht. Deren Zentralverlautbarung, der im Februar vorgestellte (Intergovernmental Panel on Climate Change)- IPCC-Bericht , erhärtet nur, was im Kern schon lange bekannt war: Mit ihrem Kohlendioxidausstoß beeinflussen die Industrieländer das weltweite Klima, und leider zu unserem Schaden. Land wird im Meer versinken oder versteppen – nicht zuletzt dort, wo wir heute unseren Strandurlaub verbringen. Wann das wie stark geschehen wird und was wir am sinnvollsten dagegen tun können, steht indes noch in den Sternen. Entsprechend wenig wissen wir über Schuld und Verantwortung der Luftfahrt.

Trotzdem dreht sich die Panikspirale. Nur immer dramatischere Prognosen finden noch Gehör. Bald schon werden wir das Wort »Klimakatastrophe« so satt haben wie, sagen wir, »Pandemie«. Und das ist fatal bei einem Problem, das so alt ist wie das Industriezeitalter und nur mit langem Atem gelöst werden kann. Aber nein: Jetzt was tun, irgendwas, schreien die Untergangspropheten. Und wir stimmen ein, überzeugt durch die sinnliche Gewissheit eines milden Winters.

Schon gut, Spott ist hier fehl am Platze. Man kann nicht oft genug daran erinnern, dass eine Flugreise keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein Abenteuer, das wir mit Risiken für uns und für andere erkaufen. Aber braucht es dafür den Übereifer der Bekehrten, der seit ein paar Wochen grassiert? Mancher gebärdet sich, als hätte man ihm zeitlebens verschwiegen, dass ein Jumbojet nicht mit Windkraft fliegt. Politiker und Lobbyisten fordern allerlei Flugabgaben, -steuern, -verbote und bekommen zum Dank eigene Umweltsünden vorgerechnet. Nicht einmal Prince Charles blieb verschont, als er jüngst ein Flugzeug bestieg, um in New York einen Ökopreis anzunehmen.