Gefragt
Sie sind als Professor in Elternzeit der erste Mann an der FH Osnabrück, der dieses Recht in Anspruch genommen hat.
Ja, von den circa 240 hauptamtlichen Lehrenden an der FH bin ich der erste Mann, der diesen Schritt geht. Wobei es bei uns auch nur selten passiert, dass Professorinnen in Elternzeit gehen.
Das lässt nicht gerade auf ein familienfreundliches Klima an Ihrer Fachhochschule schließen.
Daran liegt es nicht. Mir hat bei meiner Entscheidung niemand Steine in den Weg gelegt. Ich würde sogar sagen, wir sind eine leistungsorientierte, aber dennoch familienfreundliche FH. Die wenigen Mütter unter den Professoren versuchen, ihre Vorlesungen so zu legen, dass sie die Arbeit an der FH und die Kinder unter einen Hut bekommen, ohne aber an ihrer offiziellen Arbeitszeit zu rütteln.
Warum haben Sie sich dann für die Elternzeit entschieden?
Das war ein sehr bewusster Schritt. Meine Frau ist als Richterin wieder voll berufstätig. Sicherlich hätten auch wir unsere Arbeit irgendwie so legen können, dass wir die Betreuung unserer zweijährigen Tochter gemeinsam mit einer Kinderfrau hinkriegen würden. Bei solchen Modellen braucht man viel Disziplin, irgendwann gibt man sich nur noch gegenseitig die Klinke in die Hand. Ich aber habe mir vorgenommen, die Entwicklung meines Kindes mitzuprägen. Was sind ein, zwei Semester Elternzeit im Vergleich zu einem ganzen Arbeitsleben?
Trotzdem wollen Sie noch zwei Vorlesungen pro Woche halten, also Teilzeit arbeiten.
Ja, ich sehe das als sehr privilegierte Elternzeit. Aber ich bin bewusst aus bestimmten Gremien ausgetreten und habe Funktionen aufgegeben. Die Kollegen sagten zwar: Elternzeit hin oder her, aber du kandidierst doch wieder? Habe ich aber nicht.
Wird Ihnen das Nachteile bringen?
Ich werde auf einigen Gebieten nicht mehr so gut Bescheid wissen, wahrscheinlich weiter hinten in der Schlange stehen. Aber das wird sich wieder aufholen lassen. Sicherlich fällt meine nächste Evaluierung anders aus, was sich auf die leistungsorientierte Besoldung auswirken könnte. Aber das ist es mir wert - und ohne Kompromisse geht es nicht.
Interview: Jeannette Otto
- Datum
- Quelle DIE ZEIT Nr.12 vom 15.03.2007, S.86
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