Glosse Das Letzte

An einem Wochentag im Baumarkt: Die Rentner sind los!

Liebe Steuerzahler! Machen Sie doch mal die Probe und gehen Sie an einem beliebigen Vormittag unter der Woche in einen Baumarkt. Wen treffen Sie dort? Gelangweiltes Personal, das in der Nase bohrt? Familienväter, die sich freigenommen haben, um für die Kinder eine Gartenschaukel zu basteln? Gehetzte Handwerker, die ein paar vergessene Schrauben in letzter Minute nachkaufen müssen? Meine Damen und Herren – Sie werden sich wundern. Nichts von alledem werden Sie dort finden. Keine Stille, keinen Ernst, keine demutsvolle Elternliebe. Vielmehr finden Sie an diesem regnerischen Donnerstag im größten Baumarkt des Hamburger Nordens einen rastlosen Hochbetrieb wild gewordener Rentner, die Bohrmaschinen shoppen, dass sich die Einkaufswagen biegen.

Aber was heißt hier schon Einkaufswagen? Diese Einkaufswagen in einem Hamburger Vorstadtbaumarkt sind geländegängige Nahkampfgeräte, sozusagen die Hummer unter den Einkaufswagen, man muss mit ihnen nicht angstvoll vorausblicken, bevor man in die Gänge biegt, man schiebt sie einfach rein und knallt sie dem nächsten Verkäufer vor den Latz, der sich dort vor der Seniorenflut verstecken wollte – aber was heißt hier schon verstecken? Kann man sich etwa vor Termiten verstecken? Nein, meine Damen und Herren, das kann man nicht. Diese Rentner in diesen Hamburger Vorstädten fräsen sich auf ihren Shoppingzügen wie Termiten durch die Baumärkte und raspeln alles runter, was eben noch auf den Regalen blühte. Und zwar mit unserem Geld! Mit dem Steuer- und Sozialversicherungsgeld, das im Rentenhaushalt fehlt.

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Haben Sie sich nie gefragt, warum es so teuer sein soll, ein paar verhungerte Altchen staatlich durchzufüttern? Ich werde Ihnen sagen, warum. Weil diese Altchen gar nicht verhungert sind. Weil sie vollgefressen und überfressen sind und gar nicht mehr wissen, was sie noch fressen und shoppen sollen, und deswegen in die Baumärkte gehen und sich Kettensägen holen und Winkelschleifer und Wisch-und-weg-Tücher, wahrscheinlich sogar ganze fernsehwerbungsempfohlene Wisch-und-weg-Systeme, und damit machen sie dann, wenn sie heimgekehrt sind, die Kinder und Enkelkinder weg, überhaupt alles, was nach ihnen kommen könnte, die Kettensäge heult und der Winkelschleifer kreischt und Oma wischt, und weg ist die böse Zukunft, in der es an Geld fürs Seniorenshopping mangeln könnte!

Jawohl, meine Damen und Herren! Da kreischt und heult Ihr Steuergeld. Da haben Sie nichts mehr zu lachen. Aber Oma und Opa im Baumarkt – nun, ich will Ihnen nicht zu viel versprechen. Machen Sie die Probe und schauen Sie selbst. Wie heißt es auf jedem Basar? Looking is free. Oder Sie gehen einen Schritt weiter, ins Parkhaus gegenüber, und touchieren wie aus Versehen einen Senioren-Mercedes. Da können Sie dann live und an sich selbst beobachten, was Opa mit der Kettensäge macht. Denn einem Rentner an den Benz zu gehen – das ist wie einem Luden in den Schritt zu greifen, ein Todesurteil, das man sich selber spricht: Euthanasie in eigener Sache.

 
Leser-Kommentare
    • keox
    • 20.03.2007 um 17:20 Uhr

    mein lieber schwan, was willst du denn nun damit sagen? ist es wirklich deinen billigen spott wert, wenn menschen, die gemeinhin ihr leben mit fremdbestimmter arbeit verbracht haben, in ihren letzten jahren endlich einmal selbst bestimmen, wo, wann und wie - mit welchen bohrmaschinen auch immer - sie ihre ganz persönlichen löcher bohren?

    ist es wirklich sprachwitzig, menschen zu verhöhnen, die man zeitlebens auf konsum gedrillt hat? was, mein lieber schwan, ist daran witzig?

    stört dich die handwerkliche komponente daran? und wenn - warum? wäre ikebana angemessener, oder ein grundkurs in latein?

    schlimm wäre es doch, belegten diese bastelrentner einen VHS-kurs: 'wie schreibe ich eine glosse'. da geriete mein geliebter schwan doch unversehens zum häßlichen entlein.

    doch dann: der mehrmalige hinweis auf die steuergelder.

    kurzum, mein lieber schwan: man merkt die absicht und man ist verstimmt.

    eine letzte frage, ganz unpolemisch, was eigentlich treibt ein schreiberling, der zu unrecht für seine 'glossen' bezahlt wird, sollte er einmal rente beziehen - aus steuergeldern, möglicherweise auch aus baumarktaktien - was also treibt er dann? enten füttern?

    ps: man kann seine rente auch erhöhen durch schweigegelder für nicht veröffentlichte 'glossen'.

    finis

  1. nur Internetforen zuzumüllen, sondern will auch dass es meine 18 Jahre jüngere Freundin schön hat.

    Ich empfehle übrigends nachwachsendes Laminat aus Cocosnüssen und für die Potenz frische Cocosnssmilch in der Caribic frisch geeerntet mit meinem alten Bajonett aus der Zeit des bewaffneten Widerstands. Es lebe der Baumarkt, die deutsche Journaille im Vollbesitz der abendländischen Werte, und unsere Heilsbringerin , die Kongo Äenschie, ein dreifachaches 'Lasst sie Hochleben'

  2. Dem Finis-Volontaer wuensche ich, dass er sich bei seinen Vorgaengern ein paar Lesefruechte aneignet. Ich hoffe fuer DIE ZEIT, mit einem besseren Qualitaetsmanagement den eigenen Kindergarten noch entwickeln zu koennen.

  3. ... lustig leider auch nicht.

  4. ... in Inhalt und Aussage. Kann gleichartiges auch aus dem östlichsten Osten Deutschlands, nämlich dem Dresdner Umland berichten. Schaut man sich in den diversen Baumärkten, Supermärkten, Einkaufscentern etc. die hier wie Pilze aus dem Boden geschossen sind und immer noch schießen um, meint man, nur noch Rentner hätten genug Geld zum Ausgeben (was wohl nicht ganz zutrifft) oder HIER LEBEN NUR NOCH RENTNER (Was zumindest unter der Woche zutreffend ist).

  5. hättest dich selbst besser um deine Frau kümmern können, und wärst nicht auf fremde 'Dienste' angewiesen. Ein Spar Tip, in einer guten Christengemeinde machts der Pfarrer gerne umsonst, der hat auch immer viel freie Zeit ;-)

  6. Das ist doch keine Glosse! Weder entlarvend noch witzig. Thema verfehlt, würde ich sagen. Hat das in der Redaktion keiner gemerkt?

  7. 8.

    Geschmacklos, verletzend und vulgär!

    Die journalistische Glosse verführt die Medientätigen doch offensichtlich allzu gern dazu mal richtig vom Leder zu ziehen. Unter diesem Schutzmantel glaubt man mit Sprachwitz und intellektueller Überheblichkeit plumpe Stammtischweisheiten unter die Leute bringen zu können.

    Ein Irrtum. Blamabel für den Autor wie für DIE ZEIT.

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  • Quelle DIE ZEIT, 15.03.2007 Nr. 12
  • Kommentare 13
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  • Schlagworte Euthanasie | Oder | Kinder
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